Ich bekomme meistens Schluckauf, wenn Hardcore-Bands Alben veröffentlichen, in denen Stiländerungen oder bedeutende Weiterentwicklungen angekündigt werden. In 90 % der Fälle, die ich bisher erlebt habe, hatte dies eine Beimischung „einiger“ Pop-Elemente bzw. einen vollständigen Stilwechsel zum Elektro-Pop zur Folge. Die Konsequenz war zum Teil ein Identitäts- und Authentizitätsverlust in den Augen vieler Fans. Hinzu kommt, dass der Sprung in den Mainstream dennoch oft verfehlt wurde.

Nun kommt die britische Melodic-Hardcore-Band Polar mit ihrem vierten Studioalbum „Nova“, welches am 5. April in diesem Jahr erscheint. Ich lese den Promotiontext zu „Nova“… böse Vorahnungen beschleichen mich. Ich höre „Nova“ zum ersten Mal durch… es entsteht allgemeine Verwirrung bei mir. Keine Elektro-Beats, kaum hörbare Synthesizer. Ich höre weiter… nur verschwindend gering wahrzunehmende Elektro-Pop-Elemente. Habe ich den falschen Promotiontext bekommen?

Nein, denn für Polar geht es nicht in erster Linie um den Sprung in den Mainstream, sondern um ihre früheren Standpunkte und Sichtweisen, welche Polar laut eigener Aussage heute nicht mehr vertreten können. Somit durchlaufen Polar auf „Nova“ eher eine Veränderung in puncto Lyrik und Inhalt, als im Sound. Dennoch haben sich Polar für kleine gezielte Synthesizer-Einlagen entschieden, jedoch nicht so, dass diese den Sound auf „Nova“ dominieren. Die bereits veröffentlichte Single „Drive“ spiegelt dies alles bereits im Vorfeld wieder. Harte Riffs, harte Shouts mit sehr wenigen Clean-Voice-Passagen, doch im Vergleich zu den Vorgänger-Alben sind einige Tracks etwas ruhiger und melodischer geworden. Die Texte sind in der Basis zurückzuführen auf die verschiedenen Höhen und Tiefen im Leben aller Bandmitglieder von Polar. Laut eigener Aussage ist die Band dafür eine perfekte Plattform, um dies auszudrücken. „Nova“ berührt dabei Themen, die für die Band sehr persönlich und tiefgreifend sind. Dabei geht es den fünf Jungs aus Guildford (Vereinigtes Königreich) auch um eine höhere Form der Kreativität, welche sie nun an den Tag legen konnten.

Mit „Nova“ haben Polar die nächste Stufe in ihrer Entwicklung erreicht und im Gegensatz zu anderen Bands nicht die nächsten Schritte übersprungen, um dann unsanft zu landen. „Nova“ ist weiterhin in seiner Art ein Album das einen harten Sound bietet, diesen aber zunehmend mit melodischen Parts vereint. Die Texte sind weitaus emotionaler und tiefgehender als das, was wir bisher gewohnt waren. Somit ist der Weg für weitere Projekte geebnet, welche wir hoffnungsvoll erwarten.

 

  1. Mære
  2. Devil
  3. Cradle
  4. Drive
  5. Adore
  6. Sonder
  7. Amber
  8. Breathe
  9. Prey
  10. Dusk
  11. Midnight
  12. Brother

 

 

Photo Credit: Gavin Thane, Tom Green

 

Polar - Nova (Arising Empire, 05.04.2019)
4.5Gesamtwertung