Der in Chicago beheimatete Chris Black muss ein Mensch sein, dem es ziemlich schnell langweilig wird. Wie ist es sonst zu erklären, dass er nicht nur diverse Instrumente spielt und singt, sondern diese auch in die Dienste zahlreicher, äußerst unterschiedlicher Projekte wie Dawnbringer, Superchrist, Aktor oder Pharaoh stellt. Eines seiner zahlreichen Babys hört auf den Namen High Spirits und hat mit seinem Debüt „Another Night“ vor ein paar Jahren einiges an Staub in der Hard’n’Heavy-Szene aufgewühlt. Stilistisch zwar nicht außergewöhnlich, bot das Ganze mit viel Elan und Frische eingespielten, altmodischen High-Energy-Rock an der Schnittstelle zwischen den großen Alten der 70er, der New Wave of British Heavy Metal und eingängigem Stadionrock der 80er. Mittlerweile ist die Truppe mit „Motivator“ bei ihrem dritten Studioalbum angelangt das einfach spitze ist. „Truppe“ ist hier allerdings etwas hochgegriffen, denn im Studio ist Chris Black Alleinkämpfer. Er schreibt und spielt alles komplett selbst ein. Erst auf der Bühne wird aus High Spirits eine richtige Band. Wir erwischten den sympathischen und äußerst entspannt rüber kommenden Musikfanatiker nach einer kurzen Amerikatour zu Hause.

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Hi Chris! „Motivator“ ist ein tolles Album geworden. Aber es gibt eine Sache die mich stört: es ist nur eine knappe halbe Stunde lang. Ich will mehr! Ja, ich weiß, dass es als Single-B-Seite noch den Song „Just Like A Dream“ gibt, der erstaunlich melancholisch klingt.

Ja, das stimmt. Eigentlich sollte er auch Teil des Albums sein, aber die Nummer passt nicht zur Gesamtstimmung. Sie funktioniert auf der Single besser und ich denke, dass der Rest der Platte stärker ohne „Just Like A Dream“ rüberkommt. Tut mir leid, dass das Ding zu kurz ist. Vielleicht bis Du zu groß? Hast Du es mal in einer anderen Position versucht? (lacht)

 

In einem Song stellst Du die Frage: „Will ich berühmt sein?“ Hast Du bereits eine Antwort auf diese Frage gefunden? High Spirits genießt einen Art Kultfaktor in der Metal-Underground-Szene. Aber ich denke, dass ihr noch eine viel größere Anziehungskraft Leute habt. Bist Du zufrieden damit wo sich High Spirits derzeit befinden oder ist es Zeit für etwas Größeres?

Unser Publikum ist schon jetzt größer als wir uns jemals hätten vorstellen können! Wir sind eine Underground-Rock’n’Roll-Band ohne Plan unseren Weg zu ändern. Davon abgesehen ist jeder willkommen uns zu hören und ich hoffe, dass die Leute es auch tun. Eines der Grundprinzipien von High Spirits ist, die Songs die Arbeit machen zu lassen und sich nicht auf unseren Look, unser Merchandising, ein Musikvideo zu verlassen, oder dass wir mit irgendeiner „Welle“ von Bands in einen Topf geworfen und von ihr mitgezogen werden. Die Verbindung mit dem Hörer müssen die Songs selbst sein und ich denke, dass unsere Dickköpfigkeit geholfen hat ein hingebungsvolles Publikum zu finden das uns so lange folgt wie es uns gibt.

 

„Motivator“ war eines der am meisten erwarteten Platten der Metalszene in diesem Jahr. Hast Du irgendwelchen Druck gefühlt während Du die Songs geschrieben und aufgenommen hast?

Nicht wirklich, da ich mir einfach Zeit gelassen habe. Es gab keinen Druck in Form von Deadlines und ich habe ein Jahr damit verbracht stufenweise zu schreiben und Demos zu produzieren. Danach acht Monate mit den endgültigen Aufnahmen. Das bedeutet, dass ich nur daran arbeitete wenn die Stimmung gepasst hat. Für mich war es nie eine Verpflichtung. Es war sogar sehr gesund, besonders im Vergleich zum Vorgänger, der unter enormen Druck produziert wurde.

 

Ich mag den Sound der neuen Platte sehr. Er klingt wie ein Mix aus der schimmernden Produktion des Debüts „Another Night“ und der raueren Liveseite von High Spirits.

Ich bin froh, dass Du den Mix der Platte magst. Es war derselbe Mischer wie bei „Another Night“ am Werk. Aber dieses Mal war die Herangehensweise etwas basischer, so dass ich mit Deiner Beschreibung durchaus konform gehe.

 

Das bringt mich zu der Frage, ob High Spirits immer noch eine Art Soloprojekt sind? Ich denke es gäbe der Musik etwas mehr Spannung, würdest Du sie mit Deiner Liveband aufnehmen. Auf der anderen Seite wären das auf Platte vielleicht aber nicht mehr die High Spirits, wie sie damals angefangen haben.

Das ist in der Tat eine häufig gestellte Frage und Du hast die Antwort schon selbst gegeben. Mit mehr Leuten aufzunehmen würde den Schreib- und Aufnahmeprozess in einem gewissen Punkt verändern, was riskant sein könnte. Es könnte gut sein, es könnte großartig sein, aber es wäre auf jeden Fall anders.

 

Andererseits wäre ein richtiges Livealbum auch klasse. Ich habe das offizielle Live-Bootleg von euch und als Band klingt ihr da stark. Gibt es Pläne High Spirits auf dieser Art den Fans noch einmal richtig zu präsentieren, die euch live nicht kennen?

Ja, ich denke, dass wir irgendwann so etwas machen werden. Und Du hast schon wieder Recht. Das Bootleg ist eine nette Vorschau wie ein richtiges Livealbum klingen könnte.

 

Du schreibst und nimmst die Musik von High Spirits komplett im Alleingang auf. Lässt Du aber auch etwas Input von außen zu, vielleicht von Deiner Liveband?

Sicherlich. Ich bekomme Inspiration und wichtiges Feedback von den anderen Jungs. Schließlich sind sie es die das Zeug auf der Bühne spielen müssen. Manchmal nehme ich das an, manchmal auch nicht. Aber es ist auf jeden Fall wichtig.

 

Nachdem Du so mehrere spielst, was ist eigentlich Dein Lieblingsinstrument?

Mein Lieblingsinstrument ist wahrscheinlich der Bass. Oder die Kombination aus Bass und Gesang. Damit sollte ich mehr trainieren!

 

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Die vielen coolen Twin-Gitarren-Leads lassen den Schluss zu, dass Du durchaus ein Fan von Iron Maiden bist. War diese Band eine der Gründe ein Instrument in die Hand zu nehmen und eine Band zu gründen oder was war der Zündfunke ein Musiker werden zu wollen?

Ich habe mich schon immer stark mit Musik identifiziert, seit ich denken kann. Deshalb kann ich auch gar nicht sagen was der Zündfunke war ein Songwriter und Performer werden zu wollen. Ich bin mir da nicht sicher. Ich denke als ich mit ungefähr 14 Jahren das Original von „Helpless“ (Diamond Head, prominent gecovert von Metallica – Anm.d.Red.) gehört habe, gab es kein Zurück mehr. Aber es könnte schon vorher zu spät gewesen sein, weißt Du. Meine Eltern haben mich da immer angespornt. Und sie tun es auch heute noch.

 

Ich mag das positive Feeling von High Spirit. Die Musik klingt fröhlich, aber nicht ohne Substanz. Etwas das ich an der derzeitigen Metalszene etwas vermisse, in der er oft nur darum geht möglichst brutal zu sein und ein Riff an das andere zu klatschen, anstatt richtige Songs zu schreiben. Siehst Du das als Problem? Die Szene braucht mehr Bands wie High Spirits – besonders in diesen dunklen Zeiten.

Hm, schwer zu sagen. Es gibt im Leben viele verschiedene Aspekte, viele Aufs und Abs. Also denke ich, dass es okay ist, dass es unter dem Himmel viele verschiedene Arten von Musik gibt, und viele Leute die eine große Bandbreite an Klängen und Arten von Texten genießen. Und wenn jemand High Spirits nicht gefällt, dann sollte er oder sie eben etwas anderes hören. Wir leben in einer Zeit des großen Überflusses mit buchstäblich hunderttausenden Bands an jedem Finger.

 

Du bist aber auch gut dabei die Anzahl zu vervielfachen. Du hast selbst viele Bandprojekte. Es scheint, als seist Du ein echter Musikjunkie. Bleibt da noch Zeit für einen regulären Job und Familie?

Kein Job, aber viel Familie und viel Rock and Roll. Das Leben ist gut.

 

Jede der Bands in der Du involviert bist klingt komplett anders. Brauchst Du diese Vielfalt, um jede Facette Deiner Persönlichkeit abzudecken?

Ich denke das ergibt sich, da ich Alben als Kunstform schätze, als eine Art „Maßeinheit“. Ein Album hat die richtige Containergröße für viele meine Ideen. Gleichermaßen ist eine Band die richtige Containergröße für diese Alben-Container. Aber allmählich komme ich etwas von dieser Idee ab und ich fokussiere mich weniger auf das Endprodukt und mehr auf den Prozess. Ich genieße es immer wie sich das Regal mit meinen kleinen Plastikdingern füllt. Aber in letzter Zeit wird mir immer mehr bewusst, dass sich das früher oder später immer mehr zu einer Art Deponie entwickelt.

 

Wenn das so ist, siehst Du dann eines Deiner Projekte mittlerweile als ein Hauptprojekt?

Nein, die Gesamtheit von allen ist mein Hauptprojekt.

 

Und an was arbeitest Du derzeit, bzw. auf was können wir uns in nächster Zeit freuen?

Ich arbeite gerade an ungefähr sechs Alben und drei EPs. Aber ich rackere nicht zu sehr.

 

Na dann, Chris, wird es uns als Hörer mit Dir wohl auch nicht so schnell langweilig!

 

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Diskografie:

High Spirits (Demo-Compilation, 2009)
Let’s Rock / Running Home (7″-Single, 2010)
Another Night (2011)
2013 (EP, 2013)
High Spirits (7″-Single, 2014)
You Are Here (2014)
Official Bootleg (LP-Livealbum, 2015)
Take Me Home (7”-Single, 2016)
Motivator (2016)