HW-Norman: Die meisten unserer Leser dürften euch noch nicht kennen. Also stellt euch mal kurz vor. Wo kommt ihr her, was macht ihr?

Björn: Also wir sind die Awesome Scampis. Wir spielen Ska-Punk mit sehr viel Party-Attitüde. Uns gibt es seit (Pause) 2008?

Sebastian Gitarre: 2005.

Björn: Aber 2005 war unser erste Bühnenauftritt, deshalb sagen wir uns gibt es seit 2005. Wir legen halt neben der Musik sehr viel Wert auf Entertainment und Show, um einfach zu sagen, wir wollen dem Publikum einen unterhaltsamen Abend bereiten. Sie sollen nicht nur Musik  – also tanzbare Musik hören – sondern auch rausgehen und sagen: wow, wir hatten Spaß. Wir wurden unterhalten. Das ist unser Ziel und unser Konzept.

 

HW-Tanja: Ihr seid also eine echte Live-Band

Björn: Ja, genau. Wie bei Ska-Punk üblich funktionieren wir auf CD so mittelmäßig gut. Um es wirklich zu erleben, muß man es live sehen. Das ist was völlig anderes als auf CD.

 

HW-Norman: Wir haben uns ja beim „Rock am Beckenrand“ kennengelernt. Da ist euch das mit dem Entertainment ziemlich gut gelungen. Ich habe gelesen, ihr habt eine eigenen Bustour dahin organisiert, mit Freunden und Bekannten. Kann man sagen, dass es ein Stück weit ein Highlight eurer Bandgeschichte war bislang?

Björn: Auf jeden Fall. Erstmal auch mit den ganzen anderen Bands, mit denen wir da zusammengespielt haben war ein großes  Highlight für uns. Und auch zusagen, okay, wir machen einen Schritt und mieten einen Bus für 40 Leute und fahren dann halt mit Freunden und Bekannten, aber auch Fans. Es waren nicht nur Freunden und Bekannte, es waren auch viele Fans dabei, mit denen wir sonst privat eigentlich nichts zu tun haben, die uns aber regelmäßig folgen. Die sind auch mitgekommen.

Sebastian Gitarre: Es überhaupt mal interessant zu sehen, dass wir soviele Fans haben (Gelächter), dass wir einen ganzen Bus vollkriegen.

Björn: Ja, da haben wir schonmal mehr Locations vollgekriegt, aber ein ganzes Wochenende mitzukommen auf ein Festival – das ist nunmal deutlich zeitintensiver als mal so einen Abend vorbeikommen.

 

HW-Norman: Da waren also auch Leute dabei, die ihr vorher überhaupt gar nicht kanntet?

Björn: Die Gesichter haben wir schonmal gesehen. Aber kennen würde ich jetzt nicht sagen. Man hat sie halt schonmal auf 1-2 Konzerte gesehen. Aber kennen jetzt, nein. Die haben dann aber dafür kennengelernt. Das war aber das schöne an dieser Bustour, dass man nachher halt rausgegangen ist und man hatte mit allen so ein tolles harmonisches Wochenende, dass man sich dann näher kennengelernt hat und dass ein paar Freundschaften auch daraus entstanden sind. Eine Person – das war ganz nett – die kam ursprünglich aus Hamburg und wollte mit ihren Freunden dahin. Die sind dann aber alle abgesprungen. Und da haben wir halt gesehen, dass sie in der „Rock am Beckenrand“-Gruppe gefragt hat, okay: mir sind alle Leute abgesprungen, nimmt mich irgendein Camp auf? Da haben wir gesagt: Ja, komm sofort zu uns, wir sind soviele Leute und die sind jetzt auch Ende Oktober bei uns zu Besuch und gucken sich ein Konzert an und übernachten dann bei uns. Und ja, ist dann halt eine Freundschaft daraus geworden.

HW-Tanja: Also, Musik verbindet.

Björn: Ja, absolut. Musik und auch die ganze Party dahinter. Gerade der Party-Faktor dahinter ist einfach sehr wichtig.

 

HW-Norman: Schöne Geschichte. Beim „Rock am Beckenrand“ hattet ihr eigentlich auch einen sehr attraktiven Slot. Ihr habt um 18:30 auf der Pool-Stage gespielt, direkt vor Massendefekt. Man hat gesehen, es war gut voll vor eurer Bühne. Man konnte es auch auf dem Foto vom Sprungturm gut erkennen. Wie war das denn für euch? Habt ihr das eigentlich so realisiert auf der Bühne?

Björn: Ja, was wir regelmässig wahrnehmen ist, wenn wir bei solchen Festivals spielen – ähnlich war es zum Beispiel beim Esel-Rock in Wesel – wir merken halt immer, wenn wir irgendwo spielen, wo man uns nicht so kennt, wird es halt immer voller. Also die Leute hören die Musik, mus wohl interessant klingen, und dann wird es voller. Die meisten Leute kommen dazu und gehen nicht wieder weg. So erleben wir das halt immer und natürlich ist es mega, wenn die Leute dann halt mitfeiern, bei den ganzen Animationen mitmachen und wenn man einfach  merkt, unsere Witze funktionieren und die Leute haben Spaß. Das ist immer großartig.

Sebastian Gitarre: Auf jeden Fall besser, als wenn es leerer wird. (Gelächter)

 

HW-Tanja: Habt ihr das auch schon geschafft? Habt ihr schon einen Saal leergespielt?

Sebastian Gitarre: Das haben gerade in unseren Anfängen sicherlich auch schon gehabt.

Björn: Bei unserem Betontod-Auftritt hatten wir das gehabt.

Sebastian Gitarre: Das war nicht so kompatibel, glaube ich.

Sebastian Trompete: Wie war das noch? 19 Uhr fangen wir an und auf den Karten stand 20 Uhr Beginn der Veranstaltung. (Gelächter) Ja, so war das ungefähr.

HW-Tanja: Hmm, aber Betontod ist ja auch eine andere Welt.

Björn: Total. Also die Sängerin von gerade (Petra Pan, Du Idiot) ist gut mit Betontod befreundet und die hat uns da rein gebracht und es war so eine Art Betontod-Festival. Ich weiß auch nicht mehr, ob die da so ein Jubiläum gefeiert haben.

Sebastian Gitarre: Das war eine Weihnachtsfeier.

Björn: Ja, das war eine Weihnachtsfeier von Betontod, da konnten wir halt da spielen.

Sebastian Gitarre: Zu Zeiten, als sie noch in der Phillipshalle gespielt haben. Die haben doch jetzt so eine Riesenhalle vollgemacht mit ihrer Weihnachtsfeier

Björn: (lacht) Jedenfalls waren wir die einzige Bands, die ansatzweise mit Melodien arbeitet. (lacht) Nein, das will ich so nicht sagen. (Gelächter) Das schon halt, das Publikum war schon sehr auf Hymnenpunk aus. Da hatten wir halt überhaupt keine Chance da irgendwie zu punkten. Das ging halt so in die Richtung des drei-Akkorde-Punks und da haben wir halt überhaupt nicht zu gepasst.

Sebastian Gitarre: Wir haben zu Essen und zu Trinken gekriegt und hatten dennoch einen netten Abend – alles gut!

Björn: Nein, also wir passen am besten in ein Publikum was super gemischt ist. Was wir bei vielen Konzerten auch beobachtet haben ist, dass wir auch durch alle Altersklassen funktionieren – von ganz jung bis ja….weiß ich nicht… wo wir mal gespielt haben mit El Bosso und die Skadiolas

Sebastian Posaune: Also Fachpublikum.

Björn: Da war Publikum ausschließlich 40 aufwärts und die hatten alle super viel Spaß mit uns und wir haben auch super Feedback gekriegt.

Sebastian Gitarre: Also das beste Feedback an diesem Abend war irgend so ein alter Ska-Punker – der sagte dann so: “Ich dachte, junge Leute machen nur Scheiße! Aber ihr habt mir echt gut gefallen”. (Gelächter)

HW-Norman: (lacht) Das ist natürlich klasse.

Björn: Und gerade bei Festivals funktioniert es super. Auch Esel-Rock hat super funktioniert, da war eine Mords-Stimmung. Diese Massendynamik hat halt super funktioniert.

HW-Tanja: Ja, insbesondere Festival-Publikum ist häufig offen neuem gegenüber.

Björn: Ja, genau.

 

HW-Norman: Dann wart ihr auch im Vorprogramm der Mad Caddies. Das passt natürlich thematisch gut zueinander. Wie kam das zustande?

Björn:  Also, es war auch ein Highlight. Und auch eine witzige Geschichte: Also die Mad Caddies und Reel Big Fish sind so Bands, die mich eigentlich zu dieser Musik gebracht haben. Irgendwann habe ich gesehen, Reel Big Fish spielt im FZW und Mad Caddies haben eigentlich zwei Wochen davor gespielt. Ich wollte eigentlich – weil es meine Band Nummer eins ist – mit Reel Big Fish zusammenspielen. Hab dann das FZW einfach mal angeschrieben, um mich für einen Support-Slot zu bewerben. Haben gesagt: Nee, Reel Big Fish bringen immer eigene Vorbands mit. Aber wir können euch mit den Mad Caddies zusammenbringen. Dann haben wir gesagt: okay, nehmen wir auch! Und so haben wir dann mit denen zusammengespielt. Einfach mal beim FZW beworben – und wie gesagt, das natürlich auch ein Traum, mit Mad Caddies zusammen zu spielen, weil die uns auch sehr beeinflusst haben in der Musik. Und dann im großen Saal im FZW zu spielen in Dortmund – gut, als wir gespielt haben, war es erst zul dreiviertel voll und das ist schon mega beeindruckend und auch da konnte wir mega viele Leute beeindrucken. Vielen haben uns auch bis dahin gesehen und wieder vergessen. Die haben dann gesagt: hey, wir haben euch schon vor Jahren mit Rantanplan zusammen gesehen und war super und waren überrascht uns da zu sehen. Das hat dann auch gefallen.

HW-Norman: Und wie war der Kontakt mit den Mad Caddies? Wie haben die auf euch reagiert?

Björn: Eigentlich relativ wenig.

Sebastian Trompete: War doch super nett.

Björn: Also ich hatte persönlich relativ wenig mit denen gesprochen – ich war aber auch die ganze Zeit unterwegs.

Sebastian Posaune: Also ich hatte mit denen noch ein wenig gequatscht. Ich war da eigentlich auf dem Deichbrand-Festival, bin dann extra für diesen Gig zurückgekommen und hab dann noch ein wenig mit dem Posaunisten gequatscht. Hab ihm gesagt, wir sehen uns dann morgen auf dem Deichbrand-Festival wieder. Bin dann am selben Abend wieder hochgefahren und am nächsten morgen haben wir uns dann da gewunken.

HW-Tanja: Welches Jahr war das?

Sebastian Gitarre: Muss 2014 gewesen sein.

Björn: Aber genauso wie mit den Mad Caddies hat es jetzt mit Russkaja geklappt. Da spielen wir jetzt am 8. Dezember im FZW mit Russkaja zusammen.

 

HW-Norman: Heute kommt dann die Heimkehr nach Bergkamen, wo ihr eure Anfänge hattet. Was kann man denn für heute abend erwarten?

Björn: Wir haben für heute abend das Set neu zusammengestellt. Um einfach alles aus der Geschichte, was man von uns seit wir das erste mal hier gespielt haben kennt, wieder auf die Bühne zu bringen – in leicht variierter Form. Aber eigentlich ein Best-Of von allen was bisher gemacht haben, plus natürlich die Sachen auf den Festivals funktionieren bringen natürlich auch wieder hierhin mit. Wir auch schon länger nicht mehr hier, haben zuletzt vor rund 2,5 Jahren hier gespielt.

 

HW-Norman: Am Beckenrand habt ihr auch eine Coverversion von “Schrei nach Liebe” gespielt. Wie wichtig ist es euch, hier ein Zeichen gegen rechts zu setzen und was brachte euch dazu?

Björn: Ursprünglich haben wir mal als Band gesagt, wir wollen eigentlich unpolitisch sein, weil wir eigentlich unterhalten wollen und frei von irgendwelchen Aussagen haben wollen. Aber gerade in den letzten Jahren, vor dem Hintergrund mit der AfD und dem ganzen Rechtspopulismus der aufkommt, war es uns schon wichtig, es wieder aufzugreifen. Zwar nicht so mega offensiv, ich meine “Schrei nach Liebe” ist ein Klassiker. Aber das Thema auf jeden Fall aufzugreifen ist mir persönlich schon wichtig, um auch immer wieder daran zu erinnern. Deshalb beziehen wir den Song halt immer auf Frauke Petry im Moment, wobei….

Sebastian Posaune: Die Blauen!

HW-Norman: Laut Facebook die Blauen Bundesverband, die Blauen sind ja die richtigen Blauen.

Sebastian Posaune: Die sollen sich mal schön aufspalten, in möglichst viele.

Sebastian Gitarre: In den ganzen Regenbogen am Besten. (Gelächter)

Sebastian Posaune:  Unter 5 % und dann ist alles wieder gut.

Björn: Das wird sich regeln, aber ist dennoch absolut besorgniserregend gewesen, eine Zeit lang.

 

HW-Norman: Okay, kommen wir mal zu eurer Platte. Ich habe gelesen euer letztes Album “Sondervorstellung” ist schon 2014 erschienen. Ist denn bereits ein Nachfolger in Arbeit?

Björn:  Ja! Noch nicht in Aufnahme. Aber wir schreiben fleißig dran. Also, gerade die letzten 2-3 Jahre kamen wir wenig zum Schreiben. Klar, mit acht Leuten unterwegs zu sein, Konzerte zu spielen, erfordert auch immer viel zu Proben und da kamen wir auch sehr wenig dazu neue Sachen zu schreiben. Aber jetzt sind wir so weit, dass wir sagen: Jetzt ist die Zeit reif für ein neues Album und wir schreiben fleißig daran. Viel verraten kann ich noch nicht. Da sind noch viele Sachen in der Mache und in der Arbeit. Wir bleiben unserem Stil auf jedem Fall treu – es wird auch definitiv eine Weiterentwicklung sein.

HW-Norman: Schön, da ich mal darauf gespannt.

Björn: Vor allem textlich wird sich halt einiges tun. Da wollen wir ein wenig weg von vor allem  dem ersten Album (Anmerkung Redaktion: Bäm aus 2009). Sondervorstellung hatte auch textlich einige neuere Sachen, die ein wenig anspruchsvoller – also anspruchsvoller entgegen dem ersten Album waren. Bei dem nächsten Album wollen wir wirklich hier und da was sagen.

Sebastian Gitarre: Jetzt kündigst Du aber Sachen an. (Gelächter)

Björn: Ja, schreib mal Songs. (lacht) (Gelächter)

Sebastian Trompete: Da ist der Druck natürlich direkt groß.

Björn: In eineinhalb Jahren habt ihr das eh wieder alle vergessen.

Sebastian Gitarre: Beim letzten Album haben wir immer in regelmäßigen Abständen gesagt, das Album kommt im Herbst. Das haben wir so drei Jahren lang immer so gesagt. Und am Ende haben wir recht behalten. Am Ende war es dann Herbst 2014.

Sebastian Trompete: Schon seit einem Vierteljahr fertig, aber wir haben gewartet bis Herbst ist.

Sebastian Gitarre: Also ich würde jetzt sagen und mich weit aus dem Fenster lehnen und sagen: Das neue Album kommt im Frühling.

Björn: Ja, es ist generell schwierig vernünftige Sachen auf Deutsch zu schreiben. Auf Englisch kannst Du alles schreiben und es klingt immer gut. Aber auf Deutsch musst dann schon inhaltlich irgendwo ein Anspruch sein, der einigermaßen was aussagt.

Sebastian Gitarre: Die Grammatik sollte auch stimmen.

Björn: Es muss dann auch noch den Zeitgeist irgendwie treffen. Die Jugendsprache irgendwie treffen – diesen Spagat – mit Dreibein – ist dann halt nicht so wirklich einfach.

Sebastian Gitarre: Dann ist dann auch der Wille da, keinen Scheiß abzuliefern.

 

HW-Tanja: Wer schreibt dann die Texte? Seid ihr alle daran beteiligt? Oder habt ihr da welche, die Vorreiter sind?

Björn: Im Moment sitzen zwei Sebastians und ich ziemlich viel zusammen – also Trompete, Posaune und ich. Musik sind dann alle daran beteiligt – also jeder schreibt dann für sein Instrument die Sachen. Das ergänzt sich dann gut, jeder bringt dann seine bevorzugten Stile und Einflüsse mit durch die Sachen, die er privat gerne hört. Am Ende fügt es sich dann doch immer zu unserem Sound zusammen.

 

HW-Norman: Wo wir gerade beim Thema Texte sind. Wenn ich auf ein Festival fahre, bereite ich mich immer ein bisschen vor und versuche mich per Youtube in die Bands reinzuhören. Das erste was von euch fand, war “Tauben vergiften”. Meine Tochter stand daneben und wir fragten uns: “Wie kommt man auf sowas”. Daher die Frage: Wie kommt man auf sowas?

Björn: Tauben vergiften ist eine Anlehnung und eine Verbeugung – eine sehr große Verbeugung – vor Georg Kreissler. Der hat das Original, ein Chansson aus den Fünfzigerjahren von Georg Kreissler, ein österreichischer Songwriter. Es gibt auch eine Version von einem New-Yorker, Tom Lehrer, der praktisch den gleichen Song im gleichen Jahr veröffentlicht – nur auf Englisch. Die beiden zoffen sich noch immer, wer den Original-Song geschrieben hat.

Sebastian Trompete: Mittlerweile sind die aber gestorben.

Björn: Ja. Aber sie haben sich halt gezofft, wer den Song zuerst hatte. Von Georg Kreissler war ich ein relativ großer Fan, weil er schon in den Fünfzigerjahren so bissige Texte geschrieben hat.

Björn: Eine geupdate Version vom Text her zu bringen war für uns reizvoll.

HW-Norman: Klasse

Björn: Und es funktioniert, weil die Leute lieben den Song. Das ist halt einer, den wir immer spielen müssen und den wir auch jedes mal gespielt haben. Der funktioniert super.

HW-Tanja: In dem Moment, wo man den das erste mal hört, hat man so einen Aha-Effekt

Björn: Dieser Kontrast auch von etwas, was so absurd ist und trotzdem ein romantisch ist. Dieser Kontrast ist halt mega.

Sebastian Gitarre: Ich habe die Musik zu dem Lied geschrieben. Im Prinzip kann man sagen, es ist eine Mischung aus dem Lied von Georg Kreissler und Queens of the Stone Age. Also das war was ich rauf und runter gehört habe zu der Zeit. In der Zeit war ich auch gerade erst zur Band hinzugekommen, damals noch als Ersatzgitarrist vom meinem Vorgänger. Ich hatte dann so eine Idee und das klang alles sehr nach Queens of The Stone Age, was ich mir da ausgedacht hatte. Und dann war das – was Du schon gesagt hattest – Bordoneo …. Jeder schmeißt so eine Idee in die Band und jeder trägt so seinen Teil dazu bei, dass es am Ende nach Scampis klingt. Dadurch kann man dann Georg Kreissler und Josh Homme kombinieren.

Björn: Wir haben da sogar einen Fachbegriff für: Wir nennen das scampifizieren. (Gelächter) – auch wenn wir Songs covern: wir spielen nicht 1:1 nach – wir scampifizieren den, da kommt dann halt unsere Version dabei raus.

 

HW-Norman: Dann natürlich die Frage, die kommen muß: Wie kommt “Dau Dau” zustande? (Gelächter) Das war nämlich das zweite Video, was ich gefunde habe und damit hatte ihr mich dann völlig.

Björn: Mehr haben wir auch nicht. (Gelächter)

Sebastian Gitarre: Also dieser Song wurde tatsächlich schneller geschrieben, als er lang ist. (Gelächter)

HW-Tanja: Das glaube ich sofort. Der Text ist ja auch recht simpel.

Björn: Also die Geschichte war einfach so: wir waren im Proberaum und es war einer der ersten Proben, die wir im neuen Proberaum hatten. Unser Keybourder hat angefangen mit den Akkorden und plötzlich – also er hat die Akkordfolge einmal durchgespielt und alle haben gleichzeitig eingesetzt und los gelegt und er (zeigt auf Sebastian Posaune) rannte zum Mikrofon hat angefangen diesen “Text” einzusingen. (Gelächter) Wir haben uns danach angeguckt und uns gefragt: Was ist hier gerade passiert? Es war gut, es hat uns gefallen in dem Moment. Wir haben dann gesagt, das nächste Konzert was anstand, war ein Konzert in Wuppertal. Wir haben uns dann einfach mal den Spaß daraus gemacht, komm wir spielen mal. Mal gucken wie die darauf reagieren und was passiert. Tatsächlich mussten wir an diesem Abend den Song dreimal spielen. Weil die den so gefeiert haben. Dann haben wir uns gesagt, okay, irgendwas muss dran sein, dass es funktioniert und den Leuten gefällt. Wir können halt seitdem nicht von der Bühne gehen, ohne das wir den  gespielt zu haben.

Sebastian Gitarre: Soviel zu “wir wollen was sagen, mit unseren Texten”. (Gelächter)

HW-Tanja: Ja, anspruchsvoll ist gut, aber manchmal muß man halt einfach nur Spaß haben.

Björn: Das Schöne ist, es gibt soviele Leute, die versuchen noch irgendwas darein zu interpretieren.

Sebastian Trompete: Wir haben uns irgendwann gesagt: Das ist erstmal die Rohversion, dann kommt noch der Text und so. Und dann waren wir einfach faul und haben gesagt: wir lassen es jetzt einfach so. (Gelächter)

Sebastian Posaune: Wir finden so im Nachhinein immer raus, die Bedeutung von Dau in anderen Sprachen.

Björn: Von “dümmester anzunehmender User” auf Deutsch – ja, gibts halt bis halt Schwertweg und Ziel im asiatischen Raum.

Sebastian Trompete: Mir hat jemand gesagt, es wäre Chinesisch.

Björn: Aber wir lassen es bei einem großen Geheimnis, was es wirklich für uns bedeutet. (Gelächter)

HW-Tanja: Vielleicht findet ihr es ja nochmal heraus.

 

HW-Norman: Ja, und wann kam die Maske dazu?

Björn: Die Maske ist eigentlich so entstanden, da gibt es auch eine Geschichte dahinter.

Sebastian Gitarre: Die interessiert mich jetzt auch.

Björn: Ursprünglich hast Du (zeigt auf Sebastian Posaune) ja keine Maske getragen. Das war so: Also, in Wuppertal haben wir schon gesagt, der Song ist so schlecht, der ist mir peinlich, ich setz mir eine Papiertüte auf, damit man mich nicht erkennt. Und das hat sich halt weiterentwickelt. Kurz danach hast Du dir deine Maske besorgt, dann stand ich mit der Papiertüte ziemlich dumm da.

Sebastian Posaune: Ich weiß noch, wie wir bei Ebay nach der hässlichsten Wrestler-Maske gesucht haben. (Gelächter)

Björn: Und die Wrestling-Maske kommt tatsächlich aus Mexiko.

Sebastian Posaune: Und die ist auch tatsächlich noch im Einsatz – die erste und einzige.

Sebastian Gitarre: Die zweite hast Du für andere Sachen. (Gelächter) (zeigt auf Plakat an der Wand)

HW-Norman: Das müssen wir jetzt abfotografieren, damit man das versteht

Sebastian Gitarre: Er kommt ab und zu mit Textvorschlägen oder Liedvorschlägen an und ja sagen wir mal so, alle die wir nicht haben wollten, hat er dann mit diesem Projekt an den Mann gebracht und er hat dann den Saal leer gespielt.

HW-Tanja: Das war dann der Ausschuss.

Sebastian Trompete: Er war auch alleine mit einem Keyboard, dass muss man dazu sagen.

Sebastian Gitarre: Das ist natürlich ein Qualitätsmerkmal.

 

HW-Norman: Letzte Frage: Ihr seid in euren Videos auch sehr kreativ unterwegs, nicht nur bei “Dau dau” auch bei “Tauben vergiften” . Wie setzt ihr das um ? Von der Idee bis zur entgültigen Umsetzung. Wie lange dauert das? Wer ist daran beteiligt? Wie kriegt ihr das hin?

Björn: Also, Videos führe ich grundsätzlich Regie, weil ich das tatsächlich mal gelernt habe . Also, ich bin ausgebildeter Mediengestalter Bild und Ton. Deshalb habe ich da auch total viel Spaß daran. Es ist für mich immer schwierig, gleichzeitig vor und hinter der Kamera zu sein. Deshalb haben wir bisher auch immer Videos gemacht, die von der Komplexität her halt einfacher sind, damit ich halt beides machen kann. Bei „Dau Dau“ war es so, da wollten mir möglichst viel Random Shit aneinanderreihen wie möglich. Was dann auch im Internet auch gut funktioniert hat. Wir kamen ziemlich schnell, als wir das veröffentlich haben, in diesen ganzen Spaß-Portale, die das dann gestreut haben. So kamen wir dann…

Sebastian Gitarre: Postillon war es sogar.

Björn: Ja, auch Postillon hat uns verlinkt. Und so kamen wir in wenigen Tagen auf über 50.000 Klicks. Das war ganz gut und wir haben uns natürlich bewusst dazu entschieden das so zu produzieren, dass es halt in diese ganzen Portale reinkommt. Es ist dazu prädistiniert. Ja – und „Tauben vergiften“ – ich habe halt Spaß daran gehabt, bestimmte Effekte auszuprobieren, also mit der Kameratechnik ein wenig zu spielen. Wir haben den Song auf 30%ige Geschwindigkeit ablaufen lassen…

Sebastian Gitarre: So sind wir auf eine Viertelstunde gekommen.

Björn: Den Originalsong in 30%ige Geschwindigkeit, da haben wir uns dann zu gefilmt und dazu dann 30%ige Geschwindigkeit Playback gesungen und das dann halt in entsprechender Geschwindigkeit schneller ablaufen lassen, damit es wieder syncron ist. Ja, es war halt mega ansprengend, da eine Viertelstunde lang zu performen und da wirklich so Gas zu geben zu einem Lied und das so langsam – weil man muss halt immer hören und denken, wo ist man gerade und in 30%iger Geschwindigkeit ist es so, dass man nichts mehr versteht. Das war halt mega langsam.

Sebastian Gitarre: Also ich hatte zwei Wochen Muskelkater. Also der Effekt ist eben auch dann besonders gut, wenn man besonders ausschweifende Bewegungen macht und das hinterher wieder schneller ablaufen zu lassen.

Björn: Sieht ein bisschen aus wie Stop-Motion einfach

Sebastian Gitarre: Das sieht dann halt viel besser aus. Wir haben glaube ich fünf oder sechs Takes gemacht.

Björn: Ich glaube, der siebte war der, den wir genommen haben. Das war dann halt dementsprechend 15 Minuten mal 7 wirklich Vollgas geben. Das war schon hart.

Sebastian Gitarre: Das Hauptproblem war zwischendurch unsere Klamotten in den Drehpausen trocknen zu lassen, weil die so vollgeschwitzt waren. Aber es hat irgendwie geklappt. Man hat es hinterher nicht gesehen, wie vollgeschwitzt die waren.

Björn: Es ist auch bei jeden Take noch eine Idee mehr dazugekommen und noch mehr. Wir haben uns gesagt, wir setzen da jetzt noch einen darauf und es hat auch mega viel Spaß gemacht. Musikvideos werden wir auch zum nächsten Album wieder drehen, wenn es soweit ist.

Sebastian Gitarre: One-Take machen wir eher nicht.

Björn: Nein, wahrscheinlich nicht vor allem nicht so.

 

HW-Tanja: Ihr seid eigentlich ziemlich viele Leute. Wie kompensiert ihr das, wenn mal einer nicht kann. Ihr habt ja schließlich alle normale Jobs.

Björn: Bei Proben oder Konzerten.

HW-Tanja: Bei Konzerten. Heute habt ihr das ja auch – wie kompensiert ihr das?

Björn: Also, gar nicht. Unser Keyboarder ist der einzige, wo wir sagen können, wenn er nicht da ist, können wir trotzdem auftreten. Bei allen anderen haben wir es mal versucht. Okay, bei Gitarre geht es auch, da haben wir inzwischen auch zwei – das war lange nicht so.  Wir haben es versucht, es ist halt nicht das Erlebnis, was wir bieten wollen. Dann fehlt halt irgendwie was, sei es vom Humor her, sei es vom Sound her. Wir haben einfach das große Glück, das uns allen die Band so wichtig ist, dass wir uns liebend gerne die Zeit dafür nehmen und freihalten. Auch wenn mal der Geburtstag der Freundin am gleichen Abend stattfindet, oder sonstwas. Gut, dann kriegt man da ein paar Tage böse Blicke. Die meisten Leute haben da aber Verständnis für.

Sebastian Trompete: sie will jetzt ein Foto von mir haben. (Gelächter)

Flo: Sei froh, dass Du nur böse Blicke gekriegt hast. (Gelächter)

HW-Tanja: Musste da etwa jemand auf der Coach schlafen, oder was?

Sebastian Trompete: Nein, so schlimm nicht – es erfordert immer viel Abstimmung bei so vielen Leuten.

Sebastian Gitarre: Es muss heißen, auf der Coach schlafen DÜRFEN. (Gelächter)

Sebastian Trompete: Draußen vor der Tür.

Flo: Da lag schon der Hund.

Sebastian Trompete: (wieder ernst) Nein, man muss halt viel abstimmen und wir sind dann online in unserem Forum ganz gut unterwegs, wenn wir gucken, was wir so an Konzerten spielen im Jahr, schon im halben Jahr im voraus immer planen, wer hat am welchem Wochenende schon was vor und so, die müssen dann geblockt werden.

HW-Tanja: Doodle-Liste?

Sebastian Trompete: Ja, wir haben auch eine Doodle-Liste.

Sebastian Gitarre: Die haben wir schon lange nicht mehr gepflegt.

Björn: Ja, aber Forum funktioniert ja auch so. Also, wir haben für uns bandintern ein Forum aufgesetzt, um alles abzustimmen. Sei es neues Merchandise, neues Design dafür, Termine.

Sebastian Posaune: Alleine zum Abstimmen der wöchentlichen Proben. Das ist eigentlich schon Abstimmungsaufwand.

Sebastain Trompete: Einen Monat im Voraus wird dann aufgeschrieben, wer kann wo.

Björn: Es ist aber auch wieder einfacher geworden, dadurch dass alle wieder hierher in die Region gezogen sind. Ich meine Du (zeigt auf Sebastian Trompete) hast eine zeitlang bei Aachen in Alsdorf gewohnt. Das waren dann immer 2,5 Stunden Fahrt, pro Probe, pro Strecke. Das ist wahnsinn. Jetzt, wo alle irgendwie fest im Job angekommen sind und Studien vorbei sind, ist es auch wieder ein bißchen einfacher geworden.

Sebastian Trompete: Wobei wir auch zwei Leute dabei haben mit Schichtdienst, das ist natürlich auch immer schwierig. Manchmal auch am Wochenende und so. Dann sind die im Einsatz und wenn wir dann Konzerte haben, dann müssen die immer gucken. Muss ich arbeiten oder muss ich mir Urlaub nehmen? Das ist schon nicht so einfach.

Björn: Aber das wir die 15 Jahre, 13 Jahre – wie auch immer,  so durchgezogen haben zeigt einfach nur, wie viel uns allen die Band bedeutet, wieviel Spaß wir daran haben und was für ein Stellenwert es für uns hat, als Hobby – sehr sehr großes Hobby, semiprofessionell.

 

HW-Tanja: Wie viele von euch stammen noch aus der ersten Besetzung?

Björn: Eigentlich, außer Gitarren von uns hier alle. Alex unser Schlagzeuger war von Anfang, wir haben eigentlich nur die Gitarren gewechselt und Bass hat einmal gewechselt.

Sebastian Posaune: Gut, die Orgel war nicht in der Originalbesetzung – die kam irgendwann dazu.

Björn: Aber relativ früh.

Sebastian Posaune: Ende der Aufnahmen vom ersten Album, glaube ich.

Björn: Genau.

 

HW-Tanja: Das ist ja dann ein langer Weg, den man zusammen gegangen ist.

Björn: Absolut. Und ich meine, selbst wenn wir nicht in der Band dabei waren – wir kennen uns seit…?

Sebastian Gitarre: Ich habe beim ersten Konzert mitgesungen, ohne in der Band zu sein.

Björn: Weil wir halt einen Song seiner alten Band gecovert haben.

HW-Norman: Ja, wenn er denn eh schon da war.

Björn: Ja, genau. (Gelächter) Sonst dadurch, dass wir alle auf die gleiche Schule gegangen sind, kennt man sich schon ewig. So ist das eigentlich auch draus entstanden. Wir haben uns alle auf einem Konzert getroffen, von Alfa Boy School, glaube ich – zufällig. Du bist dann rumgelaufen und hast die Leute zusammengeholt. (zu Sebastian Posaune)

Sebastian Posaune: Ja.

Björn: Komm, der kann Trompete spielen, hol den mal dazu. So kam das.

Sebastian Posaune: Der eigentlich geplante Bandname war auch mal anders.

Sebastian Trompete: Ja.

Björn: Das will ich aber nicht im Interview stehen haben. (Gelächter)

HW-Tanja: DAS wird allerdings drinstehen. (Gelächter)

HW-Norman: Okay, wir wären dann damit durch. Schönen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

Björn: Sehr gerne.

 

Besetzung

Gesang: Björn ‚Jay‘ Dargel

Trompete/Gesang: Sebastian Wiese

Posaune/Gesang: Sebastian Gluche

Gitarre/Gesang: Sebastian May

Gitarre: Florian Priefer

Bass: Daniel Ressel

Schlagzeug: Alexander ‚Bomba‘ Baues

Orgel: Benjamin Lindner