Das „Free & Easy“-Festival in München steht wieder an und auch heuer sind mit Rose Tattoo oder Queensryche wieder einige interessante Bands für den Hartwurst-Sektor vertreten. Das Besondere an dem Festival ist, dass kein Eintritt verlangt wird und die Gagen angeblich über den Getränke-Verkauf reingeholt werden!

 

Die erste Vorband schaffen wir aufgrund des frühen Beginns leider nicht mehr, die Stimmung soll bei MIRROR PLAIN aus Deutschland laut Nachfrage bei einigen Besuchern sehr gut gewesen sein. Weitere Infos gibt es unter: www.mirrorplain.de

 

Mittlerweile ist das Backstage sehr gut gefüllt und FIREWIND legen los. Die Power-Metal-Band um Mastermind und Ausnahmegitarrist Gus G. besteht bereits seit 1998. Gus G. wurde 2009 von Ozzy Osbourne angeworben und war einige Jahre Teil seiner Live-Band, auf dem Album „Scream“ spielt er die E-Gitarre. Mittlerweile ist die Ozzy-Osbourne-Sache Geschichte und Gus G. konzentriert sich ausschließlich um seine Band. Firewind machen keine Gefangenen, sondern geben von Anfang an Vollgas. Sänger Henning Basse hat mit seiner authentischen Art und seinem starken Gesang sehr schnell die Fans auf seiner Seite. Auch der Rest der Band kommt sympathisch rüber und so entsteht im Handumdrehen eine mitreißende Konzert-Atmosphäre. Obwohl ich die Stücke nicht kenne, gefällt mir die Performance sehr gut und ich komme schnell rein. Stimmungstechnisch geht hier einiges, ich hätte nie gedacht, dass Firewind so viel Power in den Laden bringen. Gus G. erinnert mich von seinem Spiel her hin und wieder an Randy Rhoads oder Yngwie Malmsteen, nervt mich dabei aber im Gegensatz zu Yngwie in keiner Weise. Völlig mannschaftsdienlich zockt er seine Parts und lässt sich von der Begeisterung des Publikums mitreißen. Das bekannte „Maniac“ kurz vor Schluss bringt das Backstage zum Siedepunkt, „Falling To Pieces“ macht nach ca. 60 Minuten endgültig den Sack zu. Besser kann man den Job einer „Vorband“ definitiv nicht ausfüllen! Ich bin gespannt, ob Queensryche dieses Energielevel halten können…

Setlist Firewind:
Ode to Leonidas
We Defy
Head Up High
Few Against Many
World on Fire
The Fire and the Fury
Mercenary Man
Maniac
Falling to Pieces

 

QUEENSRYCHE habe ich bislang nur mit Sänger Geoff Tate gesehen, es ist für mich das erste Konzert mit Neuzugang Todd La Torre am Gesang. Der „Neue“ ist mittlerweile auch schon wieder seit 2012 bei der Band und hat während dieser Zeit bei den Alben „Queensryche“, „Condition Hüman“ und „The Verdict“ mitgewirkt.

Die Band steigt mit „Blood Of The Levant“ vom neuen Album ein, bereits jetzt sind die Fans vor der Bühne gut dabei. Der Sound ist gut, glasklar aber wahnsinnig laut. Ich verlege meinen Standort nach den ersten Songs in den hinteren Teil der Halle. Todd La Torre ist eine richtige Rampensau, der das letzte aus seinen Stimmbändern rausholt. Von den Fans wird er zu 100 % akzeptiert und auch die restlichen Musiker sind wieder mit Feuereifer bei der Sache. Ich gehe sogar noch eins weiter: Es steht jetzt wieder eine Band auf der Bühne! Diese Souveränität und Zufriedenheit zeigt sich am besten bei Bassist Eddie Jackson, der wie ein ruhender Pol seine Bassparts spielt und zielsicher zu den Background-Vocals an seinem Mikro-Ständer steht.

Queensryche bringen einen guten Mix aus alten Schoten wie „Queen Of The Reich“, neuen Stücken und wahren Glanztaten wie „Walk In The Shadows“. Von den neuen Sachen gefällt mir das progressive Stück „Propaganda Fashion“ am besten, es enthält für mich alle typischen Trademarks der Seattle-Legende. Der Scott-Rockenfield-Ersatz am Schlagzeug, Kamelot-Drummer Casey Grillo, macht seine Sache hervorragend und spielt wuchtig und effektiv seine Parts.

La Torre fragt in der Mitte des Konzerts, wer denn Queensryche schon mal live gesehen hat. Ungefähr ein Drittel der Anwesenden im Backstage bejaht dies. Und das ist interessant: stimmungsmäßig macht auch der Rest des Publikums gut mit. Und das sind zumindest von der Kleidung her teilweise auch Leute, die man garantiert nicht in einem Metal-Konzert vermuten würde! Die Ballade „Silent Lucidity“ kommt hervorragend an. Das Gitarrengespann um Michael Wilton und Parker Lundgren zeigt hier, dass es neben den schwierigen, progressiven Gitarrenläufen auch die akustischen Klänge perfekt beherrscht. Der Jubel nach dem Stück ist ohrenbetäubend, die Musiker auf der Bühne sind sichtlich gerührt aufgrund dieser überwältigenden Zuschauerreaktionen.

Nun stellen sich mir sämtliche Nackenhaare, das Titelstück der Über-Platte „Operation: Mindcrime“ wird vom Stapel gelassen. Der Song verfehlt seine Wirkung nicht und hat auch thematisch gerade in der heutigen Zeit leider nichts von seiner Bedeutung verloren. Ich sage nur: Alexa, hol mir mal ein Bier, aber schnell! Thematisch passt das neue „Propaganda Fashion“ hervorragend dazu, auch bei den aktuellen Stücken gehen die Jungs noch durchaus kritisch an ihre Themen beim Songwriting heran.

„Take Hold Of The Flame“ verlangt La Torre einiges ab, aber auch hier hat er keine Probleme. Das folgende „Eyes Of The Stranger“ bringt das Publikum zum kollektiven Mitsingen, die weitere „Mindcrime“-Granate kommt immer gut. Beim Gesang werden etliche Male Effekte eingebaut und auch der Background-Gesang der Herren Lundgren und Bass-Legende und Urgestein Eddie Jackson scheint mir zumindest teilweise aus der Konserve zu kommen. „Jet City Woman“ und ein brutal gutes „Empire“ beschließen ein abwechslungsreiches, musikalisch hochklassiges Konzert. Queensryche können sich in dieser Form auf jedem Festival und auf jeder Bühne dieser Welt behaupten. Und in dieser Form kann man sie sich getrost noch etliche Jahre anschauen. In diesem Sinne: Take hold of the flame! Vielen Dank auch an die Macher des Free & Easy-Festivals: Macht weiter so!

Setlist Queensryche:
Blood of the Levant
I Am I
NM 156
Man the Machine
Walk in the Shadows
Condition Hüman
Queen of the Reich
Silent Lucidity
Operation: Mindcrime
Propaganda Fashion
Screaming in Digital
Take Hold of the Flame
Eyes of a Stranger

Light-years
Jet City Woman
Empire

 

Bericht von Gastautor STEFAN GRAßL