Es gibt so Konzerte, da gehst du ohne große Erwartungen hin und bist einfach gespannt. Wenn das dann auch noch in deiner Lieblingskneipe ist, wo du selbst schon unfassbar viele Konzerte organisiert hast, dann aber so ein Abend quasi explodiert, ist das schon echt verrückt.

Gestern Abend war ich also in der ehrwürdigen Döser Börse Cuxhaven. Ich habe hier schon alles gesehen. Viele Punkbands. Viele Songwriter. Metalbands. Krankes und verkopftes Zeug. Alles. Heute stand dann Raum27 auf dem Plan. Die Jungs kommen aus der Region und haben sich in dem vergangenen Jahr eine mega Fanbase erspielt. Nicht nur regional. Vor ein paar Wochen habe ich sie für mein jährliches Schiffkonzert „melancholie maritim“ gebucht, weil mir das, was da bei Spotify, Youtube und Co. angehört werden kann, echt gut gefallen hat.

Bei einem Date für handwritten habe ich Sänger Tristan und Mathis dann kennengelernt und die Jungs sind mehr als ambitioniert und dabei sehr sympathisch. Gute Grundlage!

Gestern also in die Börse. In der Regel füllt sich die Börse erst recht spät. Das ist wohl dem meist sehr jungen Publikum geschuldet. Gestern war alles anders und die Börse war um 20.00-20.30 schon so derbe voll, wie nur selten überhaupt. Und so startete dann um 21.00 Uhr die mir bis dahin komplett unbekannte Ragna Lemontree aus Bremen. Die schüchterne Bremerin macht reduziertes Indie-Songwriterzeug und hat mich persönlich sofort gehabt. Zwischendurch hatte man das Gefühl, da sitzt eine junge Frau, die ihre eigenen Songs mit Gitarre und Ukulele für sich selbst spielt. Wie im eigenen Zimmer, nur mit 80 Leute davor, die man komplett ausblendet. Supergut! Ich hoffe da hören wir bald mehr!

 

Nach 30 Minuten ging es dann auch ziemlich fix mit Raum27 und einer Abrissshow weiter. Anders kann man das einfach nicht sagen. In Fullband-Besetzung krachte hier ein eingängiger Indiepop-Ohrwurm nach dem anderen auf die Zuschauer ein. Und die offensichtlich auch von weiter weg für die Jungs angereisten Gäste waren vom ersten Song an textsicher. Das beeindruckte nicht nur mich, sondern auch Frontmann und angehende Berufsrampensau Tristan Stadtler war immer wieder ganz ergriffen von dieser rappelvollen Börse, die der so jungen Band soviel Freude rüberbrachte. Und die dankte es mit einer Energie die ich so insgesamt selten in Cuxhaven auf den kleinen Shows gesehen habe.

Mein Fazit vom Abend ist, dass wir diese Band wohl leider das letzte Mal in der kleinen Börse gesehen haben. Dass die Popwelt für die Herrschaften noch einiges für die Zukunft bereit hält, dürfte an diesem Abend wieder mal mehr als klar geworden sein. Danke Raum27! Danke Ragna Lemontree! Und danke Döser Börse für die immer wieder so schönen Abende in dieser sonst so kulturarmen Provinz! (ey Tristan, jetzt hab ich das Wort am Ende doch noch gesagt 😉 )