Ihr mögt euren Metal gerne etwas progressiver oder zumindest anspruchsvoller? Bands wie Dream Theater, Vanden Plas oder Symphony X verspeist ihr zum Frühstück und braucht schnell Nachschub? Dann könnten die aus deutschen Landen (genauer gesagt aus Köln) stammenden Pantelon etwas sein, um euren Hunger nach frischer Musik zu stillen. Unlängst hat das Quartett mit „Virus“ sein Debütalbum veröffentlicht, das sich hinter der Konkurrenz nicht unbedingt verstecken muss und das bisweilen recht düsteren Metal zwischen knackigen, straighten Songs und Longtracks bietet. Mehr zu Musik der Band könnt ihr in unserem Review nachlesen. Ansonsten haben wir hier nun ein Interview mit Bassist und Songschreiber Sebastian Heuckmann zu bieten, in dem er uns mehr über seine Band verrät.

 

Pantaleon – der Bandname lässt zuerst mal aufhorchen, bzw. stutzen. Hinter dem altgriechischen Wort steckt erst einmal ein gleichnamiger Heiliger oder bezieht ihr euch mehr auf das heute vergessene Instrument des nach dem heiligen benannten Pantaleon Hebenstreit?

Wir beziehen uns auf das Instrument. Das Pantaleon war ein Vorgänger des heutigen Klaviers und die Mischung aus einer etwas nebulösen Hintergrundstory, einem guten Klang des Namens und die direkte Verbindung zur Musikgeschichte hat uns fasziniert.

Zwar gibt es die Band an sich schon ein paar Jahre und 2010 gab’s mit „Inner Impact“ eine selbstveröffentlichte EP. Aber wirklich wahrgenommen hat man die Band bisher (leider) nicht.

Tatsächlich haben wir ja kurz nach der „Inner Impact“ mit den Arbeiten an „Virus“ begonnen. Da wir aber nahezu alles in Eigenarbeit gemacht haben, hat sich die Produktion immer wieder verzögert. Zudem sind fast alle von uns hauptberuflich in der Musik eingebunden und andere Projekte haben immer wieder unsere Zeit in Anspruch genommen.

Pantaleon werden allgemein in Prog-Schublade gesteckt, wobei man ja „Pogressive“ mittlerweile ja mehr als festen Stil und weniger im eigentlichen Wortsinne sieht. Fühlt ihr euch wohl in dem Bereich und was versteht ihr unter progressiv?

Ich glaube, wenn man uns mit anderen etablierten Prog-Bands vergleicht, fällt schnell auf, dass wir oft einen anderen Weg gehen. Wir wollen nicht Prog um des Prog Willens machen und eine gute Struktur aufgeben, nur um noch einmal einen Taktartwechsel zu haben. Für uns ist mehr das Spiel mit Stilen und non-linearen Strukturen im Vordergrund. Also progressiv im Sinne der Weiterentwicklung, nicht notwendigerweise im Sinne von vertrackten Elementen, auch wenn wir diese natürlich auch bedienen.

Mit welcher Intention gingt ihr an Pantaleon heran? Warum braucht die Welt genau diese Art von Band?

Es wird sich zeigen, ob die Welt unsere Musik braucht. Wir glauben aber, dass wir einen Klang haben, der vielen Leuten gefällt. Wir kriegen oft gesagt „ich höre ja eigentlich keinen Prog, aber was ihr macht, gefällt mir“. Vielleicht ist das unsere „Funktion“ – Hörer von anderen Stilrichtungen an den Prog heranzuführen. (lacht)

Irgendwo hört man immer wieder mal Vorbilder bzw. ähnliches Acts wie Dream Theater oder Symphony X in eurer Musik heraus, was an sich ja keine Schande ist. Orientiert ihr euch bewusst an bestimmten Vorbilder oder hat man ein ähnliches Klangbild beim Komponieren im Kopf oder ist das eher „Zufall“?

Wir gehen nicht bei den Songs heran und sagen „jetzt machen wir mal einen, der wie XY klingt“, aber natürlich haben wir in unserer Vergangenheit Songs anderer Bands geübt und gespielt, die dann unseren Stil in Harmonie und Melodie geprägt haben können.

Musik und Texte wurden laut Booklet von Dir im Alleingang geschrieben. Welchen Einfluss haben die restliche Mitglieder auf die finalen Songs und wie entstehen wie letztlich, bevor sie aufgenommen werden?

Ich schreibe schon die komplette Songstruktur, aber jeder einzelne Teil wird mit den entsprechenden Instrumentalisten auf Spielbarkeit besprochen. Jeder kann da auch seine eigene Meinung kundtun und vor der Aufnahme wurden alle Songs nochmal kräftig entkernt und zu der endgültigen Form arrangiert.

Die Texte auf „Virus“ sind wirklich ziemlich düster und bedrückend. Das hat schon fast was Konzeptionelles, wenn man dazu auch noch das passende Coverartwork sieht, das bestens zum Inhalt passt. Geschichten über Untergang oder persönliche Probleme findet man zuhauf auf der Platte. Ist Pantaleon eine dunkle Band und gibt es nicht irgendwo Platz für etwas Hoffnung oder leichtere Themen?

Die düstere Atmosphäre ist tatsächlich konzeptionell und die Songs sind insofern auf einander abgestimmt, dass man eben genau diesen roten Faden erkennt. Die Stimmung des Albums spiegelt aber auch durchaus unsere Zeit wieder und die ist einfach sehr düster momentan. Davor die Augen zu verschließen und von unserem Glück zu singen zu dem einem Prozent zu gehören, wäre unserer Meinung nach unangebracht.

Die Platte wurde noch von eurem ehemaligen Sänger Patrick Sühl eingesungen und er hat einen tollen Job dabei abgeliefert. Seine Stimme passt gut zum relativ düsteren Sound. Hatte er keine Lust mehr auf eine weitere Zusammenarbeit?

Das hatte nichts mit Lust zu tun. Wir hätten gerne mit Patrick weitergearbeitet und er auch mit uns. Er ist aber inzwischen in so vielen Projekten eingebunden, dass ein Bandprojekt, das mittelfristig keine finanzielle Absicherung bieten kann, für ihn nicht mehr möglich war. Hätten wir Till nicht sofort gefunden, hätte er uns auch noch weiterhin ausgeholfen. So könnten wir aber einen schnellen Wechsel vornehmen.

Eben jeder Till klingt beim ersten Vorgeschmack ziemlich anders, mehr Powermetal-lastiger. Wo habt ihr ihn gefunden und warum fiel die Entscheidung auf ihn?

Till ist ein langjähriger Freund der Band, den wir durch gemeinsame Gigs mit anderen Bands von ihm kennen. Wir brauchten nach Patricks Ausstieg einen Sänger, der eine ähnliche Range hat, um die Songs auch weiterhin in der Originalfassung zu performen und der Zeit und Motivation mitbringt. Till war die erste Wahl und hat uns sofort überzeugt.

Nachdem ihr nun wieder komplett seid, geben Pantaleon richtig Vollgas mit Liveauftritten etc.? Bisher scheint ihr hierfür noch nicht die ganz großen Gelegenheiten gehabt zu haben.

Durch den Sängerumbruch wussten wir nicht von Anfang an, ab wann wir wieder in der Lage sind, aufzutreten. Das ist seit Juni wieder der Fall, aber für dieses Jahr ist es jetzt sehr schwer noch ein paar Auftritte an Land zu ziehen.

Sehen sich Pantaleon als gestandene Liveband? Stelle mir das auch schwierig vor mit den zahlreichen Keyboard-Passagen. Müsst ihr wohl auf Samples zurückgreifen oder weglassen.

Momentan nutzen wir Samples, das soll aber nicht der Dauerzustand sein. Dennoch finden wir das nicht ehrenrührig. Die einzige Alternative wäre nicht zu spielen, da die Keyboard- und Orchester-Arrangements einen guten Teil unseres Sounds ausmachen.

Die letzten Worte gehören Dir, Sebastian!

Wir freuen uns, jeden einzelnen von euch Lesern mal bei einem Konzert begrüßen zu dürfen. Unsere Musik ist für euch und das wollen wir mit jedem Auftritt unter Beweis stellen!