Der wunderbare Enno Bunger spielte mit seiner tollen Band am gestrigen Mittwoch in der Kulturetage in Oldenburg. Für Sven und mich war schnell klar, dass wir dahin fahren werden, um ein paar Fragen an Enno zu stellen (Interview) und auch um mal zu schauen, wie das (erweiterte) Bunger’sche Gesamtwerk live so funktionert.

Projektor ist die erste Band des Abends. Drei Bandmitglieder von Enno Bungers Band sind Projektor und spielten lediglich drei oder vier Songs. Sphärischer Sound, recht reduziert vorgetragen mit Gitarre, Keys und E-Drums. Angenehme Stimme des Sängers. Kann man sich mal mehr von anhören – eine EP ist wohl gerade draußen.

Die erste Überraschung folgte dann in Form der zweiten Band. Sarah und Julian aus Hamburg überzeugten umgehend mit sanftem Akustik-Pop. Gisbert zu Knyphausen hat das Duo wohl im letzten Jahr entdeckt und umgehend auf das haus- und weinguteigene Festival eingeladen. Akustikgitarre, Klavier und zweistimmiger Gesang. Beide mit wundervollen Stimmen, tolles Songwriting. Von denen hören wir in Zukunft definitiv noch mehr. Die beiden sind dann bald auch auf Tour. Termine findet ihr hier.

Nach kurzer Pause geht es dann mit der Hauptband des Abends weiter. Zuvor war ich schon arg gespannt, wie diese elektronische Ausrichtung, welche auf der neusten Platte „Flüssiges Glück“ erstmals so ausgeprägt zum Vorschein kommt, denn nun live funktionieren wird. Der erste Song „Renn!“ ist einer dieser elektronischen Stücke und hat mich mal direkt vom Stuhl gehauen.

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Erste Show dieser Tour-Rutsche, da darf dann schon noch was schief gehen und passierte dann leider auch. Musikalisch natürlich nicht, aber technisch gab es kleinere Probleme, welche aber ohne großen Aufwand gelöst werden konnten.

Jedoch war Enno bei den Ansagen schon ziemlich auf Tourtemperatur. Zwischen den wunderbaren Songs, mit ernsten, manchmal sogar traurigen Texten, haut Enno dann super witzige, aber auch deutliche Ansagen raus – auch sowas macht einen Konzertbesuch bei Enno Bunger zu was ganz Besonderem!

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Musikalisch gab es neben den Songs von „Flüssiges Glück“ auch einige ältere Songs von Enno und Band zu hören, die meiner Meinung nach auch einfach reingehörten. „Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung“, „Herzschlag“ oder „Regen“ – um nur drei zu nennen. 18 Songs waren am gesamten Abend von der Band zu hören.

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Wie zu Beginn schon geschrieben, war ich vor allem auf die Songs mit den großen elektronischen Parts gespannt. „Renn!“, „Wo bleiben die Beschwerden?“ und besonderes „Hamburg“ sind in diesem Bezug herauszustellen. Selbst auf Platte sagten mir diese Songs ja schon zu, obwohl ich mit elektronische Musik eigentlich rein gar nichts anfangen kann. Überrascht war ich beim ersten hören von „Flüssiges Glück“ auf jeden Fall, aber ich denke, dass bei Enno Bunger dieser Schritt hin zu dieser elektronischen Unterstützung in den Songs wunderbar umgesetzt wurde. Er selbst sagt im Interview ja auch, dass es schön ist, wenn man überrascht wird und es nicht nur ein festgefahrener Stil ist. Er macht sein Leben lang beruflich Musik und würde sich irgendwann langeweilen, wenn er immer wieder nur einen Stil machen müsste.

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Live haben die Songs dann noch einmal anders auf mich gewirkt. Noch positiver und noch nachvollziebarer. Enno hat seit dieser Tour jetzt auch einen eigenen Lichttechniker dabei und das merkt man einfach. Die Songs kommen durch das passende Licht, die Instrumentierung auf der Bühne einfach noch ein Stück besser rüber, als es auf der Platte schon der Fall war! Hut ab!

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Für mich zählt Enno Bunger zu den besten Songschreibern in unserem Land. Und das hat dieser Tourauftakt auch einfach gezeigt: schöne Umsetzung der neuen Songs, eine wunderbare Setlist, super Stimmung auf der Bühne und ein Publikum, welches ganz bestimmt zufrieden nach Hause gegangen ist – ich bin es! Danke!

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Enno Bunger noch nicht live gesehen? Dann bitte nachholen. In den nächsten Wochen ist das in folgenden Städten möglich:

25.02.16 Münster, Skaters Palace
26.02.16 Essen, Zeche Carl
27.02.16 Heidelberg, Halle 02
29.02.16 Konstanz, Kulturladen
01.03.16 Ulm, Roxy
02.03.16 CH-Aarau, Kiff
03.03.16 Augsburg, Kantine
04.03.16 A-Wien, B72
05.03.16 A-Vöcklabruck, OKH
07.03.16 Jena, Kassablanca
08.03.16 Erlangen, E-Werk
09.03.16 Mainz, Schon schön
10.03.16 Braunschweig, Eulenglück

Drei der ausverkaufte Shows auf der Bosse Tour spielen Enno & Band auch noch. Als Festivals sind bisher bestätigt:

22.07.16 Acoustic Lakeside Festival – A-Sittersdorf, Sonnegger See
21.08.16 MS Dockville Festival – Hamburg

Das wird ein ganz wunderbares Enno Bunger Jahr – das denke und wünsche ich ihm!

Foto: Sven Hoppmann / melancholiemaritim.de

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Setlist Enno Bunger im der Kulturetage, Oldenburg am 24.02.2016:

01. Renn!
02. Neonlicht (Das Atemlos, durch die Nacht der Indieszene)
03. Zwei Streifen
04. Pass auf dich auf
05. Blockaden
06. Regen
07. Abspann
08. Roter Faden
09. Herzschlag
10. Heimlich
11. Nichts immer alles jetzt
12. Am Ende des Tunnels (Der Wut-Bunger)
13. Die Flucht
14. Wo bleiben die Beschwerden?
15. Scheitern

Zugabe:

16. Klumpen
17. Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung
18. Hamburg