Briten haben seit jeher eine interessante Beziehung zum Hardcore Genre gepflegt. Schon in frühen Jahren klangen britische Hardcore Acts häufig anders als ihre amerikanischen Counterparts. Man denke da nur an Vertreter wie Crass, Discharge oder Napalm Death mit je ganz eigenen Sounds, Interpretationen und Herangehensweisen an eine sich in der Entwicklung befindlichen, international resonierende Subkultur.

Aber auch in der jüngeren Geschichte haben Bands von der Insel immer wieder konventionelle Genre Kategorien aufgebrochen, wilde Stilmixe kreiert und vor allen Dingen Experimentierfreudigkeit zelebriert. Neben von uns sehr geschätzten Vertretern wie Svalbard schlägt auch die fünfköpfige Formation Rolo Tomassi in diese Kerbe.

So treffen auf dem mittlerweile fünften Album des Quintetts eine ganze Reihe unterschiedlicher Einflüsse aufeinander und vermischen sich zu einem ansprechenden aber streckenweise auch fordernden Genre Bastard, der seiner Zuhörerschaft einiges an Aufmerksamkeit, Offenheit und Bereitschaft zu Brüchen und breiten Spektren abverlangt.

Da wechseln sich Blackmetal- und Crust-artige Passagen mit mal bedrohlichen Synthieflächen, mal verspielt- träumerischen Klangteppichen ab. Blast-Beats und metalesque Tiraden werden gefolgt von jazzigen Zeitsignaturen, mathige Vertracktheit wechselt sich mit hymnenhafter Epik ab und zermürbende Schubkräfte geben flächigen Pianoverschaufspausen die Klinke in die Hand.

So gegensätzlich wie streckenweise die instrumentale Inszenierung der Stücke ist, so diametral verhält sich auch der Gesang auf dem neuen Werk der Briten. Da wechseln sich, häufig sehr überraschend, kreischende, keuchende und gutturale Wutausbrüche mit melodisch-melancholischem Gesang ab.  Diese harten Brüche in der Stilistik sind neutral betrachtet interessant, subjektiv wohl eine Geschmackssache zwischen störend auf der einen und ziemlich genial auf der anderen Seite. Die vokale Bandbreite von Sängerin Eva Spence ist in jedem Fall beeindruckend.

Der für mich persönliche Höhepunkt der Platte stellt „Contretemps“ dar. Ein Stück, das mir von vorn bis hinten perfekt durchinszeniert scheint und perfekt mit einer düsteren, homogenen, erdrückenden Stimmung arbeitet und die Zuhörerschaft nach gut sechseinhalb Minuten abschließend in einen romantisch angehauchten Schlusspart mit aufsteigendem Pianopattern und Sängerin Eva Spences cleanen Melodiegesang entlässt.

Keine Frage. Mit „Time Will Die And Love Will Bury It” legen Rolo Tomassi ein ebenso vielschichtiges wie interessantes, fünftes Album vor, das vor verschiedensten Momenten, die sich manchmal auch erst nach mehrmaligem Hören vollständig entdecken lassen, nur so strotzt.

Darauf muss man sich einlassen können. Ein Autofahr-Soundtrack oder eine Im-Hintergrund-Hören-Platte ist es mit Sicherheit nicht. Für Freunde strikter Genre Grenzen auch nicht. Wer aber keine Scheu hat, sich in etwas hereinzuarbeiten und aufmerksam zuzuhören, darüber hinaus sowohl mit verträumten als auch verzweifelt wütenden und aggressiven Passagen gleichermaßen zurechtkommt, für den dürften die zehn Stücke auf „Time Will Die And Love Will Bury It“ ein gefundenes Fressen sein.

01. Towards Dawn
02. Aftermath
03. Rituals
04. Hollow Hour
05. Balancing The Dark
06. Alma Mater
07. A Flood Of Light
08. Whispers Among Us
09. Contretemps
10. Risen

Rolo Tomassi - Time Will Die And Love Will Bury It (Holy Roar Records, 02.03.2018)
4.3Gesamtwertung