Vor nicht allzu langer Zeit erreichte uns die frohe Botschaft, dass die Herren Keele nun endlich mit ihrem Debut-Album aufwarten würden. „Gut und dir“ sollte es heißen und die Hamburger hauten uns mit der ersten Single „Terminal“ und dem kurz darauf folgenden „Gut und dir“ direkt zwei überaus feine Nummern, die stellenweise klangen als hätte man die guten alten Herrenmagazin Sachen mit etwas mehr Dampf und Energie versehen, um die punkerprobten Ohren… und schon wurden die Fünf bereits als neuer Stern am Hamburger Emo-Punk Himmel abgefeiert!

Und womit? Mit Recht… denn schaut man sich den fertigen Longplayer genauer an, dann wird man feststellen, dass die elf Nummern weder nach Rookies – auch wenn die lieben Menschen von Rookie Records für die Produktion verantwortlich waren 😉 und Keele sich erstmals in der Label-Geschichte mit einer richtigen Bewerbung um eine Zusammenarbeit bemüht hatte – klingen, denn die Song sind so wunderbar ausgereift und perfekt in Szene gesetzt… da kann, darf und will man gar nicht meckern!

Na klar, der „Sauerstoff wird knapp“… das zu merken, dafür brauche ich zwar den Opener nicht – aber selbiger gibt einen wunderbaren Einstieg für die folgenden gut dreißig Minuten! Beschäftigt sich „Terminal“ mit der Flucht bzw. dem Wegrennen vor sich selbst und allem, was uns schädlich erscheint, so erkennt man spätestens mit „Gut und dir“, dass man diese ewig gelogene Floskel ehrlicherweise endlich einmal in die Tonne kloppen sollte!

Dass „Hochmut“ vor dem Fall kommt, davon kann „Uwe“ die eine oder andere Geschichte erzählen und ob man die „Geister“ die man rief je wieder loswird, Fabian (Gesang), Alexander & Patrick (Gitarre), Malte (Schlagzeug) und Frederik (Bass) sagen euch ihre Meinung dazu.

Auch wenn ich persönlich die „Siebenundzwanzig“ bereits durchaus einige Zeit hinter mir gelassen habe, so frisst sich die eingängige Melodie in meine Hirnwände und mein persönlicher Keele-Ohrwurm ist geboren!

Aber auch politische Themen sind den Jungs nicht fremd, denn mit „Über Grenzen“ rechnen sie mit den dumpf-doofen Wutbürgern ab und wünschen die armen und geschundenen Refugees mit einem „schön dass du da bist!“ herzlich willkommen!

Mit dem „Grauwal“ endet dann dieses feine Stück Musik… nicht jedoch, ohne noch mit dem persönliche Frust über die schnelllebige Zeit und der allgemeinen Vergänglichkeit zu schließen – eine gelungene Nummer eines sehr gelungenen Debut-Albums… Respekt hierfür!

Also wenn man schlussendlich tatsächlich Vergleiche zu aktuellen Bands ziehen mag, dann dürfen Combos wie Matula, Captain Planet und Turbostaat (zumindest die stellenweise ähnlichen Gitarren lassen sich hier nicht wegdiskutieren!) auf keinen Fall fehlen. Aber auch – oder gerade – die bereits erwähnten Herrenmagazin sind hier definitiv zu nennen… ich denke Keele würden sich als Nachfolger der sich seit letzten Jahr im Ruhestand befindlichen, aber zum Glück noch nicht aufgelösten, Truppe um Deniz Jaspersen sehr gut machen – halt nur eine Spur dreckiger und rockiger!

Somit bleibt mir als eindeutiges Fazit nur die eindeutige Ansage: Kaufen sag ich… kaufen!

Foto (oben): Charles Engelken

Titel:
1. Sauerstoff wird knapp
2. Terminal
3. Uwe Hochmut
4. Gut und dir
5. Geister
6. Siebenundzwanzig
7. Sektempfang
8. Handfaust
9. Ich will bleiben
10. Über Grenzen
11. Grauwal

 

Wir möchten euch aber natürlich auch die bisher feststehenden Live-Termine von Keele nicht vorenthalten… weitere Gigs sind in Planung:
28.04.17 Hamburg, Hafenklang (Releaseparty)
24.05.17 Oberhausen Druckluft
25.05.17 Köln, Tsunami
28.05.17 Berlin, Badehaus
15.06.17 Kiel, Schaubude
16.06.17 Flensburg, Volksbad

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Keele – Gut und Dir (Rookie Records, 28.04.2017)
4.8Gesamtwertung