Unter Traditions-Metal-Fans genießen die aus Colorado stammenden Jag Panzer einen ziemlichen Kultstatus. Deren Fans hatten es in den letzten Jahren aber nicht leicht. Auflösung, angedachter Sängerwechsel und überhaupt etwas ungewisser Status. Nach sechs Jahren Albumpause möchte es die Band allerdings wieder wissen und meldet sich mit ihrer Comeback-Platte „The Deviant Chord“ zurück. Und das sogar in Fast-Originalbesetzung, nachdem sich die Truppe vor ein paar Jahren mit Gitarrist Joey Tafolla ausgesöhnt hatte.

Und das Album klingt, als wäre die Band nie weg gewesen. Lebendig und kraftvoll, voller Energie und Spielfreude. Musikalisch bietet man natürlich keine Überraschungen und das ist hier auch gut so. Die Band agiert recht gelöst und bietet den Sound für welchen die Band spätestens seit 1997 steht: kraftvollen und gleichfalls melodischen, amerikanischen Power Metal mit einer gesunden Portion Pathos, teils verspielten Gitarren und dem starken Gesang des Tyrant, ohne käsige Melodien und unnötigen Kitsch serviert.

Gleich die ersten beiden Songs „Born Of The Flame“ und „Far Beyond All Fear“ klingen ziemlich typisch und laufen gut ins Ohr, auch wenn die Chose vielleicht ein wenig vorhersehbar tönt. Was auffällt, ist das Gitarrenspiel von Joey Tafolla: melodiös und in den Soli ähnlich sportlich (oder böswillig: kraftmeierisch) wie dein Nachfolger bzw. Vorgänger Chris Borderick. Dafür zeigt sich Harry Conklin mal wieder von seiner besten Seite. Mit seiner Stimme veredelt er so manchen Track, der sonst vielleicht etwas blass wäre wirken („Divine Intervention“) oder im Kitsch ertrinken würde („Long Awaited Kiss“).

Am Ende ist das Songwriting aber ansprechend und bietet mehr als nur Dienst nach Vorschrift. Zackigen Headbanger-Stoff der guten Sorte bringen „Blacklist“ und „Fire Of Our Spirit“, das aus dem Midtempo-Bereich mal richtig ausbricht, ins Haus. Von der mystischen, leicht epischen Seite zeigt man sich mit dem Titeltrack, noch etwas balladesker mit dem sehr melodischen, schon fast hymnischem „Long Awaited Kiss“, während „Salacious Behaviour“ ausgelassen rockig nach vorne geht. Am ungewöhnlichsten klingt das gecoverte Traditional „Foggy Dew“. Zuerst wie eine ruhige Ballade, dann pathetisch im folkigen Metalgewand. Der im Vorab präsentierte Song sorgte nicht überall für Wohlwollen. Im Albumkontext funktioniert er allerding gut.

Insgesamt ist das Ding recht abwechslungsreich geworden. Es wimmelt von feinen Melodien und knackigen Riffs. Man hört den wiedergewonnen Spaß an der Sache. Was das Ganze aber ein wenig trübt, ist der anfangs etwas seltsam dumpfe Sound, bei dem das Schlagzeug viel zu sehr im Vordergrund steht (auch wenn das Gespielte wirklich super ist!) und der Gesang zu gedämpft klingt. Hier wäre sicher mehr gegangen.

Aber so ein kleines Haar in der Suppe muss man wohl finden. Das hält einen aber nicht davon ab, der Band zu bescheinigen, dass ihnen ein gutes, keinesfalls altmodisches Comeback gelungen ist, für das sie sich keineswegs schämen muss. In dieser Form dürfen Jag Panzer gerne noch einige Jahre Bandgeschichte dranhängen!

Trackliste:
1. Born of the Flame 4:00
2. Far Beyond All Fear 3:49
3. The Deviant Chord 5:37
4. Blacklist 4:19
5. Foggy Dew 3:20
6. Divine Intervention 3:30
7. Long Awaited Kiss 6:16
8. Salacious Behaviour 4:07
9. Fire Of Our Spirit 4:37
10. Dare 5:17

Jag Panzer - The Deviant Chord (Steamhammer/SPV, 29.09.2017)
4.0Gesamtwertung