Ein erneuter Abend in einer unserer absoluten Lieblingslocations, dem Skater’s Palace zu Münster. Heute sind wir für Dave Hause inklusive Full-Band The Mermaid angereist. Support kommt einmal von Walter Schreifels‘ neuer Kapelle (ja, DER Walter Schreifels) Dead Heavens und von Singer/Songwriter Robyn G. Shields.

Letzterer ist schon mitten in seinem Set, als wir den Palace betreten. Das Konzert findet in der großen Halle statt und nicht, wie von uns zunächst vermutet, im kleinen Café. Das macht sich bemerkbar, ist doch durchaus gut Platz vorhanden. Hause schafft es (noch) nicht, die große Halle auszuverkaufen, das Café wäre aber grob geschätzt tatsächlich viel zu klein für die Gästezahl gewesen. Also alles richtig gemacht.

Shields’s Songs sind extrem ruhig, häufig lediglich leises Fingerpicking auf seiner Gibson Hummingbird und gefühlvoller Gesang. Auf einem gemütlichen, kleinen Festival oder auf kleinerer Bühne eine gute Sache, in dieser großen Halle leider deplatziert. Denn hier zeigt sich das Publikum von seiner hässlichen Seite. Blaaablaaablaaa, Räusper Räusper, Laberlaberlaber, Tuscheltuschel. Ein Problem, das auch schon beim fantastischen Will Varley vor ein paar Monaten bestand, der seinerseits Frank Turner hier supportete. Warum man im Publikum nicht die Klappe halten kann, wenn dort ein ruhiger Act performt, ist mir nach wie vor ein Rätsel.

Dann kommt Schreifels mit seiner 2015 gegründeten, neuen Band Dead Heavens. Und zwei Dinge werden sofort deutlich: 1. Den guten Walter erkennt man kaum wieder. Langes, blondes Haar und eine Körpersprache, die an die Glamrock-Szene des Sunset Strips der späten 80er erinnert. 2. Die Musik orientiert sich genau an dieser glamourösen Epoche der Rock-Geschichte. Straighter Blues Rock mit Glamour-Einschlag, Rock’n’Roll, Wah-Wahs und Rockstar-Posing. Für mich ein wenig befremdlich. Die Songs berühren mich so gar nicht. Auch wenn ich objektiv konstatieren muss, dass die Truppe technisch auf absolut höchstem Niveau unterwegs ist. Das ganze Konzept funktioniert 1A. Bleibt nur die Frage, ob einem dieses Konzept dann auch liegt oder nicht. Das Publikum ist sichtlich begeistert von der Show, das ist doch was Schönes. Mich persönlich lässt das ganze so kalt wie ein Metallgeländer in Alaska.

Nun aber zum Hauptact des Abends. Dave Hause mit Band The Mermaid werden schon beim Betreten der Bühne frenetisch gefeiert. Zum ersten mal ist der The Loved Ones-Frontmann mit einer ganzen Band im Gepäck auf Tour. In Deutschland kann er auf viel Support und Sympathie zurückblicken. Und das hat der kleine Mann aus Philadelphia nicht vergessen und kündigt an, dass er sich vorgenommen hat, über die Dauer der gesamten Deutschlandtour seinen gesamten Backkatalog durchzuspielen. Das Ergebnis ist tatsächlich eine gute und ausgewogene Mischung aus altem und neuem Material, wobei gerade die älteren Songs durch das Arrangement mit Band ein neues Klanggewand erhalten. An mehreren Stellen im Set springt Hause von der Bühne und klettert auf den Wellenbrecher vor der ersten Reihe und wird jedes Mal begeistert vom Publikum empfangen. Es wird ganz offensichtlich, dass der Punkrocker sich auf den hiesigen Bühnen pudelwohl fühlt. Die Fans danken es gen Ende der Show mit Dave Hause-Shouts aus denen dieser rührend versucht Tim Hause-Shouts zu Ehren seines kleinen, aber größeren Bruders zu machen.

Am Ende lässt sich feststellen: Dave Hause und Deutschland-Konzerte sind eine Lovestory, an der es immer wieder Spaß macht, teilzunehmen. Wenn alles weiter so gut läuft, kann der kleine Mann aus Philly vielleicht in Zukunft auch die große Halle im Palace ausverkaufen. Wir würden es ihm wünschen.

 

Dead Heavens & Dave Hause im Skater’s Palace in Münster am 04.03.2017

Fotos: honeymilk.de | www.facebook.com/honeymilkphotography | www.instagram.com/nicohonigmilch

Text: Björn

Bjoern