An Tagen wie diesen hat man ja unsagbar viel Zeit um mal entspannt in der Vergangenheit zu schwelgen und sich auch musikalisch an Sachen zu erinnern, die einen schon vor einigen vielen Jahre bewegt haben.

Somit ist die zweite Staffel von The Early Days, die unlängst von Unter Schafen Records veröffentlicht wurde, doch quasi ein gefundenes Fressen – denn viele musikrelevanten Themen aus dem Bereich des Post Punk, New Wave, Pop, Britpop und was es da noch so alles von Interesse ist, finden hier in der Compilation-Reihe eine Erwähnung, angelehnt an die erfolgreiche The Early Days-Partyreihe, die monatlich in verschiedenen Städten in der Republik stattfindet.

Besonders angetan bin ich dieses Mal von Nummern wie „Kaltes Klares Wasser“ von Malaria, „A Forest“ von The Cure, „Ceremony“ von New Order oder aber auch von „Girls On Film“ von meiner 80er Lieblingsband Duran Duran.

Wer sich einen Eindruck über den Hintergrund der The Early Days Vol. 2 Compilation machen möchte, sollte erstens reinhören und sich zweitens das Vorwort von Bettina Koster von der Band Malaria anschauen:

 

„Berlin, New York, London, Paris, Bruessel Florenz, Schweden und Finnland – ausserhalb von Berlin war Malaria zu anfang in Deutschland nicht so gefragt. Also konzentrierten wir uns aufs Ausland. Es war eine sehr kleine Szene bezueglich der Musik, die uns gefiel, und man freundete sich schnell mit den relevanten Musikern an.

Siouxsie and the Banshees luden uns ein, mit ihnen zu konzertieren, es gab viele Parties – Robert Smith von den Cure trank am liebsten Cointreau aus der Flasche und war immer reizend. In Washington waren wir dazu verdonnert mit einer Band zu spielen, der immer der Strom abgestellt wurde – uns gefiel das sehr – war uns ja auch schon einige male passiert.

Das waren Australier, die in London wohnten und ueberall zu fuss hin laufen mussten, da die Bus Tickets zu teuer waren. Wir ueberredeten sie, nach Berlin zu ziehen – es war ja so schoen billig dort. So zogen The Birthday Party nach Berlin und wir stellten sie Blixa von den Einstuerzenden und den anderen coolen Berlinern vor.

Mit Birthday Party und den Einstuerzenden spielten wir Konzerte – eins in London im Hammersmith und am naechsten Tag traten wir im Batcave Club auf – 300 Leute waren da und davon waren 250 Musiker, sozusagen alle Musiker Londons… Es gab diese Verbindung Berlin, London und New York. In New York spielten u. a. im Studio 54 mit Nina Hagen.

Im Fernsehen wurde berichtet, dass 2000 Leute davor standen und versuchten, auch noch rein zu kommen – waere auch toll gewesen – Studio 54 war urspruenglich ein Theater und die hatten noch die Effekte des Frankenstein Theaterstuecks, welche waehrend unserer Show losgingen, absolut phantastisch!

Auch in New York gab es super Parties, z. B. bei der japanischen Band The Plastics – die B52’s und die Talking Heads waren auch da und wir hatten viel Spass, nur wollte David Byrne dann mein Saxophon ausprobieren und Manon hat sehr mit ihm geschimpft… Alles in Allem war es eine gloriose Zeit, Kommerz war voellig uninteressant, man machte sich trotz relativer Armut keinerlei Sorgen solange man fuenf Dollar dabei hatte, um die den Muggern zu geben, gab es ja sowieso.“

 

Na, nun noch ein wenig mehr auf den Geschmack gekommen? Ich meine, wer kann bei „Spellbound“ von Siouxsie And The Banshees, „New Big Prinz“ von The Fall oder bei „Common People“ von Pulp denn ernsthaft noch nein sagen, oder?!

Nach The Early Days Vol. 1 aus 2017 ist die neue Ausgabe somit eine wunderbare Erweiterung, die in keinem Plattenregal fehlen darf! Also dann… bestellen, auspacken und unzählige Male auf dem Plattenteller rotieren lassen – denkt dran, ihr habt aktuell eh nicht viel anders zu tun.

 

Titel:
1. The Boy with the Arab Strap (Belle & Sebastian)
2. There she goes (The La´s)
3. Made of Stone (Stone Roses)
4. Crystalised (The XX)
5. Kaltes Klares Wasser (Malaria)
6. A Forest (The Cure)
7. Spellbound (Siouxsie And The Banshees)
8. Ceremony (New Order)
9. Crash (The Primitives)
10. Young Adult Friction (The Pains Of Being Pure At Heart)
11. I´m Free (The Soup Dragons)
12. Common People (Pulp)
13. Bandages (Hot Hot Heat)
14. New Big Prinz (The Fall)
15. Sex Beat (Gun Club)
16. Four to the Floor (Starsailor)
17. Jailbird (Primal Scream)
18. Torch (Soft Cell)
19. Girls on Film (Duran Duran)

Unter Schafen Records
King Kong Kicks

The Early Days Vol.2 - Post Punk, New Wave, Britpop & Beyond 1980-2010 (Unter Schafen Records, 06.03.2020)
4.8Gesamtwertung