Eine sympathische Band, die wir bereits öfter in unseren Archiven finden und vorstellen durften: Pete At The Starclub aus Hamburg!

Die 6-köpfige Post-Indie-Rock-Band plant nach kurzer Verschnaufpause ein Comeback und veröffentlicht in diesem Zuge einen großen Katalog an Songs auf den gängigen Streamingdiensten.

Das Besondere dabei: Die Songs sind teils schon über 15 Jahre alt, doch sind sie bis dato kein Stück gealtert! Noch nie wurden ihre Lieder öffentlich der breiten Masse zur Verfügung gestellt. Am Freitag, 25.09.2020 startet die Veröffentlichungsserie mit ihrer ersten EP „Clubbing“! Die erste Single „Prototype“ wurde bereits mit Video veröffentlicht (Link zum Video hier) und zeitgleich mit der EP erscheint auch die gleichnamige Hit-Single „Clubbing“!

Wir haben die beiden Gitarristen und Gründungsmitglieder Jan und Chrischi in einer meiner Hamburger Lieblingskneipen auf ein ausführliches und sehr unterhaltsames Interview getroffen. Pete At The Starclub lassen die Geschichte der Band Revue passieren. Es wird gerangelt, aus dem Nähkästchen geplaudert, Ukulele auf Autodächern gespielt und sehr viel Musik gemacht.

 

Das Interview:

Handwritten, Adrian „Addy“ Peters: Wichtigste Frage vorweg: Was ist euer Lieblingsbier?

Pete At The Starclub: Guinness, Ratsherrn Zwickel, Carlsquell oder Jever.

Handwritten: Ich habe euch ja hergelockt wegen des klasse IPAs! Vielen Dank fürs Erscheinen! Starten wir einfach mal: Seit wann gibt es Pete At The Starclub?

Jan Wilkens (J): „2001 …oder?“

Christian „Chrischi“ Klindworth (C): „Hallelujah…“

Handwritten: Also nächstes Jahr 20-jähriges!

J: „Kannst dich ja aus Versehen verschreiben. Sagen wir 2010.“ *zwinkert*

Handwritten: Mal schauen, was ich machen kann. (lacht) Wie habt ihr euch seit Gründung der Band entwickelt und was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

C: Die Besetzung hat sich geändert. Wir haben mal als Punkband angefangen. Als man dann aber nicht mehr so krass rebellisch und kein mega Punkfan mehr war und auch so Indierock und alles Mögliche dazu kam, haben wir auch unseren Sänger Jörn kennengelernt und gemeinsame Nenner gefunden.

J: Wir haben z. B. mit Schoko den dritten Drummer der Bandgeschichte. Wir haben uns ja musikalisch schon ziemlich verändert, wenn man die erste EP „Clubbing“ und die aktuellen Songs hört. Mit Sabrina, auch ein Zuwachs, machen wir mittlerweile auch viel mehr mit Keyboard und Synthies.

Handwritten: Wie genau seid ihr auf euren Sänger Jörn gestoßen?

C: Stichwort „Punkfete“ / „Oakfield“-Organisation. Durch den gemeinsamen und erweiterten Freundeskreis und die Organisation der Festivals und Konzerte damals.

J: Wir hatten damals einen Partyschuppen, den Hamersener Partyschuppen. Meine erste Begegnung mit Jörn war, dass ich in einer Bierlaune mit ihm gerangelt habe, wir es natürlich übertrieben und dann einen Tisch zerstört haben.

Handwritten: Und dabei hat er versehentlich „Aua“ in einer tollen Tonlage gesungen..? (lacht)

C: Quasi… Nein im Ernst. Dieser ganze Punkfeten-Klüngel ist ja auch irgendwie die Basis, dass man auf alternative Musik steht. So im Kontrast zur Dorfjugend und was es alles so bei uns gab. So eine Art Subkultur auf dem Dorf, wenn man das so nennen kann. So sind wir zusammengekommen.

Handwritten: Eure Partys damals waren mir auch immer ein Begriff!

J: Wir haben ja angefangen in Wohnste DIY Punkkonzerte zu veranstalten. Das war so der Anfang. Dann kam das Herwigshof Open Air und daraus wurde schließlich das Oakfield Festival. So haben wir auch Jörn kennengelernt.

Handwritten: Von wann ist eure erste EP „Clubbing“, die ihr ja nun endlich am 25.09.2020 auf allen Online-Streamingdiensten zur Verfügung stellt?

Damals waren wir einfach nicht tight genug. Unsere Punkband war tighter. -Jan Wilkens, Pete At The Starclub

C: Aufgenommen so 2002/2003…?

J: Nee, nicht ganz so früh. Damals haben wir noch unsere erste Demo gemacht, die hieß „Eagle Airport“. Aber die lief immer unter dem Radar und war nicht so richtig offiziell. Diese Demo gab es eigentlich nur, um die ersten Songs mal aufzunehmen und unter Freunden zu verteilen, ohne ernsthaften Hintergrund. Wurde aber nie groß von uns beworben. Die offizielle EP „Clubbing“ müsste kurz darauf in 2004/2005 gefolgt sein.

C: Genau. Die „Eagle Airport“ war aber eher so unter ferne Liefen. Da war noch relativ wenig Attitude dabei.

J: Waren aber auch Songs dabei, die hätten auch was werden können. Aber sind wir ehrlich: damals waren wir einfach nicht tight genug (lacht) Unsere Deutschpunkband Urban Wankers, die wir davor hatten, war tighter.

Handwritten: Hey, trotzdem, 2004. So alt schon? Kommt mir nicht so lange vor, ehrlich gesagt. Wahnsinn.

C: Weiß nicht genau. Kann man gar nicht mehr so genau sagen, aber so um den Dreh muss es gewesen sein.

J: es ist zeitlos. (grinst)

C: Wir haben ja auch nie so an den Jahren geklebt. Weiß auch nicht… Weil es ja auch immer so viele andere Themen gab. Es gab ja auch diese Ausrichtung gar nicht „bis dahin wollen wir das und das erreicht haben“ oder so. Wir haben da ja echt relativ zwanglos drauf los komponiert.

Handwritten: Ich finde, dass der nun quasi wiederveröffentlichte Song „prototype“ tatsächlich super zeitlos ist und man ihm nicht anhört, dass er schon so viele Jahre auf dem Buckel hat. Dafür, dass er erst dieser Tage mit einem Video veröffentlicht wurde, muss ich sagen: er hat total seine Daseinsberechtigung.

J: Das fanden wir auch. Daher haben wir ihn als erste Single gewählt.

C: Es ist ja durch Corona eh grad ein guter Zeitpunkt die Archive zu öffnen. Mit dem Wissen, dass das ja auch alles recht aufwendig produziert ist und wir auch zu den ganzen Songs immer noch sehr stehen, war das jetzt irgendwie so der Drang, dass das jetzt irgendwie mal raus muss.

Handwritten: Ich hab gehört, dass ihr einige Songs bei Marcus Schneider aufgenommen habt, der ja mittlerweile als Live- und Studiomusiker unter anderem auf Alben von Tim Bendzko, Lena, Olli Schulz, Gisbert zu Knyphausen und in der TV Show Late Night Berlin mit der Band Gloria zu hören und sehen ist. Habt ihr eure erste EP „Clubbing“ auch schon bei ihm im Studio aufgenommen?

J: Ja, damals hat er grad sein Studium zum Toningenieur fertig gemacht und dann fing er grad an, soweit ich mich erinnern kann, sich mit seinen Produzententätigkeiten selbstständig zu machen.

Handwritten: Ihr habt ja schon Einiges aufgenommen, aber nie richtig veröffentlich. Das ändert sich ja jetzt, beginnend mit der EP „Clubbing“. Wie ist denn die Historie eurer Aufnahmen?

C: Die erste war, wie gesagt „Clubbing“. Dann kam „Parliaments“, eine EP mit 6 Songs. Die war ursprünglich aber anders ausgelegt und sollte ein Album werden. Das ist dann aber an Faktoren wie a) Geld und b) Verfügbarkeit Produzent gescheitert. Idee war, das Album zu splitten. Das hat dann leider alles zu lange gedauert und so ist „Parliaments“ eine EP geworden. Aber mit der Intention mal etwas hausieren zu gehen und Interessenten zu finden. Zu der Zeit gab´s ja auch den Local Heroes Contest, wo wir auch weit gekommen sind, aber wir haben es damals nie so richtig geschafft uns zu organisieren. Das war so 2006. Daher ist „Parliaments“ auch nie richtig zu einem Presswerk gegangen. Daher haben wir nur Cover gedruckt und selber in Klarsichthüllen gepackt und verteilt. Aber das ist eher sang- und klanglos untergegangen.

Handwritten: Eure Clubbing-EP hat mich auch lange verfolgt und war sehr viel publiker.

C: Ja, auf jeden Fall.

J: Ja, allerdings. Wie Chrischi schon sagte. Eigentlich hatten wir mit „Parliaments“ mehr vor. Unser damaliger Drummer Philipp ist dann auch mehr oder weniger ausgestiegen.

Handwritten: Was kam nach „Parliaments“?

C: Dann kam „Error“. Allerdings mit einer recht großen Zeitspanne dazwischen.

J: Das war während meiner Weltreise, im Jahr 2014.

C: Dann muss man auch ehrlicherweise sagen, dass das so eine kleine Weichenstellung war, weil Jan sich entschieden hat auf Weltreise zu gehen und man sich dann fragen muss „was macht man jetzt als Band?“. Wir haben auf einem adäquaten Status aufgehört und pausiert und durften bis zu diesem Zeitpunkt unsere Komfortzone konzerttechnisch verlassen.
Zu der Zeit hatten sich die Rhytmusgruppen „Yakooza“ und „Pete At The Starclub“ bereits vermischt und bei uns spielten Manni am Bass und Schoko an den Drums. Das tun Sie ja bis heute. Mit der Aufnahme „Error“ haben wir die Zeit von Jan´s Weltreise überbrückt und uns den Wunsch, mal eine Vinyl-Schallplatte zu produzieren, erfüllt.

Handwritten: Nach „Error“ gab es dann noch eine Session für eine Album-Aufnahme, richtig?

C: Ja, mit „Error“ hat man sich ein wenig die Berechtigung verschafft wieder auf Tour zu gehen und als Jan wiederkam, ging es dann auch wieder ganz gut los. Zusammen mit Die!Die!Die!, Desperate Journalists, Beach Slang, Crocodiles und We Were Promised Jetpacks. Ich glaube Die!DieDie! hat zu der Zeit 2 Alben gemacht und wir die Error-EP. Ich habe damals zu denen gesagt: „We just finished an EP and you recorded 3 records. When the hell did you write songs and stuff?”. Die sind ja auch nur auf Tour. Aber wenn man es hinbekommt sich zu organiseren und am Ball bleibt, dann klappt das halt auch.
Was war die Frage? Achja, nach „Error“ haben wir ein Album aufgenommen (lacht)

Handwritten: Das Album habt ihr aber nicht pressen lassen oder?

J: Genau, wir haben das Album damals in Dänemark geschrieben. Dort haben wir uns mal 5 Tage als Band in einer Hütte eingeschlossen und die meisten der Songs skizziert und geschrieben. Dann sind wir mit den Songs ins Studio.

C: Man muss das aber auch alles aufeinander beziehen. Das war halt schon so, dass man sieht, „es passieren halt Sachen“ und wir haben uns dann auch wieder mit Marcus (i. d. red. Marcus Schneider) zusammengesetzt, Sabrina ist dann dazugekommen an den Keyboards. Sprich, wir konnten den Sound auch etwas verändern.

J: Die Keyboards auf „Error“ hat tatsächlich noch Marcus eingespielt, auf Basis unseres längst ausgestiegenen Ex-Keyboarders.

Handwritten: Das Album soll dann auch im Zuge eurer kompletten Backkatalogveröffentlichung erscheinen?

J: Das Album ist dann eigentlich unsere erste ernsthafte Veröffentlichung. Den Backkatalog mit allen EP´s veröffentlichen wir ja eigentlich mit dem Ziel, wieder ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen und dann das Album auch ernsthaft bei einem Label zu platzieren und auch als Vinyl rauszubringen. Das ist schon unser Ziel dafür. Da sind wir uns alle einig, dass wir das auf Vinyl sehen wollen. Auch aus dem Grund, dass wir alle große Vinyl-Fans sind.

Handwritten: Definitiv, das möchte ich auch so haben. (grinst) Ihr habt ja nun schon einiges aufgenommen. Welches der genannten Platten ist denn euer persönlicher Favorit? Welche Songs spielt ihr am liebsten.

J: Ich kann nur sagen, welchen Song ich nicht mehr spielen möchte. Das ist der Song Clubbing.

Handwritten: Dafür verachte ich dich. (lacht)

J: Vom ganzen Archiv ist „Parliaments“ mein Favorit. Aber aufgrund der Aktualität, natürlich das neue Album. Da sind auch Sachen drauf, die haben wir uns vorher eigentlich nie getraut oder einfach nie gemacht,

C: Ich würde da für mich sagen, dass ich eigentlich immer am liebsten die neuesten Sachen spiele.

Handwritten: Das kenne ich ja aus eigenen Musikprojekten auch. Die neuen Dinge machen immer am meisten Spaß oder sind am spannendsten.

C: Genau. Und müsste ich mich auf eine ältere Aufnahme einigen, würde ich wohl auch eher „Parliaments“ sagen.

Handwritten: Also wir fassen zusammen: EP „Clubbing“ erscheint am 25.09.2020 auf allen Streamingdiensten. Es folgen die EPs „Parliaments“ und „Error“ zeitnah, auch im Online-Streaming. Ankündigung folgt. Und im kommenden Jahr soll dann der große Knall mit dem Album folgen und das dann auch auf Vinyl gepresst!

C: Ist irgendwie auch ein bisschen irre, dass man wirklich so viel hat jetzt. Da muss man sich auch entscheiden. Es wäre alles denkbar gewesen jetzt, glaub ich.. Ich hätte es auch cool gefunden, hätte man sofort jemanden für´s Album gekriegt. Dann hat man eben, was man hat und man gerät nicht so in die Verlegenheit, dass man wieder 5 Jahre fürs nächste Album braucht, sondern hat einen adäquaten Backkatalog, auf den man zurückgreifen kann. Also praktisch eine EP-Compilation.

Handwritten: Ja, ihr hattet ja immer viel Output, finde ich. Aber den konntet ihr leider nie richtig veröffentlichen.

C: Ja, nee, genau… Qualitativ haben wir den Standart immer ganz gut gehalten, denke ich. Da ist dann im Laufe der Zeit ja auch viel Wissen dazu gekommen. Zu Zeiten von „Clubbing“ gab es ja noch kein Spotify. Zur EP „Parliaments“ war Myspace noch der place to be!

Handwritten: Ja stimmt. Diese Backkataloge der Öffentlichkeit anzubieten ist ja eigentlich auch erst mit den Streamingdiensten akut geworden.

J: Ja, die Möglichkeiten, die man heute hat, sind natürlich vorteilhafter. Für unser Songwriting müssen wir uns jedenfalls keinesfalls schämen, denke ich.

Handwritten: Sehe ich auch so!

C: Heute ist das Wissen, wie man die Dinge angeht, natürlich vollkommener als damals. Irgendwie waren wir in 2 Dingen ein paar Schritte voraus, dafür aber in 3 Dingen einige Schritte zurück. Das konnten wir irgendwie nie übereinander legen. Das soll sich nun aber ändern.

Handwritten: Wie lautet nun euer Veröffentlichungsplan und was sind sonst so die aktuellen Pläne bei euch?

J: Die Idee und der Plan ist, dass wir zu jeder Platte 2 Singles mit einem Video machen und dass die 2. Single jeweils mit der dazugehörigen EP erscheint.

Handwritten: Also gibt es am 25.09. nicht nur die EP „Clubbing“ sondern dazu auch die Singleauskopplung mit Video. Schön! Nun wart ihr ja schon echt viel unterwegs in den vergangenen Jahren. Bei welchem Konzert standen euch die größten Herzen in den Augen und wo wart ihr am nervösesten? Gibt es besondere Erinnerungen?

C: Wie vorhin schon erwähnt, waren mit We Were Promised Jetpacks und Die!Die!Die! ja schon tolle Phasen dabei. Wir haben uns halt immer nur um Sachen beworben, die uns auch wirklich interessiert haben. Dadurch, dass wir musikalisch da auch nie in Konkurrenz waren, ist das mit dem Muffensausen so ´ne Sache. Die hatte ich irgendwie nicht. Man hat sich ja nicht in musikalische Konkurrenz begeben, meistens..

Handwritten: Also war es immer cool mit allen?

C: Genau. Und meistens war es auch so, dass Shows am besten liefen, wo es nicht so auf der Hand lag. Das waren immer schöne Konzerte. Shows im Hamburger Hafenklang oder Molotow sind da auch ganz oben mit dabei.

J: Aber auch Lagerhaus in Bremen oder die Kleine Freiheit in Osnabrück sind für mich so ein kleines Homecoming, da ich in Osnabrück auch studiert habe.

C: Beach Slang, Karies, Jetpacks, Crocodiles, Die!Die!Die!, Sunflower Bean, Desperate Journalists,… Respekt hat man immer und gehört auch dazu. Es sind halt auch viele US- oder UK-Bands, die auch international viel unterwegs sind. Sich damit zu messen ist immer so´ne Sache, insofern, dass man nicht abstinken will (grinst). Das ist schon toll und macht Spaß!

Handwritten: Ihr seid, bzw wart die Veranstalter vom Oakfield Festival. Spielt das eine Rolle in eurem Verhalten gegenüber den „Großen“?

J: Na klar. Dadurch durften wir ja total viel lernen. Von der kleinen Punkfete haben wir uns zu einem zeigbaren Open Air entwickelt mit großen Acts. Anfangs haben wir ja selbst auch gespielt. Und da standen dann Bands wie Blackmail oder Feine Sahne Fischfilet mit auf der Bühne.

C: Ich muss aber auch sagen, was so meine Person angeht, dass man sich beidseitig befruchtet hat. Man ist halt nicht nur am Abfischen, sondern gibt ja durch dieses Festival auch total viel. Hätten wir jetzt mit Pete At The Starclub nicht Beach Slang supportet, hätte warscheinlich Samiam niemals auf dem Oakfield Festival gespielt. Dadruch kam man halt z.B. an den Booker (Philipp Styra) ran und fragte „was machste eigentlich sonst noch so?“ und er so „Jimmy Eat World und Samiam“, eigentlich diese 90er Jahre Emo-Helden und ich dann so meinte, dass Samian echt mein ewiger Traum ist, die mal zu veranstalten und er meinte so „ich brauch immer nur´n Festival, dann kommen die rüber“. Und ich so uneitel „Ein Festival hab ich zufällig“.

J: Ich hab vor Freude geweint, als ich die gesehen habe! (lacht) Ich stand da einfach nur habe geweint.

C: Ja also, es ging halt immer in beide Seiten. Wir sind als Künstler und Veranstalter immer gewachsen. Man kennt halt alle Perspektiven und weiß dann, wenn du als Band unterwegs bist, wie das Ganze funktioniert. Ich habe ja parallel noch einen Konzertblog geschrieben (3-Tage-Woche). Von daher konnte man wirklich von allen Seiten auf dieses Thema blicken.

J: Man weiß ja automatisch, wenn man selbst veranstaltet, worauf andere Veranstalter dann auch Wert legen. Pünktlichkeit, keine Allüren,.. sowas. War aber natürlich auch ein Vorteil für uns als Band, dass wir mit großen Namen zusammenarbeiten und veranstalten durften. So kommen natürlich auch viele Kontakte zustande.

Handwritten: Geht mir ja auch so. Dadurch, dass ich immer auch veranstaltet habe, wusste ich, wenn ich als Band unterwegs war, eigentlich immer, wie man sich zu verhalten hat, um nicht wie ein totaler Amateur oder Alien angesehen zu werden. Oft genug ist man unterwegs und grad im Newcomerbereich können sich talentierte Bands immer mit einem Fehlverhalten komplett ins Aus katapultieren.

C: In anderen Ländern ist das auch viel normaler, gerade, wenn man von der US-Punkszene ausgeht: Da organisieren die Bands Shows und spielen Shows. Das ist einfach ein Brei. Man hat auf jeden Fall eine andere Lässigkeit, als wenn man total jung ist und sofort eine Agentur hat. Da kennt man dann irgendwie nur das und ist dann gleich viel aufgeregter und fängt viel eher an zu schwimmen. Und bei uns war das halt immer alles gleichzeitig. Wir haben ja auch mit dem Oakfield viel mit internationalen Künstlern zu tun gehabt. Aber mit den Anfängen unserer kleinen Punkkonzerte hätten wir das alles nie kennengelernt und wir hätten wahrscheinlich Vieles anders gemacht. Damals hatte ja keine der kleinen Bands eine Agentur und daher gibt man sich ja auf so Abgründe herab, wie Bandcontests oder so.

J: Man muss ja aber ehrlich sagen: Als wir jünger waren, haben wir es uns aber auch oft genug… ich sage mal „gut gehen lassen“.

Handwritten: Schon richtig. Heilige sind wir ja alle nicht. (lacht) Gibt es noch Dinge, die ich hier im Interview unbedingt antriggern MUSS?

C: Vielleicht die Tatsache, dass das hier alles nicht nur Leichenfledderei ist, sondern schon alles nach vorne ausgerichtet ist.

J: Es ist ja wirklich auch jede einzelne Veröffentlichung, die jetzt ansteht, eine ernstgemeinte Veröffentlichung. Sonst würden wir uns ja auch nicht die Mühe machen, für jede EP noch zwei Videos zu drehen. Wir sind schon stolz auf die Sachen, die wir da geschaffen haben und die verdienen einfach ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Die sind halt nie wirklich rausgekommen und die wollen wir nun alle würdigen, so wie die Platten es auch verdient haben.

Handwritten: Fokus liegt also auf die Veröffentlichungen? Corona bietet ja eh wenig Alternativen, als Musik jetzt zu veröffentlichen. Daher ein gut gewählter Zeitpunkt. Oder?

C: Man muss ja einfach sagen, dass in Deutschland der place to be Spotify ist, was Musik betrifft. So gut oder schlecht man das auch findet, aber so ist das nun mal. Selbst wenn man da 90% Cloud-Rap Klicks fischt…

Handwritten: Nach ein paar Bieren nun die, wie ich finde, berechtigte Frage an euch: Wie viele Finger zeig ich grad?

J: Drei.

C: Elf.

Handwritten:  Völlig richtig. Wollen wir nochmal über eure eigenen Verfehlungen sprechen? (grinst)

C: Ich wollt nochmal hinzufügen, dass es mit allen Bands bisher immer wahnsinnig gut funktioniert hat. Es gibt noch eine Frage, die du jetzt nicht gestellt hast..

Handwritten: Ok, stell´ dir die Frage gern selbst. Kein Problem.

C: Wie ist das so, wenn man sein Idol trifft?

Handwritten: Stimmt, die Frage war mir zu abgelatscht.. (lacht) Habe ich absichtlich nicht gestellt.

C: Das ist jetzt in ´nem relativ kleinen Sektor, weil wir waren ja jetzt nicht mit Kiss auf Tour. Aber die Idole bei uns und mir waren auch immer sehr nah dran und naheliegend. Wir waren eigentlich nur mit guten Leuten zusammen. Man war immer mehr positiv beflügelt, als enttäuscht. Das kann man auch übers Oakfield sagen: Die Leute waren eigentlich immer so, wie man Sie sich vorgestellt hat. Man fand die immer cool und die waren auch cool. Eher noch cooler, denn die sind eigentlich alle wahnsinnig nett, hilfsbereit, überhaupt nicht eitel,.. Ich konnte da keine schlechten Erfahrungen sammeln bisher.

Handwritten: Mein junges Ich war auch immer sehr nervös, wenn es für mich prominente Menschen getroffen hat. Und mein junges Ich spricht da auch heute noch zu mir. Und man ist einfach froh, wenn du merkst, dass dein Idol auf dem Teppich geblieben ist und es doch alles sehr viel menschlicher abläuft, als man als Hardcore-Fan oder Groupie vielleicht denkt. Stimmt´s?

C: Die sind ja auch nicht „Gucci-abgehoben“, sondern man sieht ja auch wo die so spielen und das ist dann ja auch nicht abgehoben. Molotow, Hafenklang und Co. Bei allen Supports haben wir uns immer sehr wohl gefühlt.

Handwritten: Jetzt will ich noch mal ein Fail von euch hören! Was ging bei euch mal richtig in die Hose?

C: Es ist doch immer sehr ernüchternd zu betrachten, wie viel man in der Band mit sich selbst zu kämpfen hat und wie viel Output so Bands wie Desperate Journalists oder Die!Die!Die! dann in der Zeit haben. Dass die einfach IMMER mit ´nem neuen Studioalbum kommen und das ist für mich auch irgendwie unangenehm, dass wir immernoch mit der EP so ab… ähm, was auch immer und Album kommt dann ja bald und so.

Handwritten: Aber dafür ist man ja auch Hobbymusiker und das sind eben die Profis..

J: Das ist nur bedingt richtig. Die legen halt ihr Leben darauf aus. Bei Pete (At The Starclub) war die Dringlichkeit nicht gegeben. Wahrscheinlich ist es jetzt das erste Mal in der ganzen Bandhistorie, dass wir jetzt ein bisschen Dringlichkeit dadurch generieren, dass wir nun ernsthaft einen Plan aufstellen.

C: Die Masse an VÖ´s (Veröffentlichungen), die es dann doch am Ende ist.. Das läuft natürlich auch anders, wenn man in gewissen Strukturen ist. Wenn du jetzt Desperate Journalist heißt und ´ne halbwegs angesagte UK-Band bist… und du hast natürlich als UK-Band auch immer die Möglichkeit international zu touren oder zumindest europaweit.

J: Besser als ´ne deutsche Band. Die haben es schwerer.

C: Genau, es wird immer ein Album gemacht und dann wird getourt. Ganz klassischer Rhythmus wie anno dazumal, der sich auch nie wirklich ändern wird, zumindest in Gitarrenmusik. Im Rap ist das ja nochmal ganz anders.. Ja und dadurch haben die ja auch einen strukturellen Vorteil.

Handwritten: Was ist denn nun die größte „Jugendsünde“ von Pete At The Starclub. Erzählt mal aus der unseriösen Zeit! (grinst)

J: Da ist wohl das Local Heroes Finale in Hannover ganz vorn mit dabei. Das war 2006 und sollte ja mittlerweile verjährt sein (lacht). Wir hatten ´nen Bekannten in Hannover, wo wir pennen wollten, besser gesagt ein Bekannter von Jörn.

C: Den haben wir dann aber im Suff vergrault und der is´ dann abgehauen. Dann hat Jörn einfach in seinem VW-Bus gepennt, Jan hat auf´m Auto-Dach noch Ukulele gespielt und ich hab aufm Spielplatz geschlafen. Der Partybus war dann weg. Wir haben uns dann später Pappen besorgt und die draußen vor den Backstageraum gelegt und da drauf gepennt, bis wir am nächsten Tag von spielenden Kindern geweckt wurden. Aber im Nachhinein würde ich das gar nicht als echten Fail bezeichnen, weil wir haben es einfach genommen, wie es ist: nämlich ein einziger Witz, unser eigener Spaß. Andere haben das ja viel verbissener gesehen und von denen hörst du ja auch nichts mehr.

Handwritten: Ich verstehe auf jeden Fall, was du meinst. Den Spaß an der Sache sollte man auf jeden Fall immer beibehalten.

C: Man muss es ja so sehen, diese ganzen Bandcontests, die sind nicht so.. also wir waren uns immer sehr bewusst dabei, dass das nicht so aufploppt, sodass d

as eher eine Nebenrolle spielt. Na klar feiert man sich da ein bisschen für, irgendwie damals als Dorfband mal in so ´nem Laden (i. d. red. Musikzentrum Hannover) zu spielen. Aber wir wussten von vornherein, dass wir das nur machen um Auftritte zu kriegen und nicht mit dem Gedanken „Die machen uns jetzt erfolgreich und wir müssen unbedingt jetzt erfolgreich sein und die machen das jetzt für uns“.

Handwritten: So hatte ich das damals auch gehandhabt..

C: Genau und so ist das ja überhaupt nicht. Wir wollten ja einfach mal überregional spielen und dadurch, dass wir wenig wussten, haben wir das halt als einzige Möglichkeit gesehen. Fail war auch der Mopo-Contest-Ding damals.

J: Oh Gott, ja.. (lacht)

C: Das hat relativ schnell funktioniert für uns und die haben uns da wahnsinnig hoch gerankt und dann ging´s darum beim Alster Radio akkustik zu spielen.

Handwritten: Wann war der Mopo-Contest?

Schlagzeug ist offenbar kein akkustisches Instrument. Keyboard geht dann aber doch. Warum auch immer. -Christian Klindworth, Pete At The Starclub

C: Zu „Parliaments“-Zeiten, so 2007 oder so. Da ging es halt darum 3 Songs akkustik zu spielen. Wir haben das dann gut vorbereitet. Ich fand das super. Ich war auch super vorbereitet und alles klang gut im Proberaum, soweit… hätt ich gar nicht gedacht, weil uns akkustisch spielen eigentlich nicht so liegt. Es hat dann auch irgendwie funktioniert. Kam auch OK an alles… Dann kommst du da so rein, Programmdirektor so „Nee, Schlagzeug geht nicht“. Warum auch immer, dachte ich so. Ist offenbar kein akkustisches Instrument. Keyboard benutzen geht dann aber doch auf einmal. Und dann schwammen wir da halt rum so.. Kein Takt und dann so durch den Song hindurchfinden (lacht) Jan war auch gar nicht dabei und wir mussten das auch sowieso in schmalerer Besetzung spielen, was dann ja auch eine intimere Interpretation war. Wir mussten´s dann eben noch mehr runterrippen, das war einfach furchtbar diesen Studiosong zu spielen. Da waren dann auch alles so Businessleute.. Da lief der Song dann erstmal von Band und die haben auch alle genickt und alle so „Ja, man. Geil, so geht das.“ Und dann die Band akkustik… (lacht) und macht dann da´n Free-Jazz-Blödsinn oder so..

J: Ich hab das noch (als Musikdatei). Jörn hat noch gut abgeliefert. Aber die waren auch nur zu dritt.

C: Schlagzeug ging ja nicht.

Handwritten: Ganz stark! Das war ein super Fail zum Abschluss. Vielen Dank für das krass umfangreiche und super witzige Gespräch!

J und C: Wir haben zu danken!

Glückbeseelt saßen wir noch bis spät in die Nacht am Tisch und haben uns über alles, was uns so auf der Seele brannte, unterhalten.

 

Pete At The Starclub – EP „Clubbing“ erscheint am 25.09.2020 auf allen bekannten Streamingprotalen!