Die Japaner haben gehörig einen an der Waffel. Das beweist mal wieder dieses seltsame Projekt namens Babymetal, an dem man die letzten Monate kaum vorbei kam. Wer käme sonst auf die Idee von kleinen Mädchen gesungenen Teenie-Pop mit hartem, modernem Metal zu kombinieren? Richtig, niemand!

Ergebnis ist Musik, deren Skurrilitätsfaktor schwer zu überbieten ist. Auf der einen Seite stehen drei kleine Mädchen, die in bester J-Pop-Manier ihre lieblichen Liedchen summen, die auf der anderen Seite von harten, groovigen Metalsounds untermalt werden. Da weiß man anfangs gar nicht, ob man darüber lachen oder das Ganze dem musikalischen Sondermüll zuführen soll. Das erste, im letzten Jahr veröffentlichte Album war auch eine seltsame Veranstaltung, zwischen düsteren Krümelmonsterangriffen und rosafarbener Bonbonwelt.

Die drei vermeintlichen Protagonistinnen werden schnell älter und so sollte man zügig nachlegen, will man seinen Skurrilitätsfaktor nicht verlieren. Das geschieht nun mit „Metal Resistance“. Viele meinen ja, das wäre eher ein Widerstand gegen den guten Geschmack. Aber so leicht sollte man es sich nicht machen. Denn die Platte enthält bisweilen gar nicht mal so uninteressante Musik.

Denn die Produzenten hinter Band haben sich hörbar Mühe gegeben, die neuen Stücke nicht ganz so überdreht und penetrant zu gestalten. Auf die Kacke gehauen wird natürlich weiterhin kräftig. Gleich der Opener „Road to Resistance“ bläst einen mit einem Orkan in bester Dragonforce-Manier um. Da ist man erst einmal geplättet. Richtig nachgegeben wird im Laufe der 54-minüten Spielzeit auch kaum. Heftige Versatzstücke von Death-, Thrash Metal und Metalcore bilden die Grundlage der Songs. Dazu noch elektronische Elemente und symphonische Keyboards aus dem Zauberkasten und immer wieder diese überdrehten Sailer-Moon-Gesänge.

Nervöse Nummern wie „Yava!“, „GJ!“ oder „Awadama Fever“ muss man erst mal abkönnen. Hört man aber genauer hin, muss man eingestehen, dass man sich dieses Mal sogar richtig Mühe gegeben hat und nicht mehr nur eine Gimmick-Band ist. Das Konzept geht dieses Mal ausgefeilter auf und weiß sogar Spaß zu machen. Der verrückte Stilmix hat durchaus etwas für sich und warum nicht mal Songs, die sich anhören wie ein vertonter Bosskampf eines überdrehten japanischen Rollenspiels („Tales oft the Destinies“).

Ja, ich wage zu behaupten: das Album ist nicht scheiße! Damit wird auch bei uns wohl was mit der Eroberung der großen Hallen. Speziell dafür hat man die große, englischsprachige Hymne „The One“ geschrieben.

Und wer mir jetzt mit Trueness oder so kommt… Man gab ja nie vor etwas anderes als ein fremdgesteuertes Retortenprodukt zu sein. Dazu steht man weiterhin. Also doch wieder true…

Babymetal - Metal Resistance

Trackliste:
1. Road Of Resistance
2. Karate
3. Awadama Fever
4. Yava!
5. Amore
6. Meta Taro
7. From Dusk Till Dawn
8. GJ!
9. Sis. Anger
10. No Rain, No Rainbow
11. Tales Of The Destinies
12. The One

Babymetal - Metal Resistance (earMusic, 01.04.2016)
3.5Gesamtwertung