Da uns zum einen die neue Platte von SODIUM sehr sehr gut gefällt (Review), und die Jungs und das Mädel auf Tour gestartet sind, gibt es hier ein kleines Interview:

handwritten-mag: Eure neue Platte Odyssey ist ja gleich auf mehreren Labels erschienen. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

Hendrik: Hinter den Labels, die uns geholfen haben unser Album rauszubringen, stecken Freunde und Bekannte der Band. Dennis von Tief in Marcellos Schuld kennen wir nun schon seit mehreren Jahren. Nach einem gemeinsamen Gig mit seiner Band ALWAYS WANTED WAR hat er damals unser erstes Tape rausgebracht. Ohne ihn wäre das bei unserer damaligen Verplantheit wahrscheinlich nie passiert. Auch bei der ersten EP „Every Stone Made Me Stumble“ hat er sich wirklich ins Zeug gelegt, um in Handarbeit eine extrem schöne Platte zu produzieren. Für uns war klar, dass wir ihn auch für „Odyssey“, unser bisher aufwendigstes Projekt, um seine Unterstützung bitten. Die anderen Labels sind auch aus unserem Bekanntenkreis. Wir sind wirklich froh, dass sich so viele Leute freiwillig für Kunst und Musik einsetzen und damit eine breite DIY-Kultur ermöglichen.

handwritten-mag: Sodium kommen ja aus Lübeck und Kiel. Wie ist die Szene bei Euch?

Hendrik: Ich denke dafür, dass beide Städte nicht sehr groß sind, haben sie musikalisch sehr viel zu bieten. Insbesondere in Kiel gibt es einen großen Pool an Musikern, die sich immer wieder zu neuen Punkrockmetalensembles zusammentun und dabei ziemlich produktiv zur Sache gehen! Allgemein gab und gibt es in Norddeutschland viele Bands, die uns sehr wichtig sind und sicherlich auf die ein oder andere Weise ein großer Einfluss waren. Angefangen mit BONEHOUSE und TACKLEBERRY, welche wir früher rauf und runter gehört haben, über POWER, bei dessen damaligen Gitarristen Christian wir unser erstes Demo aufgenommen haben, bis hin zu unseren langjährig geliebten AND THEN THEY RUN, mit denen wir unsere erste Tour gespielt haben und die trotz Auflösung mit uns auf der Releaseshow aufgetreten sind. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass es viele Proberäume gibt, oder viele coole Läden wie Schaubude, Medusa, Alte Meierei, etc. oder ob es einfach an der Fülle von Leuten liegt, die Bock auf Musik haben, aber man muss sicherlich nicht nach Hamburg oder Berlin ziehen, um eine Szene zu finden, die wirklich Spaß macht.

Lucas: Die Szene in Kiel und Lübeck sind ähnlich wobei die in Lübeck doch schon deutlich kleiner ist. Es ist ein sehr familiäres Verhältnis und vor allem die Kieler Szene hat uns sehr geprägt. Hendrik und ich sind in unserer Jugend das ein oder andere Mal 6 Stunden mit dem Rad zu Konzerten nach Kiel gefahren um die Bahnkosten zu sparen. Allerdings nie zurück. Dort haben wir auch unsere ersten Konzerte gespielt und die ersten Kontakte geknüpft die auch alle immer noch bestehen. Ich habe aber schon das Gefühl, dass wenig „Nachwuchs“ bzw. neue Leute dazukommen von daher reproduziert sich die Szene häufig selbst.

handwritten-mag: Mit welchem Anspruch geht ihr an Eure Musik heran? Wir entstehen Songs, die von so vielen verschiedenen Richtungen beeinflusst sind?

Hendrik: Unser Anspruch ist in erster Linie, Musik zu machen, die wir selbst wirklich mögen. Klar ist das bei fünf Leuten eine Herausforderung, da wir alle unterschiedliche Vorlieben haben. Als Coverband würden wir absolut nichts taugen, denn innerhalb von 5 oder 6 Jahren konnten wir uns bisher nicht auf eine einzige Coverversion einigen. Vielleicht schaffen wir das irgendwann. Die Top Vorschläge waren bisher „Emerald“ von THIN LIZZY, „Nervous Breakdown“ von BLACK FLAG oder irgendwas von MEGADETH. Und damit wir nicht anfangen die BABYSHAMBLES zu covern, lassen wir es einfach sein und machen unseren eigenen Kram. Das funktioniert bisher am besten. Die meisten Songs für dieses Album sind an das Konzept angelehnt und eng mit den Gefühlen verbunden, die wir darin ausdrücken. Deshalb hatten wir auch einen Ausschuss an Songs, die wir zwar gerne spielen, die aber irgendwie von der Stimmung her nicht zu unseren Vorstellungen für das Album passten. Zum ersten mal haben wir uns Gedanken über die Songs als Gesamtpaket gemacht, die Musik und Texte in enger Absprache komponiert und geschrieben. Das war für uns auch etwas Neues und hat sehr viel Spaß gemacht, da jeder seine eigene Interpretation hat und es trotzdem insgesamt stimmig ist. Nachdem das Album fertig war, bin ich irgendwie erstmal in ein Loch gefallen und habe mich gefragt, was ich machen soll, wenn ich mich vor der Arbeit drücken wollte. An Songs und Texten rumwerkeln fiel dann ganz plötzlich weg.

Lucas: Der Anspruch ist einfach nur Musik zu schreiben die uns gefällt. Es muss knallen! Das heißt nicht, dass es es immer nur nach vorne geht, sondern einfach das es irgendwas in uns auslöst und wir Spaß haben das Lied zu spielen.

handwritten-mag: Was ist die Inspiration für ein so düsteres Konzeptalbum?

Hendrik: Sicherlich ist das Thema unseres Konzeptes sehr düster. Es geht um Verdrossenheit, Verzweiflung, Reue und nochmal Verdrossenheit. Das bedeutet nicht, dass wir alle verbitterte Menschen sind. Ganz im Gegenteil. Wir wollen mit diesem Thema eine Parabel schaffen, aus der man eine ganz eigene Lehre ziehen kann. Anstatt ausgelutschter Leitsprüche wollen wir eine Geschichte erzählen, in der Gefühle und Situationen beschrieben werden, mit denen sich einige ebenfalls identifizieren können. Es geht nicht darum irgendeine Moralpredigt zu halten, sondern eher darum, darzustellen was uns bewegt und vielleicht die eine oder den anderen zum Nachdenken anzuregen. Letztendlich ist es das, was unserer Meinung nach im Alltag zu kurz kommt: Courage, Mitgefühl, Reflexion. Das Setting hätte wahrscheinlich auch ein anderes sein können, aber uns hat es so am meisten angesprochen.

Lucas: Das Grundgerüst für die Geschichte haben wir uns mal auf dem Weg vom Proberaum zum Bus überlegt und dann aber noch tausendmal überarbeitet. Ich fand Konzeptalben schon immer sehr spannend weil das Schreiben von Musik und Text sehr fordernd ist, da ja schon klar ist wo die Reise thematisch hingeht. Das hat beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht, so konnte ich in Songs sehr persönliche Sachen so verpacken, dass sie im Rahmen der Geschichte nicht auffallen. Ich konnte auch mal aus einer anderen Sicht schreiben, zum Beispiel bei Catharsis in dem der Protagonist sehr euphorisch wird wieder zurück nach Hause zu kommen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings schon den Text für das Albumfinale geschrieben wusste also das diese Euphorie direkt wieder zerstört wird. Übrigens den Text für die euphorische Heimkehr in Catharsis habe ich geschrieben als ich tatsächlich mal den Bus von der FH nach Hause verpasst habe und latschen musste.

handwritten-mag: Wie wichtig ist für Euch der DIY Gedanke?

Hendrik: Seit wir zusammen Musik machen ist es uns sehr wichtig, dass das Ganze nach unseren Vorstellungen läuft und und vor allem unkommerziell bleibt. Natürlich haben wir die Platte nicht komplett alleine gemacht, wir können weder gut zeichnen, noch haben wir ein Presswerk in der Garage, aber so verstehen wir DIY auch nicht. Entscheidend ist, dass die Musik, die Texte, die gesamte Aufmachung und Illustration um ihretwillen gemacht werden und nicht, um dadurch möglichst viele Platten zu verkaufen. Deshalb arbeiten wir ausschließlich mit Freunden und Bekannten zusammen, Leuten denen wir vertrauen und die sich die Mühe machen, unsere Vorstellungen zu verstehen und umzusetzen. So hat Andrew (www.speak-id.com) ein wunderschönes Artwork gemacht, welches das Konzept des Albums unserer Meinung nach super ausdrückt und sehr eng mit den Lyrics zusammenhängt. Auch hinter Aufnahmen, Labels und Booking stehen nur Menschen, die wir gern haben

Lucas: Sehr, sehr wichtig. Entweder wir machen etwas selber oder wir machen es mit sehr ausgewählten Leuten die wir mögen.

handwritten-mag: Was ist mit Sodium für die Zukunft geplant?

Hendrik: Zunächst machen wir unsere Release-Tour und spielen in Deutschland, Tschechien, Slowenien und Österreich. Danach wird weiter an neuen Songs gearbeitet. Leider sind nun abwechselnd Evelyne und ich für ein paar Monate im Ausland, aber wir werden trotzdem einige Konzerte spielen und für März/April ist dann bereits eine weitere Tour in voller Besetzung angedacht.

Lucas: Hendrik und Evelyne sind das erste Halbjahr 2018 leider erstmal abwechselnd im Ausland. Das ist aber nicht so problematisch, da wir unser gesamtes Set schon auf 4 Leute umgemünzt haben um flexibler zu sein. Wir wollen also vor allem sehr viel spielen! Über Ostern dann eine gemeinsame Tour und sobald im Sommer wieder alle da sind schnellstmöglich ins Studio und hoffentlich schon zum nächsten Winter das nächste Album raushauen. Diesmal aber bestimmt kein Konzeptalbum, ich hab viel zu viel Bock wieder einfach drauflos zu schreiben!

VIEL ERFOLG AUF TOUR!
13.10.17 DE Hamburg, Monkeys Music Club
14.10.17 CZ Chomutov, Huháč
15.10.17 CZ Podebrady, BOSS BAR
16.10.17 CZ Brno, m13 klub
17.10.17 AT Wien, Venster 99
18.10.17 AT Graz, SUB
19.10.17 SL Lubljana, Orto Bar
21.10.17 DE Karlsruhe, P8