Auch wenn sie bei uns nicht gerade in den größten Etablissements bespielen, ist die Musik für die ganz großen Bühnen bestimmt. Man höre mal die letzten beiden Alben der Schweden – „Tearing Down The Walls“ und „Into The Great Unknown“ – und man weiß Bescheid, wie moderner Hardrock mit deutlichen 80er-Wurzeln heute wohl zu klingen hat.

Da das Quintett eine durchaus feurige Liveband ist, war der Ruf nach einer Aufnahme des entsprechenden Spektakels nur legitim. Und dem kommt man jetzt mit „Live At Sweden Rock Festival“ entgegen. Eine Stunde lang im Dunkeln bei besten technischen Voraussetzung und vor heimischer Kulisse – was kann da noch viel schiefgehen? Und tatsächlich H.E.A.T werden von ihren Fans ordentlich und laut abgefeiert. Man honoriert das, indem man ordentlich Gas gibt. Oder flippen die Leute nur so aus, WEIL man so ordentlich Gas gibt? Gerade der charismatische Sänger Erik Grönwall gibt das Bühnentür und sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum. Und das ganz direkt und nicht nur von seinem Mikrofonständer aus, den der als Postwerkzeug ganz famos schwingt.

Jedenfalls gefällt die an den Tag gelegte Power, wenn man nur die Studioalben (und vor allem das letzte) kennt. Gute Songwriter sind H.E.A.T auf jeden Fall. In der Livesituation kommt noch die richtige Portion Heavyness dazu. Trotzdem hat man anscheinend nicht ganz den Finger vom akustischen Weichzeichner gelassen. Und auch die Background-Gesänge kommen etwas künstlich rüber. Was am Ende allerdings nicht die Klasse von Songs wie dem knackigen Opener „Bastard Of Society“, „Inferno“ oder „Living On The Run“ schmälert. Auch die ruhigeren Nummern wie das poppige „Redefined“ oder „Tearing Down The Walls“ kommen hier gut rüber.

Das Optische lässt dagegen etwas zu wünschen übrig und hat nicht gerade absoluten HD-Charakter. Die verwendeten Kameras hatten ihre liebe Mühe mit der hellen LED-Lightshow (unsere Fotografen sind beruhigt, dass es den Profis auch so geht…), was teilweise nicht besonders schön anzuschauen ist. Allerdings kommt es trotzdem gut rüber, was auf und vor der Bühne passiert.

Am Ende bleibt eine nette Sache für Fans, aber durchaus auch für Neueinsteiger, da H.E.A.T sich hier von der besten Seite zeigen.

Als Bonus hat man auf die Blu-Ray nicht acht Videoclips der Band gepackt.

 

Trackliste:
1. Bastard of Society
2. Late Night Lady
3. Mannequin Show
4. Redefined
5. Heartbreaker
6. Shit City
7. Beg Beg Beg
8. Tearing Down the Walls
9. Eye of the Storm
10. Emergency
11. Inferno
12. Living on the Run
13. A Shot At Redemption

Bonus-Videos:
1. It’s All About Tonight
2. Tearing Down The Walls
3. Point Of No Return
4. Living On The Run
5. Eye Of The Storm
6. A Shot Of Redemption
7. Best Of The Broken
8. Drink Alone

 

H.E.A.T – Live At Sweden Rock Festival [CD/Blu-Ray] (earMUSIC/Edel, 26.07.2019)
3.8Gesamtwertung