„Krawehl, Krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain! Trübtauber Hain am Musenginst! Krawehl, Krawehl!”

…oder wieso weniger manchmal doch mehr ist?!

 

Selten genug kommt es vor, dass sich bekanntere Bands in unser kleines gallisches Dorf am Ende der Welt bzw. zwischen Elbe und Nordsee verirren. Okay, zugegeben… das jährlich stattfindende Deichbrand Festival bringt dann doch so einige Kracher zu uns, ist aber erstens nicht direkt in Cuxhaven und für den einen oder anderen dann aufgrund der mittlerweile über 50.000 Besuchern doch ein wenig sehr viel.

Wenn man es ein wenig beschaulich wünscht, dann bleiben einem hier oben nicht sonderlich viele Locations übrig, in denen sich musikbegeisterte Menschen tummeln und ihrem Hobby frönen können. Dank der netten Menschen von Krachevents und dank der netten Döser Börse-Betreiber Linda & Hanh kommt es aber immer wieder zu ganz besonderen Erlebnissen mit netten Menschen, unüberschaubaren Mengen an bewusstseinsvernebelnden Getränken und tollen Bands…

… zwei dieser überaus sympathischen Bands durften wir am Freitag wieder einmal erleben, denn da waren die Dortmunder Emo-Rocker von Dead Koys und die Bielefelder Punks von Krawehl zugegen und ließen die anwesenden Gäste begeistert mitfeiern!

Persönlich hatte ich mich im Vorfeld schon besonders auf die Jungs von Krawehl gefreut, hatte ich doch erst im Mai überaus lobende Worte zu ihrem selbstbetitelten Debüt-Album gefunden… was natürlich vollkommen gerechtfertigt war – logo, oder?! Hinzu kam natürlich noch, dass ich die Truppe erstens noch nie live gesehen hatte und wir zweitens eh noch ein Date für ein Interview offen hatten.

Somit packte ich pünktlich meine „Sieben Sachen“ und machte mich recht zeitig auf den Weg in die Döser Börse, die bei meiner Ankunft noch komplett leer war. Dank der Tatsache, dass ich mich wieder einmal an der Knipskiste versuchen wollte, hatte ich genügend Zeit die mir in weiten Teilen eher unbekannte Technik auszuprobieren und bei den Soundcheck-Klängen die erste Kaltschale zu verköstigen.

Nachdem alles vorbereitet war und sich die Location schon ein wenig gefüllt hatte wurde es dann Zeit für unser Interview, welches wir mal eben auf den Deich verlegten… vielen Dank nochmal an die unbekannte Reederei, die passend dazu extra ein Kreuzfahrtschiff vorbei fahren ließ – und noch viel mehr Dank geht an Krawehls Schlagzeuger Manu, der dank seines Handys fürausreichend Beleuchtung sorgte, da ich ansonsten wohl keine der vorbereitete Frage hätte lesen können… ganz großer Sport!

Mehr zum Interview gibt es dann die Tage, denn erstmal mussten wir uns beeilen, da die Dead Koys in den Startlöchern standen – liebenswürdigerweise warteten die Dortmunder mit ihrem Gig auf uns und die mittlerweile auf gut über 50 Besucher angewachsene Crowd harrte gespannt der Dinge, die da in den nächsten über 30 Minuten folgen sollten.

Gegen 22:30 Uhr ging das ganze Spektakel dann los und obwohl ich von den Dortmunder Jungs bisher noch nichts gehört hatte, überzeugten sie mich direkt mit ihrer geilen Mischung aus Emo-Punk und derben Gesangsparts – ich verneige mich ehrfürchtig und freue mich schon darauf, die eine oder andere zukünftige Veröffentlichung im Rahmen einer Rezension näher zu betrachten… ich meine wer schon mit Bands wie Leatherface, Nothington oder Apologies I Have None auf der Bühne gestanden hat, der hat nix anderes verdient… oder?!

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ging es dann in eine kurze Umbaupause, wollten die wartenden Bielefelder ja schließlich auch noch die eine oder andere Nummer anstimmen und aufgrund der fortgeschrittenen Zeit ging es dann um kurz nach halb zwölf mit dem Gig von Krawehl weiter.

Dass Kammi, Manu, Jörn und Marco richtig Bock hatten merkte man ihnen sofort an, gaben sie doch ab der ersten Sekunde Vollgas. Auch wenn die Döser Börse gefühlt über die kleinste Bühne der Welt verfügt – zeigt sich daran, dass man beim Gang auf das WC regelmäßig den rechts stehenden Basser Jörn zur Seite schieben musste 😉 – so bewahrheitete sich das Sprichwort „Platz ist in der kleinsten Hütte“ mal wieder und jeder Song wurde kategorisch abgefeiert. Ob es nun „Salz & Ekel“, „Altlastenasyl“ oder mein persönliches Highlight „Bielefeld sehen… und Scherben“ sein sollte, Sänger Kammi gab mit seiner herrlichen Reibeisen-Stimme alles und so entwickelte sich der Abend fernab der Heimat zu einem richtigen Heimspiel.

Jede Nummer hatte an dem Abend seine Berechtigung, sei es die „German Angst“, „Prost Mahlzeit!“ oder das „Steckenpferd“… aber irgendwann ist dann doch „Ein Abschied“ angesagt und die Jungs ließen nach gut einer Stunde dann die letzten Töne erklingen – auf eine Zugabe wurde zwar verzichtet, aber wer will bei so einem geilen Gig denn bitte noch gleich gierig werden!

Ziemlich platt, fertig und nach einem ordentlichen abendlichen Bierdurst doch schon ein wenig auf Couch fixiert, machte ich mich dann auf den kürzesten Heimweg meiner Konzert-Historie und freue mich schon darauf, die beiden Bands demnächst wieder live sehen zu können…

… vielleicht ja dann sogar bei einem selbst organisierten „Handwritten Rockfest“?! – Lasst euch doch einfach überraschen!

Ach so, es gilt ja noch aufzuklären, warum „weniger manchmal mehr ist“!

Ich bin immer wieder beeindruckt, was man mit ein wenig – bzw. auch ein wenig mehr – persönlichem Einsatz und Engagement für tolle Veranstaltungen in einer kleinen Location hinbekommt, ohne direkt voll auf den Teppich kloppen zu müssen. Diese feinen Geschichten im DiY-Style machen mehr Spaß, also so manche durchgeplante und völlig überteuerte High-End Veranstaltung namenhafter Bands dieser Zeit, oder?!

 

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