Das neue Album von De Staat startet erst einmal mit einer fetten Überraschung – sofern man den Track nicht bisher schon als Vorab-Teaser wahrgenommen hat. Waren die Holländer um Sänger und Bandgründer Torre Florim als schräge, aber intensive Alternative-Rock-Band für den außergewöhnlichen Geschmack bekannt, scheint man nun fast den Weg zu gehen, in den sich Muse schon vor Jahren verirrt haben: weg von lauten Gitarren, hin zu Tanzboden-kompatiblen Elektronik-Sounds und Grooves. Im Unterschied zu den Engländern klingen De Staat dabei aber stets wie eine Rockband – frei von Theatralik und versehen mit viel Abgründigkeit.

„Kitty Kitty“ lebt von einem vorantreibenden Bass-/Schlagzeug-Beat (die beiden Herren Jop van Summeren und Tim van Delft sind auch im weiteren Verlauf der Platte äußerst präsent), einem synthetischen, kalten Flair und sprechgesangartigen Vocals und weigert sich anfangs standhaft wirklich ins Ohr zu gehen, kescht einen aber dann noch mit einem Hauch Dramatik. Tja, das sind sie wohl die neuen De Staat. Auch im weiteren Verlauf trägt man ganz selbstbewusst den neuen Sound spazieren, die Ergebnisse sind allerdings im Falle vom lässig groovenden „Fake It Till You Make It“ oder der dem mit 80er-Synthie-Pop versetzten „I Wrote That Code“ schneller zu knacken.

Was geblieben ist, ist die textliche Aufmüpfigkeit. Florim singt mit Inbrunst und Energie in der Brust lebhaft gegen Fake News und Filterblasen an. Musikalisch geht man auf „Bubble Gum“ nur etwas neue Wege, denn so wirklich verändert hat sich unter der Oberfläche nicht so viel, was letztlich auch „Mona Lisa“ zeigt, welches im gewohnten Alternative-Format daherkommt und nur klanglich etwas aufgepeppt wurde. Nebenbei ein ziemlich cooler, eingängiger Song mit dezent verrückter Zirkus-Atmosphäre.

Man lässt sich aber nicht nur von beständigen Bassschleifen treiben oder schwingt mit der Faust in der Luft das Tanzbein, was zumindest einmal ins fast schon peinliche kippt („Pikachu“). Nein, De Staat können auch anders. Auch wenn „Phoenix“ einen immer wieder mit kratzenden Synthies weckt, ist die Nummer doch im Kern eine beschauliche Ballade, genauso wie „Luther“, welches das Album standesgemäß abschließt. Kurz davor legt man mit dem Lovesong „Tie Me Down“ ein schickes Duett mit der Sängerin Lewten aufs Parkett, das zu den Highlights dieses spannendem Albums gehört.

„Bubble Gum“ ist frisch, „Bubble Gum“ ist anders und „Bubble Gum“ ist schon cool, wenn man sich erst einmal darauf einlassen kann. Definitiv kein Album das man nicht einfach nur so „okay“ finden wird. Und genau das möchte die Band auch, die sich damit selbst herausfordert, damit man weiter spannend bleibt. Und das ist De Staat gelungen, egal ob man das Endergebnis nun beklatschen mag oder nicht.

 

Trackliste:
1. Kitty Kitty
2. Fake It Till You Make It
3. Mona Lisa
4. I’m Out Of Your Mind
5. Pikachu
6. Phoenix
7. Level Up
8. Me Time
9. Tie Me Down
10. I Wrote That Code
11. Luther

 

De Staat - Bubble Gum (Caroline/Universal Music, 18.01.2019)
3.8Gesamtwertung