Montagabende sind immer schwierig. Für Konzertveranstalter, für Bands und für das Publikum ebenso. Wer mag schon Montage. Trotzdem: Es hilft doch alles nichts, ran an die Bulletten, ein Tourkalender muss gefüllt werden und eine kleine Belohnung am Ende des ersten Arbeitstages der Woche tut gut. Und womit besser entspannen als mit der sensationellen Doppel-Headlining-Tour von Deafheaven und Touché Amoré?

Also los, auf ins Carlswerk Victoria zu Köln. Eine recht neue Venue, in dessen kleinerem Konzertsaal, dem Club Volta, ich zuvor schon einmal Caspian bewundern durfte. Die Haupthalle jedoch ist ein anderes Kaliber. Schon beim Eintreten denke ich mir „Oha, ob das man nich ne Nummer zu groß für die Veranstaltung ist?“. Spoiler-Alert: Ja, war sie. Warum man die Show hier stattfinden lässt, und nicht in einer der vielen anderen schönen Locations in Köln, weiß ich nicht. Vielleicht hat das ja plausible Gründe, sei’s drum.

Kleine Anekdote am Rande: Bereits Nachmittags habe ich beim Plattenshoppen im Underdog zufällig Jeremy Bolm (Vocals, Touché Amoré) getroffen, der anscheinend genau so gern wie ich vor Konzerten schnell mal PVC-Gold einkauft, den Mitarbeiter an der Kasse mit Komplimenten über den Laden überhäuft und sich im Anschluss dafür bedankt, dass hier auch Platten von seinen Bands verkauft werden. Süß. Den Typen muss man einfach mögen.

Zurück in der Gigantohalle des Carlswerks: Spärlich gefüllt haben Portrayal of Guilt aus Texas auf ihrem ersten Europabesuch keinen leichten Einstand, spielen ihr Set aber professionell und unbeirrt runter. Schade, dass der Sound leider grottenschlecht ist. Besonders das Dauerthema Bass macht Probleme, denn der besteht nur aus einer wabernd- undefinierten Klanggrütze. Das ist bedauerlich, denn die Band hat technisch einiges zu bieten. In einer kleineren Venue mit vernünftigem Sound sicherlich ein super Erlebnis, an dieser Stelle leider irgendwie seltsam.

Nunja, es folgen die ersten Headliner des Abends, Deafheaven. Mittlerweile hat es sich etwas mehr gefüllt, auch wenn immer noch reichlichst Platz zur Verfügung steht. Die Blackgazer beginnen ihr Set mit der brandneuen Single „Black Brick“ und wachsen anschließend mit jeder Nummer ein Stück weiter. Glücklicherweise wird auch der Sound mit jeder Minute besser, so dass das dynamische Wechselspiel aus Aggressivität und Verträumtheit das die Band aus L.A. mittlerweile perfektioniert hat und bei Stücken wie „Canary Yellow“, „Honeycomb“ oder „Worthless Animal“ hervorragend zur Geltung kommen kann. Nach gut einer Stunde fühlt man sich wie hypnotisiert und hat fast vergessen, dass ja nun noch ein zweiter Headliner folgt.

Foto von Simon Baranowski (icanguarantee.com)

Und auch der hat sich gewaschen. Erster Punkt der Tagesordnung: Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums ihres Debüt-Albums spielen Touché Amoré „To The Beat Of A Dead Horse“ von vorn bis hinten einmal durch. Für Fans ein tolles Schmankerl, auf keinen der alten Hits verzichten zu müssen. Anschließend folgt ein solider Mix der restlichen drei Alben, wobei auffällt, dass die Songs des letzten, bei Epitaph erschienenen Langspielers „Stage Four“ beim Publikum die energischsten Reaktionen hervorrufen. Ob das daran liegt, dass die letzte Platte einfach am beliebtesten ist, oder das Publikum von heute Abend die Band erst in den letzten drei bis vier Jahren für sich entdeckt hat, kann ich nicht beantworten.

Foto von Simon Baranowski

Zusammenfassend lässt sich sagen: Alle Bands liefern eine hervorragende Show, die Setlisten sind ebenfalls zufriedenstellend und an Energie fehlt es sicherlich keinem Musiker der drei Bands. Trotzdem fühlt sich die Show seltsam an. Der Laden hier, er ist, abgesehen davon, dass er halb leer ist, zu groß für diese Musik. Sie gehört in kleine Clubs, in denen eines ihrer wichtigsten Parameter mehr zum Tragen kommen kann: Die Intimität zwischen Künstler und Publikum. Bei Touché Amoré fällt das noch einmal mehr auf als bei Deafheaven, dessen sphärische Klangwelten zumindest streckenweise besser mit großen Konzerthallen vereinbar sind als die hektische Energie von Touché.

Nicht zuletzt auch Jeremy Bolm scheint der gleichen Meinung zu sein. Immer wieder bittet er das Publikum, näher an die Bühne heran und weiter zusammenzurücken. „This room is far too big for us. Please don’t make me feel so weird up here“. Eine treffende Feststellung des sympathischen Sängers. Ich kann es ihm nachfühlen. Das nächste Mal bitte eine Nummer kleiner, dann kommt auch mehr Stimmung auf.