Yukno ist eine dieser neuen deutschsprachigen Indiebands, die man irgendwann mal auf dem Radar hatte, dann kurz verschwunden sind und urplötzlich wieder auftauchen, weil sie ’ne neue coole Single oder gleich ein ganzes neues Album rausbringen. Dieses Album nennt sich „Ich kenne kein Weekend“. Ich muss gestehen, als ich damals den Titel gehört habe, musste ich kurz schlucken, da dieser Titel eher an MC Fitty und die längst vergessene Generation YOLO erinnert. Aber wenn man weiß, dass sich Yukno mit „Ich kenne kein Weekend“ auf die gleichnamige Installation von Joseph Beys bezieht, und als eine Kritik an der niemals ruhenden, immer arbeitenden Gesellschaft zu verstehen ist, passt der Albumtitel doch ganz gut.

Yukno ist ein Brüder-Duo aus der Steiermark, welches sich mit „Ich kenne kein Weekend“ in die Liga von wirklich guten österreichischen Bands wie Bilderbuch, Granada, Voodoo Jürgens, Wanda usw. katapultiert. Die Künstler sind zwar alle nicht miteinander vergleichbar, doch sie haben durchaus Erfolg und zeigen, dass Musik aus Österreich auf voller Linie überzeugen kann.

Durch etwas Recherche habe ich herausbekommen, dass Yukno früher mal Neodisco hießen und Indie à la Frittenbude, nur mit einfallslosen Texten, gemacht haben. Gott sei Dank haben sich die Brüder weiterentwickelt und singen nicht mehr über Partybitches, die die Beine breit machen. Wahrscheinlich sind sie älter geworden und haben Reife gewonnen, von der Musikkritiker und Künstler immer so schön sprechen.

Man ließ einen Plattendeal mit Sony hinter sich, um als Yukno neue Wege einzugehen, eine Eintscheidung, die man Nikolaus und Georg Nöher hoch anrechnen kann.

Yukno machen wirklich gute Musik, die eher für Freunde des tanzbaren, sphärischen Indiepops mit elektronischen Klängen gemacht ist. Die Jungs von Yukno sind jedenfalls ziemlich sympathisch und können einen auch live überzeugen (s. https://www.handwritten-mag.de/razz-yukno-fzw-dortmund-14-01-18/).

Die Brüder machen Popmusik ohne oberflächliche Texte, man muss oft zweimal hinhören, um sie zu verstehen. Die Songtitel sind einfach, der Inhalt nicht. Hinter „Blut, Mehr, Distanz, Hund…“ stecken aussagekräftige Lyrics, Yukno sind lässig und trotzdem gesellschaftskritisch, wie zum Beispiel in „Mehr“, wo es heißt „die Zeiten sind verrückt und ich bin es auch“. Selbst die schlimmsten Horrorszenarien wie „Halt mir die Waffe an den Kopf, denn der Augenblick ist verlangt, brauch keine Perspektive, brauch nur Liebe“ (Allein), wirken wie das normalste und man blickt der großen Tristesse mit Gleichgültigkeit entgegen. Auch musikalisch können sich Yukno sehen lassen, einige Songs klingen in den letzten Minuten wie Minimal-Techno-Tracks, die auch in einem Boiler-Room-Set laufen könnten. Das Album ist gut produziert, die Mischung aus Pop, Indie und Elektro ist den Brüdern gelungen. Die Stimmen sind ruhig, durchdringend und einfach sehr, sehr schön.

„Ich kennen kein Weekend“ kann man sowohl intensiv als auch nebenbei hören, ist also ein gutes Album. Manchmal fehlt mir allerdings ein bisschen Abwechslung, die Songs ähneln sich schon sehr, einige stechen heraus. Aber so ist das meistens auf Alben.

 

Yukno - Ich kenne kein Weekend (Yukno the Records/Believe, 02.02.2018)
3.8Gesamtwertung