Es läuft bei den britischen Rockern The Struts. Wenn man mal die Gästeliste auf ihrem dritten Album „Strange Days“ betrachtet, sieht man, dass man durchaus an seinem Ruf in der Musikszene gearbeitet hat. Joe Elliott und Phil Collen (Def Leppard), Albert Hammond Jr. (The Strokes), Tom Morello (Rage Against The Machine) und vor allem Robbie Williams sind schließlich bei Leibe keine Unbekannten.

Letzterer eröffnet im Duett mit Luke Spiller die Platte mit dem Titeltrack überraschend mit weichem Piano-Pop. Tut keinem weh, könnte auch eine aussortierte Killers-Nummer sein – und doch führt der Song etwas auf die falsche Fährte. Denn im Vergleich zum zu leichtgängigen Vorgänger „Young & Dangerous“ rockt „Strange Days“ nicht mehr ganz so glatt und teilweise schon fast knarzig. Was nicht heißt, dass die Struts jetzt unter die breitbeinigen Hardrocker gegangen sind (selbst wenn das feurig schleppende „Wild Child“ das suggeriert). Nein, immer noch bietet das Quartett modernen Poprock mit starkem 70er-Glam-Feeling. Allerdings mehr Bay City Rollers als Slade.

Eigentlich haben sie diesen Stil recht glaubwürdig und mit viel Spaß in den Backen ins Hier und Heute überführt, wie Nummern wie es das ironisch anklingende „I Hate How Much I Want You“, „All Dressed Up (With Nowhere To Go)“, das simpel stampfende „Can’t Sleep“ oder das unverschämt eingängige „Another Hit Of The Showmanship“ deutlich zeigen. Alles nicht besonders Tiefgründiges, aber stets mit Sinn für einen „big fast chorus“. Partymucke mit Charme, Musik voller Hedonismus, aber ohne Kater danach, irgendwie.

Selbstverständlich ist nicht alles Gold was hier auf der Platte und glänzt. „Cool“ will vor allem das sein, was der Titel andeutet, ist in der zweiten der viel zu langen sechseinhalb bluesig verspielten Minuten einfach zu inspirationsfrei. Da lässt man sich viel mehr das gemütlich schlendernde „Burn In Down“ mit seinem „Rod Steward meets The Black Crowes“-Feeling oder das schwül schimmernde „Am I Talking To The Champagne (Or Talking To You“) gefallen.

Am Ende wissen The Struts mit „Strange Days“ schon zu unterhalten. Aber es ist irgendwie ein Problem, wenn der größte Hit der Platte eine nicht besonders spannende Interpretation eines alten Kiss-Songs („Do You Love Me“) ist.

 

Trackliste:
1. Strange Days
2. All Dressed Up (With Nowhere To Go)
3. Do You Love Me
4. I Hate How Much I Want You
5. Wild Child
6. Cool
7. Burn It Down
8. Another Hit Of The Showmanship
9. Can`t Sleep
10. Am I Talking To The Champagne (Or Talking To You)

 

 

Photo-Credit: Beth Saravo

 

The Struts - Strange Days (Interscope/Universal Music, 16.10.2020)
3.5Gesamtwertung