Das nennt man wohl Timing: Das neue Album ist noch gar nicht erschienen und schon verabschiedet sich die Band von der Musikwelt.

Kann mir nicht vorstellen, dass das nur ein Werbegag ist, denn The Wounded Kings machen passende Musik für solche Abschiedsstimmungen. Nämlich Doom Metal. Düster, aber bodenständig. Episch, aber ohne sakrale Stimmung á la Candlemass. Die klassischen Iommi-Riffs verleihen dem Ganzen eine angenehme Bodenständigkeit, während man immer wieder mit psychedelischen Pink-Floyd-Stimmungen jongliert. Und das wäre noch der Gesang von Mikro-Rückkehrer George Birch, der einen Hauch verhallte Goth-Stimmung mitbringt.

Konsequenz ist düster-okkult klingender Sonnenuntergangsdoom der speziellen Sorte. Faszination kann man der Band dabei nicht abstreiten. Gerade wenn die episch erhabenen Momente auf den ausgelassenen Jam-Charakter der Instrumentalisten trifft, hat das was. Die Engländer machen es kaum ohne Überlänge. Songlaufzeiten um die zehn Minuten sind nichts Besonderes. Aber trotz ihrer Länge haben die Songs einen geschmeidigen Fluss und wissen mit Stimmungen zu spielen.

Trotzdem dürften es in den einzelnen Nummern gerne ein paar Widerhaken und Hooks mehr sein. Denn sie leben eher von der Stimmung, also vom spannenden Songwriting. Überhaupt wirkt „Visions In Bone“ erst richtig als Ganzes. Dann entfaltet die Stimmungsbombe erst seinen vollen Charme.

Die eingangs erwähnte, überraschende Nachricht dürfte so manchen Fan der Band verstört zurück gelassen haben. „Visions In Bone“ macht den Abschiedsschmerz noch größer. Denn das finale Machwerk ist recht gelungen.

The Wounded Kings - Visions In Bone

Trackliste:
1. Beast
2. Vultures
3. Kingdom
4. Bleeding Sky
5. Vanishing Sea

The Wounded Kings - Visions In Bone (Candlelight/Caroline, 26.08.2016)
3.8Gesamtwertung