Ging es den Jungs von Keele bei ihrem letzten Album noch „Gut und Dir“ , so gönnen sie uns dieses Mal nur „Kalte Wände“!

Nein, das ist hier jetzt keineswegs eine Abwertung ihres neuen und damit zweiten Albums – vielmehr zeigen sie uns, dass man in letzter Zeit ziemlich nah am „Nullpunkt“ war, diesen jedoch mittlerweile zum Glück wieder verlassen hat. Erfahrungen werden gemacht, ob gute oder schlechte – am Ende zählt aber immer wieder, dass man gestärkt aus dem ganzen Chaos hervorgeht!

In einem angenehmen Tempo verarbeiten die Hamburger in elf ansprechenden Therapie-Einheiten die Arschtritte, welche das Leben so mit sich bringt und ohne die es zwar manchmal vielleicht einfacher und unkomplizierter sein würde, aber durch die man immer wieder auch erkennt, dass man erstens noch lebt und zweitens stetig daran arbeiten muss, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

 

So darf man ruhig mal darüber sprechen wollen, dass der „Weg in den Ruin“ gar nicht so weit weg ist, auch wenn man gerne einmal ein Auge zudrückt, wenn die teuflische Sucht wieder an die Tür klopft. Fabi, Patrick, Alex, Frederik und Malte finden hier den richtigen Ton und scheinen mit „Kalte Wände“ weitaus mehr verarbeiten zu wollen, als ihnen selbst vielleicht lieb ist.

Musikalisch weit experimenteller als noch beim Vorgänger, gehen auch die Texte noch ein Stück mehr in die Tiefe als es schon „Gut und Dir“ damals versprach. Also erkennt man hier auf einigen Ebenen eine Weiterentwicklung, die es mir leicht macht den Jungs von Keele schon nach dem ersten Durchgang direkt wieder bedingungslos zu folgen.

Die Hamburger stolpern zielgerichtet von der einen in die nächste Krise und erreichen nicht nur einmal den „Grenzbereich“ der ein fragiles seelisches Fundament beinahe zum Einstürzen bringt. Aber irgendwo „Zwischen toten Nerven“ blitzt ein kleines Stückchen Hoffnung auf und treibt uns in die Zeit, wo uns Bengalos ins neue Jahr führen – und dann fängt alles einfach wieder von vorne an!

Gönnt euch doch einfach eine gute halbe Stunde lang „Kälte Wände“ – als LP, CD oder als Download begleiten sie euch durch die „Vorstadt“ und „Schwarze Decken“ säumen den Weg. AmEnde steht mal wieder „Einer von den Großen„, die den Karren nicht raus ziehen, sondern einfach noch weiter in den Dreck schieben.

 

Titel:
1. Kalte Wände
2. Nullpunkt
3. Einer von den Großen
4. Schwarze Decken
5. Zwischen toten Nerven
6. Vorstadt
7. Panem
8. Hypertonie
9. Grenzbereich
10. Abendland
11. Der Weg in den Ruin

 

Tourdaten:
12.09.19 Bremen, Capri Bar
13.09.19 Oberhausen, Druckluft
14.09.19 Düsseldorf, Spilles Open
27.09.19 Berlin, Schokoladen
28.09.19 Erfurt, Cafe Tiko
03.10.19 Jena, Cafe Wagner
26.10.19 Hamburg, Knust (Rookie-Fest 23)

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Keele - Kalte Wände (Rookie Records, 23.08.2019)
4.6Gesamtwertung