Es war einmal ein Mann namens Sean Peck… Bei den truesten der Metalfans steht dieser Name nicht nur für kräftige Fäuste und teils fragwürdig patriotische Aussagen, sondern vor allem für ein kraftvolles Organ, mit dem der Sänger Druck ohne Ende erzeugen kann und selbst den jungen Rob Halford (Judas Priest) in seine Schranken verweisen würde. Also durchaus beeindruckend der Herr. Dementsprechend kraftvoll klingt auch seine Musik. Bekannt ist er vollem für seine Band Cage. Vor drei Jahren gründete er mit dem ehemaligen Manowar-Gitarristen Ross the Boss die Band Death Dealer. Wie es der Zufall so möchte, veröffentlichen beide Gruppen fast gleichzeitig neue Studioalben. Grund genug also, auf beide einen Blick zu werfen. Ein erstes Fazit kann man aber gleich vorweg nehmen: Nix für Weicheier!

 

Death Dealer – Hollowed Ground (Sweden Music Group, 02.10.2015)

Death Dealer - Hallowed GroundVor zwei Jahren knallten Death Dealer dem schwermetallischem Untergrund ein regelrechtes Vollgasalbum vor den Latz. Mit „Hallowed Gound“ ziehen sie jetzt nach. 13 Songs in einer knappen Stunde: das ist eine ordentliche Ansage. Stilistisch klingen Death Dealer mehr nach Pecks Hauptband Cage, als nach den Fellhosenträgern. Will heißen: kraftvoller, alles nieder walzende Traditionsstahl mit äußerst dicken Eiern. Ab und zu noch eine gesunde Brise Manowar’sches Pathos, ein Hauch Thrash und fertig ist der Lack. Wie auch bei seiner Hauptband bestimmt Peck das Geschehen schon sehr. Mit Druck ohne Ende bläst er den Hörer ohne Erbarmen an die Wand. Der Mann ist ein Phänomen. Die Band selbst macht die Arbeit allerdings auch fein und schüttelt ein paar richtig gute Songs aus dem Ärmel.

Das straight polternde „Gunslinger“ zum Beispiel, das zu Beginn gleich mal zeigt, wo der Hase lang läuft. Oder der wuchtige, mit Bedacht simple Livekracher „K.I.L.L.“. Nicht zu verachten das anfangs schwer schleifende „The Way of the Gun“, das sich über eine melodische Bridge zum hymnischen Refrain hoch drückt. Hier lassen tatsächlich Manowar aus der Ferne grüßen. Auch lässt es Peck sich nicht nehmen, wieder eine kleine King-Diamond-Hommage einzubauen. „Séance“ hat was von Mercyful Fate in brachial. Auch sonst lässt die Band so schnell kein Klischee aus und war sich nicht einmal für eine typische Metal-ist-geil-wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Hymne zu schade. Passender Titel: „The Anthem“.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass „Hallowed Ground“ durchaus ein passables Album geworden ist. Typischer, kraftvoller Ami-Power-Metal.

Trackliste:
1. Gunslinger
2. Break the Silence
3. Plan of Attack
4. Séance
5. Llega el diablo
6. The Way of the Gun
7. K.I.L.L.
8. I Am the Revolution
9. Total Devastation
10. The Anthem
11. Corruption of Blood
12. Skull and Cross Bones
13. U-666

 

Cage – Ancient Evil (Sweden Music Group, 30.10.2015)

Cage - Ancient EvilMit ihrem siebten Album wollen Cage ein bisschen mehr: nämlich ein Konzeptalbum sollte es werden. So ein richtig großes. Über 75 Minuten Spielzeit hat. Erzählt wird eine Gruselgeschichte, die im London des 19. Jahrhunderts spielt. Mit einigen Hörspielsequenzen wird der Hörer bei der Stange gehalten. Aber im Kern ist „Ancient Evil“ durch und durch ein typisches Cage-Album: gnadenlos kraftvoll mit viel Muckis und Eiern präsentieren Peck, Garcia & Co. wieder ihren Vollgasmetal. US-Powermetal trifft auf „Painkiller“, thrashige Gitarren, King Diamond und kollidiert mit einem Truck voll Steroide. Dabei ist es immer wieder beeindruckend, wie viel Power Sean Peck mit seinem Gesang erzeugen kann. Der Mann ist auch das tragende Element. Die Band hält sich nicht mit viel Geplänkel auf und räumt das Feld, wenn ihre Frontmann sich ins Geschehen stürzt.

Das ist einnehmend und hat Schmiss und zeigt den Schluffis auf der Welt, was richtige Männermusik ist. Nummern wie das packende „Behind the walls of Newgate“ oder das dramatische „The Expedition“ zeigen die Klasse der Band. Versucht man die ganze Platte am Stück zu hören, ermüdet die an den Tag gelegte Brachialität mit der Zeit unheimlich. Denn musikalisch rückt das Horrorkonzept ganz nach hinten und die Songs selbst bewegen sich recht gleichförmig in der Powerschiene. Doch gerade der letzte Track „Tomorrow never came“ rückt etwas davon ab und erzeugt mit seinem getragenen Flair und der melodischen Herangehensweise Stimmung. Davon hätte es ruhig mehr geben können.

Denn so ist „Ancient Evil“ ein ganz schöner Brocken. Ein Grower, das gebe ich zu. Aber mit der Masse muss man erst einmal fertig werden. Ihre Ausnahmestellung haben Cage damit aber trotzdem gesichert.

Trackliste:
1. There Were Others
2. Ancient Evil
3. Behind the Walls of Newgate
4. The Procedure
5. The Appetite
6. Cassandra
7. Blinded by Rage
8. Tell Me Everything
9. The Expedition
10. Beholder
11. I Have Awakened
12. Across the Sea of Madness
13. To Save Love
14. Christ Protect Me
15. Sinister Six
16. Symphony of Sin
17. The Antidote
18. Tomorrow Never Came
19. It Can’t Be

Sean Peck mal zwei: neue Alben von Death Dealer und Cage
3.7Gesamtwertung