Und weiter geht es bei Metallica in Sachen Neuauflagen. Dieses Mal kann man sogar von einem Jubiläum sprechen. Denn „…And Justice For All“ wurde vor 30 Jahren veröffentlicht. Jetzt kommt es runderneuert in die Läden. Und das natürlich auch wieder in mannigfaltigen Ausführungen: in verschiedenen Download-Varianten sowie physisch als Standard-Doppel-LP, einfache CD, erweiterte 3-CD-Edition, als Kassette sowie in der königlichen Ausgabe als Limited-Edition-Deluxe-Box-Set mit sechs Vinyl-Scheiben (unter anderem dem legendären Seattle-Konzert aus der „Live Shit“-Box), elf CD, vier DVDs, diversem Tinnef und einem 120-seitigen Buch. Da sollte doch jeder was für sich finden.

Uns lag die Dreifach-CD zur Rezension vor. Diese bietet neben dem von Greg Fidelman remasterten Orginal-Album auch noch eine CD mit Demo-Versionen der Albumtitel sowie eine dritte Silberscheibe mit Live-Versionen.

Wie schon sein Vorgänger „Master Of Puppets“, ist „…And Justice For All“ unbestreitbar schwermetallisches Kulturgut und war damals wie heute ein Meilenstein der Metalgeschichte. Ein einfach nur „normales“ Metallica-Album war es jedenfalls nicht. Zwei Jahre vorher verlor die Band ihren Bassisten Cliff Burton bei einem Unfall. Wirklich aufhalten ließ sich die Maschine dadurch aber nicht und man präsentierte recht bald seinen Nachfolger Jason Newsted (ex-Flotsam & Jetsam), der erstmals auf der „The $ 5.98 EP“ zu hören war. Künstlerisch wollte die Band hoch hinaus. Die Songs waren noch ein ganzes Stück länger und komplexer. Vom einfachen Thrash Metal der Anfangstage war hier nicht mehr viel zu spüren. Man streifte schon eher den Prog. Hin und wieder übertrieb es die Band auch ein wenig, was sich rächte, da Metallica die Nummern irgendwann wegen ihrer Komplexität auch nicht mehr wirklich live spielen wollten.

Straighte Kracher gibt es hier nur wenige. Direkt ins Ohr geht vor allem der eingängige Midtempo-Song „Harvester Of Sorrow“ sowie der Eröffnungskracher „Blackened“. Am Ende geht es mit „Dyers Eve“ nochmal richtig rund. Dazwischen viel Ausgewalztes wie der knapp zehnminütige Titelsong oder das trockene „Eye Of The Beholder“. Oftmals etwas wenig beachtet ist der lässige Stampfer „The Frayed Ends Of Sanity“. Die beiden bemerkenswertesten Nummern sind aber „To Live Is To Die“ sowie „One“. Ersteres ist ein überlanges Instrumental, bei dem der Geist von Cliff Burton durchaus noch durchscheint und „One“… ja, diese starke Ballade muss man eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Kennt und liebt eh jeder.

Was neben der Musik noch etwas mehr erstaunte, war der Sound. Extrem trocken und dicht, fast etwas muffig. Jason Newsted ließ man so dicht entlang der Rhythmusgitarre spielen, dass man seinen Bass gar nicht wahrnahm, was sicher nicht nur am komischen Mix liegt. Das ist in der neuen Version auch nicht anders, denn es handelt sich eben nur um ein Remaster, nicht um einen Remix. Wie schon bei den anderen Neuauflagen hat man den Sound etwas lauter gedreht und etwas vom 80er-Muff befreit, so dass das Ganze etwas klarer wird. Objektiv vielleicht nicht wirklich besser, nur etwas anders, was alleine allerdings noch nicht unbedingt ein Kaufgrund ist.

Die zweite CD bietet neuen Demoversionen der Albumtitel, welche zwischen November 1987 und Januar 1988 entstanden sind. Klanglich erwartungsgemäß nicht immer „HiFi“, manchmal aber nah dran am Endergebnis. Man kann aber immer wieder kleine Unterschiede feststellen. Oftmals ist der Gesang improvisiert oder noch nicht vorhanden. Eben reine Arbeitsversionen. Das hört man sich sicherlich nicht öfter an.

Dann eher noch die Liveraufnahmen von der „Justice“-Tour. Leider handelt es sich wieder mal nicht um ein zusammenhängendes Konzert, sondern um verschiedene Ausschnitte, die alle unterschiedlich klingen. Am besten sind natürlich jene vom Seattle-Video. „Blackened“, „One“ und „Breadfan“ knallen recht ordentlich. Beim Rest schaut es etwas anders aus. Nicht selten hat man es mal etwas dumpfen Bootleg-artigen Aufnahmen zu tun. Die sind dann eher dokumentarischer Natur. Aber die Performance gefällt. Metallica waren auf der Bühne trotz dem komplexen Album in der Hinterhand noch recht ungestüm unterwegs. Das hat was.

Das Gesamtpaket geht so in Ordnung. Ob es das braucht, muss natürlich wieder jeder für sich selbst entscheiden…

 

 

Trackliste:

CD1:
1. Blackened
2. …and Justice for All
3. Eye of the Beholder
4. One
5. The Shortest Straw
6. Harvester of Sorrow
7. The Frayed Ends of Sanity
8. To Live Is to Die
9. Dyers Eve

CD2: Demos and Rough Mixes
1. Blackened (November 1987 Demo)
2. …and Justice for All (November 1987, Writing in Progress)
3. Eye of the Beholder (November 1987, Writing in Progress)
4. One (Work in Progress Rough Mix)
5. The Shortest Straw (December 1987, Writing in Progress)
6. Harvester of Sorrow (Work in Progress Rough Mix)
7. The Frayed Ends of Sanity (November 1987 Demo)
8. To Live Is to Die (Work in Progress Rough Mix)
9. Dyers Eve (January 1988 Demo)

CD3: Live From The Damaged Justice Tour
1. Blackened
2. For Whom the Bell Tolls
3. Welcome Home (Sanitarium)
4. Leper Messiah
5. Harvester of Sorrow
6. Eye of the Beholder
7. Seek & Destroy
8. Creeping Death
9. One
10. …And Justice for All
11. Whiplash
12. Breadfan