Nach der Veröffentlichung von „Invisible“ der Band Barrels  bot sich mir die Möglichkeit ein wenig (per Mail) mit Frederic Klemm zu plaudern. Er ist nicht nur Sänger und Gitarrist der Band sondern auch Inhaber des Labels „Arctic Rodeo Recordings“. Was aus dem Gespräch geworden ist könnt Ihr nun hier lesen.

Niklas: Zu allererst, wie kam es zu der Formation Tim Meyer, Daniel Garwels, Anselm Klumpp und Frederic Klemm? Kennt Ihr euch zum Teil schon seit dem Kindergarten, ist das erst gefühlt recht spät so zusammen gekommen oder habt Ihr euch in Hamburg unter bestimmten Umständen kennen gelernt?

Frederic: Ich suchte seinerzeit einen Neuanfang mit einem neuen Bandprojekt. Bei einem Konzert der Noiserockband Unsane lernte ich Daniel über einen gemeinsamen Bekannten kennen, und wir haben uns angeregt unterhalten. Als sich herausstellte, dass er Bass spielt und auch was Neues machen möchte, haben wir uns zunächst zu zweit getroffen und an ersten Songideen gearbeitet und uns auf die Suche nach einem Drummer gemacht. Auf Tim sind wir dann tatsächlich über eine Musikercommunity im Internet gestoßen. Das hat gleich alles gut gezündet. Da ich unbedingt eine zweite Gitarre dabeihaben wollte, um mich zum einen auch auf den Gesang konzentrieren und zum anderen einfach den Sound anreichern und musikalisch mehr Optionen haben zu können, kam ich schnell auf Anselm. Wir kennen uns seit Kindestagen, haben eine sehr ähnliche musikalische Sozialisierung erfahren und auch schon zusammen in einer Band gespielt. Anselm und ich waren also schon recht gut aufeinander eingespielt und sind schon viele Jahre gute Freunde.

Niklas: Waren die Anfänge leicht bzw. habt Ihr euch schnell miteinander abgestimmt gefühlt?

Frederic: Es gab reichlich Songmaterial, das ich über die Jahre geschrieben hatte und gerne umsetzen wollte. Für die anderen waren die Songs oftmals musikalisches Neuland, insofern war es sehr spannend, da zueinander zu finden. Schwer war es nicht, denn wir haben denke ich alle schnell gesehen, was der jeweils andere kann und wo er musikalisch hin möchte. Daraus eine gut funktionierende Einheit zu erzeugen, die alle Individualitäten zielgerichtet bündelt, das war schon aufregend.

Niklas: Was macht Ihr neben der Musik?

Frederic: Wir haben alle unsere Jobs. Tim arbeitet als Steuerprüfer, Daniel bei einem Elektronik-Fachmarkt und Anselm und ich bei einer PR Agentur. Ich bin darüber hinaus zweifacher Familienvater und betreibe zudem das kleine Indielabel Arctic Rodeo Recordings.

Niklas: Würdet Ihr euch selbst in ein bestimmtes Genre packen? Ihr habt ja durchaus schon einen progressiven, aber auch nach vorne treibenden Touch.

Frederic: Ich denke wir streifen viele Genres…. Da ein bisschen Posthardcore, dort ein wenig Punk und eine Prise Metal, dazu kommt viel Indie und Noise und auch etwas Emo (alter Schule!) und Postrock (ebenfalls alter Schule!). Ich denke das liegt daran, dass ich all diese Genres gerne mag und höre und irgendwann auch nicht mehr zwischen all diesen Richtungen unterscheiden wollte, sondern überall ein bisschen Einfluss raushole. Am Ende sind wir denke ich eine Punkband, nicht zuletzt aufgrund unserer Haltung. Ich bin mit Labels wie Dischord, Touch & Go, Revelation und AmRep aufgewachsen. Das prägt einen doch sehr.

Niklas: In meiner Vorab-Recherche wurde deutlich, dass Du, Frederik, bei euch der Schreiber bist. Gilt das nur für die Texte oder hast Du auch „den Ton“ vorgegeben?

Frederic: Ich schreibe einen Großteil der Musik, aber nicht alles. Zwei Songs auf dem Album hat Anselm geschrieben, Daniel hat etliche Ideen für Arrangements, und auch Tim liefert Input, in welche Richtung ein Song gehen kann, vor allem was die Dynamik angeht. Letztlich liefere ich meist das Gerüst für einen fertigen Song und habe auch eine Vorstellung dessen, was die anderen Instrumente spielen könnten. Das schlage ich dann vor, aber oft hat jeder für seinen Part andere oder bessere Ideen, und am Ende entscheidet jeder selbst, was er auf seinem Instrument spielt und man erarbeitet den Song gemeinsam. Um die Melodien für den Gesang kümmere ich mich weitestgehend, und die Texte kommen ebenfalls von mir.

Niklas: Das Album wirkt schon ziemlich durchdacht. Auch wenn ich gehört hab, dass Du das gar nicht so geplant hattest. Auch das Thema bedeckt eher eine traurigere Seite, auch mein Beileid für deinen Verlust. War diese Offenheit, mit dem Du das Thema angehst, ein wichtiger Schritt zur Verarbeitung?

Frederic: Wenn ich Texte schreibe, dann ziehe ich meine Inspiration aus Gedanken, die ich mir notiert habe. Das mache ich oft und spontan, weil die Assoziationen natürlich in dem Moment sehr intensiv und präsent sind, in dem ich sie empfinde – ein Zustand, den ich festhalten möchte. Irgendwann stellte ich fest, dass sich alle Gedanken, die mich seit Jahren beschäftigen, um den Tod meines Bruders drehen und um die Umstände, die dieser tragische Verlust mit sich gebracht hat. Was dieses Ereignis aus meinem Leben und dem meiner Familie gemacht hat, ist unfassbar und wird niemals abschließend verarbeitet sein. Als ich also am Schreiben war und sah, dass das einfach das wichtigste oder sogar einzige Thema für mich war, fragte ich die anderen in der Band, und alle waren einverstanden, das zum Thema des Albums zu machen und die Platte meinem Bruder zu widmen. Dafür bin ich den anderen sehr dankbar, denn ich weiß, dass ich mich mit einem so persönlichen Thema auf dünnes Eis begebe.

Niklas: Kannst Du ein bisschen mehr erklären, wie es zu dem Album-Titel gekommen ist?

Frederic: Jeder, der schon mal einen Menschen verloren hat, kennt dieses Gefühl: irgendwie ist er gar nicht weg, er begleitet einen weiterhin, auch wenn man ihn nicht sehen kann. Man weigert sich, diese Umstände zu akzeptieren und teilt seine Erlebnisse mit dieser unsichtbaren Person. Deswegen der Titel „Invisible“. Passend fand ich irgendwie, das Album nach einem Song zu benennen, der ohne Gesang auskommt und für den Titel jeden Interpretationsspielraum lässt.

Niklas: Ich persönlich finde, dass das erste Artwork „zum Heimathafen“ das Album deutlicher wiederspiegelt und die Situation sehr gut erklärt. Wie kamt Ihr auf die Idee 2 unterschiedliche zu machen/machen zu lassen und wer steckt dahinter? Welche Gedanken stecken dahinter?

Frederic: Ich kenne den Künstler Alexander Hanke schon eine ganze Weile, und ich mag sein Gespür für die passende Ästhetik und seinen Stil. Er hatte erfreulicherweise Lust, die Gestaltung für uns zu übernehmen und kannte natürlich das Thema des Albums und visualisierte es nach seinen Vorstellungen, die uns sehr gut gefallen haben. Dass es ein zweites Artwork gibt, hat mit einer limitierten Variante der LP zu tun, die mit einem speziellen, handgemachten Siebdruck versehen ist, der ein anderes Motiv zeigen soll. Davon gibt es nur 85 Exemplare. Diese limitierte „zum Heimathafen Art Serie“ machen wir mit Alexander Hanke bereits seit einiger Zeit bei Arctic Rodeo.

Niklas: Wie viele Konzerte habt Ihr inzwischen schon gespielt und wo?

Frederic: Wir kümmern uns derzeit darum weitere Shows zu organisieren, konkrete Termine haben wir leider noch nicht. Barrels haben bisher ca. 20 Shows gespielt, schätze ich. Leider längst nicht genug.

Niklas: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Frederic:  Wir wollen natürlich unbedingt viele Konzerte spielen und schreiben bereits die ersten neuen Songs, um dann hoffentlich irgendwann auch ein neues Album machen zu können, das hoffentlich ein weiterer Entwicklungsschritt sein wird.

Niklas: Noch letzte Worte? Etwas, was Ihr unbedingt noch sagen wollt?

Frederic: Eigentlich nur: vielen Dank.

 

links: http://www.arcticrodeorecordings.com   http://www.facebook.com/Barrels.Band