Schon abgefahren wenn eine der Lieblingsbands meiner Jugend ausgerechnet in der kleinen Stadt auftreten, wo ich mich vor fünf Jahren nieder gelassen habe… im Ruhrpott war es mir in den dreißig Jahren davor leider nie gelungen, die Abstürzenden Brieftauben live zu sehen.

So ging es also am frühen Samstagabend zum Captain Ahab`s Culture Club in Cuxhaven, wo es dem Team von Punk & Rock Cuxhaven gelungen war, diese bereits seit Monaten ausverkaufte Veranstaltung auf die Beine zu stellen und neben den Abstürzenden Brieftauben noch die Bremer Punk-Rocker von Bad Intention auf die beschauliche Bühne im Rockkeller zu bekommen.

Nach einem herzlichen Empfang durch die Veranstalter Sven & Curry und einem kurzen Backstage-Interview mit Mirco und Olli, die noch ein wenig gezeichnet von den Strapazen der Rock n Roll Butterfahrt auf Helgoland waren, auf welcher sie am Tag davor begeistert abgefeiert worden waren, sollte es auch schon im mit 80 Leuten ausverkauften Rockkeller los gehen und mit den ersten Tönen von Bad Intention begann der absolute Abriss!

Auch wenn ich die drei Bremer vorher nicht kannte, so packten Sie mich und die partyfreudige Watt-Gemeinde ab der ersten Sekunde und gaben – trotz der Tatsache, dass sie sich erstmal an den Bühnen-Sound gewöhnen mussten – direkt Vollgas! Timo, Micha und Björn waren gut aufgelegt und allerspätestens mit den Tönen des Green Day Covers „American Idiot“ hatte das Trio auch die letzten „Vorband-Muffel“ auf ihrer Seite – aus Schunkeln wurde Wippen, aus leichten Bewegungen dann die ersten Pogo-Einlagen des Abends – und man ließ sich die Musik, sowie die schicken Kaltgetränke mehr als gut schmecken!

So schnell wie alles begonnen hatte war nach eine dreiviertel Stunde dann aber leider Schluss und die Jungs hatten den Keller schon einmal ordentlich eingeheizt… also Bad Intention sollte bzw. muss man sich merken!

Nach einer kurzen Umbaupause kam es dann zum Höhepunkt des Abends und neben Schweiß und Astra floss bestimmt die eine oder andere (Freuden)-Träne in den Augen der Alt-Punker zusammen. Denn um kurz nach Neun betraten die Abstürzenden Brieftauben die – recht kleine, aber für zwei Personen mehr als feine – Bühne.

Ich persönlich hatte ja seit beinahe dreißig Jahren auf diesen Moment gewartet und war über mich selbst erstaunt, wie viele Songs noch in meinen Gehirnwindungen verankert geblieben waren und innerhalb von Sekunden wieder abrufbereit zur Verfügung standen!

An die dann folgenden beinahe zwei Stunden kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern, denn durch den gespielten Querschnitt aus über dreißig Jahren Tauben-Songs explodierte der Keller praktisch und lediglich durch die Sprechpausen von Drummer Olli ließ sich die Meute gelegentlich ein wenig beruhigen und den Laden nicht komplett auseinander fliegen. Apropos Sprechpausen, die Ansagen waren so dermaßen geil, dass kein Auge trocken blieb – war es vor Lachen, oder vor sentimentaler Melancholie, die sich spätestens bei der Hymne für den leider viel zu früh verstorbenen Konrad einstellte… wie sagte Sänger Mirco doch so treffend: „Konrad ist nur vor uns gegangen“!

Aber auch Nummern wie „Das kriegen wir schon hin“, „Scheissegal“ oder „Ich mag Buttermilch“ wurden ebenso kollektiv weggepogt wie Polit-Nummern ala „Frauke, halt`s Maul!“ oder „Nie wieder Pegida!“ – die Ekstase kannte an dem Abend quasi wenig Grenzen!

Als es dann noch zum Instrumenten-Tausch kam und Olli mit den Worten „wir sind nicht die Hosen“ den Klassiker „Eisgekühlter Bommerlunder“ einstimmte brachen endgültig alle Dämme und nur mit tatkräftiger Gegenwehr konnte die Erstürmung der Bühne gerade noch so verhindert werden!

Dem kurzen Tausch folgten dann noch unzählige weitere Songs und wie bereits beschrieben flossen Schweiß, Tränen und diverse alkoholische Kaltgetränke in rauen Mengen. Mit dem zwischenzeitlichen Hinweis, dass man eine ungefähre Playliste mit dreißig Songs erstellt hätte kam es zu tumultartigen Szenen im Publikum, da man dort der Meinung war, dass ja bis dahin erst höchsten drei bis fünf Lieder gespielt worden seien… verrückte Welt, aber genauso wie bei Angaben von Biermengen die man bei Partys konsumiert kann man auch bei solchen Fragen durchaus mal ins Wanken geraten! 😉

Da die Brieftauben keinen Bock hatten die Bühne extra für das „wilde Schreien“ nach Zugaben zu verlassen, spielten sie einfach bis zu dem Moment durch, wo sich Mirco und Olli dann auf einmal zufrieden und komplett abgerockt in den Armen lagen und sich gegenseitig zu einen abgefahrenen Gig beglückwünschten!

Somit neigte sich dann – zumindest was die Live-Musik betraf – der Abend so gegen viertel nach Elf dem Ende zu, es sollte aber mit abgefahrener Punk-Mucke aus der Konserve weiter gefeiert werden, was ich mir dann jedoch schenkte, da meine Ohren mittlerweile nicht mehr in der Lage dazu waren – war wohl ein wenig laut, glaube ich!

 

Also Fazit bleibt hängen, dass die Veranstalter von Punk & Rock Cuxhaven und deren Helfer hier ganze Arbeit geleistet und somit den kuturverantwortlichen Menschen in Cuxhaven erneut gezeigt haben, dass man auch ohne deren Unterstützung etwas geiles auf die Beine stellen kann… vielen Dank hierfür und weiter so!

 

Wer die Abstürzenden Brieftauben demnächst noch auf ihrer „Doofgesagte Leben Länger“ Tour begleiten möchte sollte sich die folgenden Termine merken:
27.05.17 Apen, Apen Air
03.06.17 Hamburg, Gott Sei Punk Festival
03.06.17 Peine, Hoehnie Festival
10.06.17 Burg Stargard, “Menschen Sind Menschen” Festival
28.07.17 Herzebrock-Clarholz, Herzerockt Open Air
05.08.17 Hannover, Fährmannsfest
19.08.17 Linkenbach (im Westerwald), Wake Up Festival

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