Die Chiemgauer Zigneuer-Folk-Rocker Django 3000 sind gerade auf ausgedehnter „Unplugged Tour“ durch die Republik und machten an diesem Abend im bayerisch-schwäbischen Augsburg Halt. Wie die meisten anderen Auftritte war auch dieser schon länger im Voraus restlos ausverkauft. Das hatte nicht nur mit der Popularität der Truppe zu tun, sondern vor allem mit dem Konzept der Rundreise. Man machte nämlich nicht in Hallen Halt, sondern in kleinen Clubs und anderen überschaubaren Etablissements, um für einen intimen Rahmen zu sorgen.

In der Fuggerstadt hatte man sich für die Kleinkunstbühne Kresslesmühle entschieden – gelegen mitten in der Stadt, unterhalb des Rathauses. Also voll drin im Getümmel. „Mittendrin statt nur dabei“ schien auch das Motto des Konzerts zu sein. Denn die Band stellte sich nicht, wie sonst üblich, auf die Bühne, sondern platzierte sich ohne Netz und doppelten Boden mitten im Zuschauerraum. Quasi zum Anfassen nah. Nur eine Armlänge entfernt saßen die Zuschauer rund um die Band herum. Sowas erlebt man sonst nicht allzu oft, was alleine schon für eine tolle, heimelige Atmosphäre sorgte.

Das genoss die Band augenscheinlich ziemlich. Gerade Sänger Kamil. Jener gibt sich bei den „normalen“ Konzerten immer etwas wortkarg. Heute zeigte er sich sehr gesprächig, führte gut gelaunt und durchaus immer wieder spontan durchs Programm und band so das Publikum mit ein. Fast fühlte man sich, als sei man Teil der Show, die heute allerdings keine Show war, sondern eine gemütliche Zusammenkunft von fünf Musikern, die Spaß daran hatten ihre Lieder mit einem leicht anderen Anstrich zu spielen. Eben „alles ein bisschen schöner als sonst“ (O-Ton Herr Müller). Und wie schöner? Ein bisschen ruhiger vielleicht und durch die etwas reduzierte Wildheit auch ein Hauch musikalischer. Den Eindruck hatte man jedenfalls, als man den fünf Musikern auf die Finger schauen konnte.

Gerade die Songs des letzten Studioalbums „Im Sturm“, das viel zu kalt für Bandverhältnisse klingt, profitierten ziemlich vom aktuellen Setting. Besonders intensiv waren die ruhigeren „Freind“ und „Gib ma Flügl“. Ein Höhepunkt für sich war das spanische „Paco“ (ein Tribut an den Flamenco-Musiker Paco De Lucía). Mit „Die Zeit“ präsentierte man eine atmosphärische Nummer, die etwas ungewohnt erschien, weil sie Hochdeutsch gesungen wurde. Aber irgendwann ist es dann doch aus Django 3000 heraus gebrochen und die wilde „Drecksauparty“ nahm immer wieder ihren Lauf. „Im Sturm“, „Herz wie a Messa“, „Wuid und laut“, „Hey Romala“ sind einfach Lieder, bei denen man sich nicht so leicht auf dem Stuhl halten kann und die zum ausgelassenen Mitgrölen einladen. Dass das Publikum in Momenten viel lauter als die Band war, erschien nur logisch. Auch kein Wunder, da bis auf den Lead-Gesang (und natürlich das E-Piano) keines der Instrumente per Mikro verstärkt wurde.

Nach vier planmäßigen und einer ungeplanten Zugabe war nach rund zwei Stunden Schluss und das Augsburger Publikum wurde in die frische Mai-Nacht entlassen. Es dürfte keiner enttäuscht nach Hause gegangen sein. Denn es war ein wirklich schöner, besonderer Abend. Man kann Django 3000 für tolle Idee zu dieser Tour nur beglückwünschen!

Mit der Eintrittskarte gab es eine Unplugged-EP mit fünf Songs („Lem versaut“, „Wenn i geh“, „Freind“, „Herz wie a Messa“, „Paco“) als Geschenk obendrauf. Eine schöne Erinnerung. Man wurde an diesem Abend als durchaus doppelt beschenkt.

 

Setlist:
Gruass ans oide Lem
Wenn i geh
Heidi
Lem vasaut
Hey Mam
Freind
Herz wie a Messa
Paco
Ois wos i doa mog
Im Sturm

Wuid und laut
Danz ums Feia
Die Zeit
Engl und Geier
Da Wuide und da Deife
Tschavo
Hey Romale
Gib ma Flügl

Fia wos soi i hoam geh
Zeit
Schwarze Augen
Gipsy in me

Wuide Rössa