Yeeha, Halli-Galli-Drecksauparty ist angesagt! Django 3000 sind nämlich gerade auf großer Deutschlandtour und haben an diesem beschaulichen Wintertag auch in der altehrwürdigen Fuggerstadt „Augschburg“ Halt gemacht. Im Gepäck hatten sie nicht nur gute Laune, sondern auch ihr neues Album „Im Sturm“, das man ausgiebig supportete. Im Laufe des Abends bekam man nämlich alle der zehn Songs der Platte serviert. Aber der Reihe nach. Denn vor den Hauptact hat der Veranstalter in der Regel eine Vorgruppe gepackt.

 

Diese war in diesem Fall keine Gruppe, sondern nur ein einzelner Musiker. Philip Bölter war sein Name. Seines Zeichens Singer/Songwriter der alten Schule, dem auch die Begriffe Folk, Blues und Classic Rock nicht fremd sind und der nebenbei auch noch ein toller Gitarrist ist. Vor ein paar Jahren machte er mal beim Casting-Format „The Voice of Germany“ mit. Aber das nur am Rande. Denn Bölter ist kein Gesangssternchen, sondern ein gestandener, leidenschaftlicher Musiker, bei dem der DIY-Gedanke eine große Rolle spielt. Ohne Label und Booking-Agentur zieht er durch die Lande und präsentiert seine Musik. Für diese Tour hatten ihn Django 3000 höchstpersönlich eingeladen. Und so gab es 40 Minuten lang seine Kunst. Tolle, meist balladeske Songs. Nur Gesang, Akustikgitarre, Mundharmonika und Stomp-Box. Er hatte was zu erzählen und man konnte ihm gebannt zuhören. Leider machten nicht gerade viele davon Gebrauch und der Geräuschpegel war während des Auftritts recht hoch – allerdings nicht weil das Publikum mitging. Dies verärgerte Philip Bölter ein wenig, was er auch spüren ließ. Zum Ende hin, als die Intensität wahnsinnig anzog und als zur Belohnung fürs Durchhalten eine eigenwillige Coverversion von Led Zeppelin („Whole Lotta Love“) gespielt wurde, waren Augsburg und der Musiker dann doch versöhnt. Man sollte den Herrn im Auge behalten!

Pünktlich um 21.30 Uhr ging es dann mit dem Hauptact los. Mittlerweile war das Spectrum pickepacke voll wie sonst nur selten. Die Vorfreude während der Intromusik des Gypsy-Jazzers Django Reinhardt war groß. Diese entlud sich sofort als die Chiemgauer Bartträger mit dem Titeltrack der aktuellen Platte starteten. Die Tanzmaschine wurde angeworfen und die Gypsy-Disco gestartet. Schon toll, was die Band für einen Granatensound nur mit Akustikgitarre, Kontrabass, Geige und Schlagzeug vorlegt. Erstmals war auch ein Keyboarder mit dabei, um die neuen Songs adäquat umsetzen zu können. Der machte sich aber nicht so stark bemerkbar und der teils etwas komische Sound von „In Sturm“ kam hier wesentlich lebhafter und „wilder“ rüber. „Lem versaut“ und „Dreggade Dog“ rockten unheimlich, „Wenn i geh“ klang noch stimmiger und „Freind“ nahm einen ein. Und etwas wurde man auch mit der Pop-Ballade „Zeit“ versöhnt. Aber nur ein wenig, denn der Song schlug ganz schön aus der Reihe.

Ihren allseits bekannten Smasher „Heidi“ packten Django 3000 fast unauffällig ins erste Drittel des Auftritts. Ein Zeichen großen Selbstbewusstseins? So zeigt man jedenfalls, dass man noch mehr als nur diesen einen Hit im Köcher hat. Die Leute hat’s auch nicht gestört und das Tanzbein wurde durchgehend äußerst ausgelassen geschwungen – ob alte oder neue Nummer. Stimmung war sofort da und es wurden euphorisch die Leiber im Takt gewogen. Man kann aber auch kaum widerstehen, wenn die Band losfetzt. Die Mischung aus flotter Zigeunermusik, Balkan-Flair und bayerischem Eigensinn ist einfach mitreißend. Dabei ist es komplett egal, ob man den süddeutschen Dialekt des Quartetts versteht. Denn Bairisch, ein paar englische Fetzen und ein teilweise etwas osteuropäisch wirkender Zugenschlag ergeben schon fast eine neue Sprache.

Neu auch die Erkenntnis: Pogo tanzen und Crowdsurfing ist zu dieser Musik kein Problem. Hier ist es eben „Wuid und laut“ und das blieb es bis zum Schluss mit Songs wie „Bonaparty“, „Herz wia a Messa“, „Da Wuide & da Deife“, „Shaman“ oder auch „Romale“. Wer da nicht den Gypsy in sich entdeckte, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Es war jedenfalls eine rauschendes, 105 Minuten währendes Fest, das durchgehend Freude machte. Ihrem Ruf eine tolle Liveband zu sein, wurden Django 3000 zu jeder Sekunde gerecht. Sollte man sich mal geben!

 

Setlist Django 3000:
Im Sturm
Danz ums Feia
Lem versaut
Bonaparty
Heidi
Rucki werch
Wenn i geh
Engl & Geier
Zeit
Da Wuide & da Deife
Wuid und laut
Nomoi von vorn
Dreggade Dog
Freind
Ois wos i doa mog
Drum & Bass
I leb ewig
Gib ma Flügl
Herz wie a Messa
Shaman

Zeit fia ois
Romale
Gypsy in me