Vor gut zwei Jahren bin ich zum ersten Mal mit Samuel Dickmeis – besser bekannt als MÄNNI – in Kontakt gekommen… damals veröffentlichte er nämlich gerade seiner erste Solo-EP „Wille aus Beton“. Da mich die Scheibe erstens sehr begeisterte und der Aachener zweitens nun sein Debüt-Album fertig hat, habe ich das Ganze zum Anlass genommen, ihm die eine oder andere Frage zu „Alkohol & Melancholie“ und zur Zusammenarbeit mit der Antilopen Gang zu stellen!

Also dann… viel Spaß mit MÄNNI:

 

Beinahe genau zwei Jahren nach der ersten EP „Wille aus Beton“ erscheint nun im März dein Debütalbum „Alkohol & Melancholie“, in welches ich bereits hereinhören durfte… wieso haben deine Fans (mir hat die EP damals ebenfalls ausgesprochen gut gefallen!) nun so lange auf den ersten Longplayer warten müssen?
Ehrlich gesagt ist das Album auch fast schon ein Jahr fertig. Das dauert nur alles immer so lange mit diversen Vorbereitungen bis es überhaupt veröffentlicht werden kann. Da erzähle ich dir wahrscheinlich nix Neues, aber viele Leute haben eventuell keine Ahnung, wie lang so eine Albumprouktion samt Release letzendlich dauert. Ich selbst bin glaube ich am Meisten davon genervt, weil ich sehr ungeduldig bin. In der Zwischenzeit hab ich aber immerhin einige Konzerte gespielt, und mir jetzt endlich eine Band zusammengekauft.MÄNNI - Alkohol und Melancholie

Schon die erste Nummer „Mentholzigarette“ – und spätestens das Video dazu – hat es mir irgendwie angetan. Mag es an meinem jahrelangen Nikotinkonsum liegen, der zum Glück schon seit längerer Zeit Geschichte ist, oder woran auch immer… was hat dich zu der Nummer bewegt?
Durch zahlreiche Erlebnisse, wo ich selbst von Hardcorerauchern mit meinen Mentholzigaretten nur abwertende Kommentare erhalten habe, wurde daraus irgendwann diese Songidee. Die Rauchernahrungskette sieht vor: Nichtraucher > Raucher > Raucher von Mentholzigaretten. Mit dieser Geschmacksvorliebe stehen wir ganz unten, und müssen uns sogar von gestandnenen Rauchern beleidigen lassen. Jetzt gibt es aber eine Mentholzigarettenhymne, die alles verändern wird.

Damit ich nicht zu viel vorweg greife, vielleicht magst du ja ein wenig über die neuen Songs auf „Alkohol & Melancholie“ erzählen, was hat es zum Beispiel mit der „Abgefuckt“en Selbstreflexion, dem „Kartoffelsalat“ oder der „Stinkehand“ auf sich… ist es das, was wir alle denken?
Die neuen Songs, sind selbstverständlich (bis auf eine Ausnahme) allesamt klasse. Soviel kann ich schonmal sagen. Was die Themenwahl angeht, habe ich diesmal wenig offen gelassen. Textlich gibt es da keine kryptischen Dinger, sondern du kannst es dir gerne so denken, wie es im Text ist. Und ja, auch Stinkehand handelt von eben dieser.

Geschichten aus dem Leben, oder doch alles nur ausgedacht? Jetzt mal Hand auf`s Herz, wie viele Banken durften dich denn wirklich schon als nächtlichen Gast begrüßen und wie viele Tetra-Packs Wein gehen während eines Punker-Lebens so drauf? 😉
Ich schätze die Zahl der Übernachtungen schon auf zweistellig. Angefangen in der Studienzeit, wo ich in Siegen in einer WG vor mich hin vegetiert habe, kam es bei nächtlichen Saufereien erstmals dazu, dass ich vollkommen hilflos und alleine Zuflucht gesucht habe. Seitdem wurde das Konzept nur leicht optimiert, aber immer wieder durchgezogen. Wer sich in Siegen auskennt, weiß, dass die Uni aufm Berg ist, und dort die „tollen“ Studentenparties sind, aber die „coolen“ Leute unten in Siegen wohnen. In der Mitte etwa ist dann eine Sparkassenfiliale, die strategisch gut liegt, um dort neue Kraft für den Heimweg zu tanken.
Tütenwein ist die wesentlich kostengünstigere (und süßere) Alternative zu den bekannten billigen Bieren. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kiste Bier schleppen und Tetrapak-Wein süffeln…naja ich bin halt faul.

Damals hast du dich für die Aufnahmen extra in einen alten Bunker verzogen um deine Ruhe zu haben. Wo hat es dich denn für „Alkohol & Melancholie“ verschlagen, vielleicht auf eine einsame Insel… laut CD-Cover könnte das Ganze ja durchaus mit Meer zu tun gehabt haben?!
14570296_1782855941933043_568287086948193620_nGenau die EP habe ich komplett im Musikbunker in Aachen aufgenommen. Diesmal bin ich zumindest für die Drums in ein richtiges Studio gegangen, aber den Rest habe ich auch wieder im Mubu gemacht. Alle Songs sind auch dort in der Rohfassung entstanden. Ich weiß nicht warum, aber ich liebe diesen Ort. Kein Internet/kein Handy. Ich kann 24/7 so laut sein wie ich will. Besser geht nicht.
Das Artwork hat mit der Entstehung nichts zu tun, wobei ich bestimmt das ein oder andere Mal an Delfine gedacht habe. Ich meine, wem passiert dass denn nicht manchmal?

Oder hast du dieses Mal sogar auf vollständige Einsamkeit verzichtet und dir Unterstützung befreundeter Musiker für die Aufnahmen gesucht, wenn man sich den Titel des Songs „Alleine In`ner Band“ anschaut scheint es wieder nicht so gewesen zu sein, oder?
Mit Band bin ich erst nach der Albumfertigstellung an den Start gegangen. Ich genieße gerade die Freiheit alles machen zu können was ich möchte, ohne es mit Bandkollegen absprechen zu müssen. Wie es in Zukunft laufen wird, weiß ich nicht, aber solange ich es irgendwie alleine hinbekomme, werde ich den Schreib- und Aufnahmeprozess wohl erstmal so lassen: Never stop a running cow! Bei „Alleine in `ner Band“ geht es mehr darum, dass Shows spielen alleine (was ich ja schon gemacht habe) nicht so prall ist, obwohl es auch da angenehm ist, dass man auf niemanden Rücksicht nehmen muss. In Zukunft aber (erstmal) alles mit meine liebevollen Band.

Der letzte Song „Wille aus Beton“ lautet genauso wie der Name deiner damaligen EP, wieso hat es eigentlich keiner der alten Songs auf das Album geschafft… wolltest du mit deiner Vergangenheit aufräumen 😉 – die meisten anderen Musiker nutzen ja immer mal die eine oder andere Nummer erneut für ihre Veröffentlichungen.
Ja dieser Song wäre damals fast auf die EP gekommen, aber hat zeitlich nicht mehr hingehauen. Er war dann aber Namensgeber für die EP.
Dadurch, dass ich die alten Songs ja schon veröffentlicht habe, wollte ich die nicht wieder aufs Album drauftun. Ist doch kacke, wenn man ein neues Album raushaut und dann dort erstmal alte Dinger drauf sind. Sieht natürlich toller aus mit mehr Songs, aber so kalter Kaffee, nö.

Apropos andere Musiker bzw. deren Veröffentlichungen… die Antilopen Gang bringt am Freitag (20.01.2017) ja ihr neues Album „Anarchie und Alltag“ heraus und du hast quasi komplett alle Instrumente des Bonusalbums „Atombombe auf Deutschland“ eingespielt. Wie kam es zu dieser interessanten Zusammenarbeit und was dürfen wir hier erwarten?
Puh, darüber könnten wir fast ein eigenes Interview führen, aber ich versuche es mal kurz:
Vor etwa zwei Jahren, bin ich da so reingerutscht, dass ich „DJ Moses Müllmann cool“ (mosesmusik.de) bei den Antilopen an diesem DJ/Müllset (warst du mal auf einer der Shows? – Anmerkung der Redaktion: „Nö, bisher leider nicht“) vertreten hab. Mit der Zeit haben die Lopis dann ihre Liveshow immer weiter ausgebaut, und ich habe irgendwann mal angefangen für Livesongs einige Antilopen-Gang-Atombombe-auf-Deutschland-TracklistInstrumente einzuspielen. Und bei den Demos für das neue Album gab es eine punkigere Songidee, die wir per Internet zusammen gebastelt haben. Daraus wurde letzendlich „Baggersee“. Ich glaube hauptsächlich durch diese Zusammenarbeit kam es, dass sie mich auf einem Festival, wo ich Moses´ Vertretung übernommen hatte, gefragt haben, ob ich mir das mit der Punkplatte vorstellen kann. Soweit ich das gerafft habe, war es aus zeitlichen und vorallem organisatorischen Gründen, nicht möglich diese Idee von einer ganzen Band umsetzen zu lassen. Die letzendliche Produktion war einfach ein Höllenritt ins Ungewisse. Bisher hat sich so in der Art glaube ich noch keiner mit dem Thema Punk und Rap befasst. Aus meiner Sicht kann ich dir keine objektive Meinung zu dem Album geben, weil ich selber (wahrscheinlich) der größte Fan davon bin. Alleine die ganzen Gastvocals auf einem Album ist so abgefahren, dass mein Punkerherz immer höher schlug, mit jedem Namen, der dazu kam. In dem bisher veröffentlichten Snippetvideo kann man ja schon gut was hören. Was da noch fehlt ist halt, dass auch die Antilopen Gang sehr stark abgeliefert hat. Teilweise sind die Tempi der Songs (dem Punkgenre entsprechend) sehr flott, aber sie haben es trotzdem geschafft bei den Geschwindigkeiten ihre Texte verständlich zu rappen. Es macht einfach Bock zu hören, weil es in jedem Song Facetten gibt, die man von den Dreien so noch nicht kennt; und dann hauen in den Refrains die Gaststimmen zusätzlich noch alles weg.

Hast du die Nummer auch ganz Einsiedler mäßig irgendwo im Kämmerchen eingespielt, oder hast du dich tatsächlich mit den ganzen „alten“ Punk-Ikonen, die den Songs ihre Stimme geschenkt haben, zusammen ins Studio begeben?
Die ganze Umsetzung und Austüfftelung der Songs im Punkgewand habe ich auch wieder im Musikbunker gemacht. Schlagzeug dann in einem Düsseldorfer Studio, und alle restlichen Instrumente auch wieder in Aachen im Mubu. Die Gastbeiträge kamen teilweise übers Internet, und einige Aufnahmen haben die Antilopen geschafft selbst zu machen. Es musste alles in sehr kurzer Zeit passieren. In der Zwischenzeit saß ich dann nämlich schon an den weiteren Songs. Es war eigentlich alles unrealitsisch knapp kalkuliert, und somit ein wirklich furchtbarer Monat, mit einer anstregenden Whatsapp-Gruppe und sehr langen Nächten im Proberaum. Was dabei rausgekommen ist, hat aber meine Vorstellungen um ein Vielfaches übertroffen.

Nochmal zurück zu deinem eigenen Album, bist du großer Delfin-Fan… oder wie kam das durchaus ein wenig „interessante“ CD-Cover zustande, wer hat sich hier künstlerisch ausgetobt? Und bezüglich des Titels, macht der Alkohol dich melancholisch oder trinkst du besonders dann ein gepflegtes Tröpfen wenn du sehr melancholisch bist?… ich denke hier schreit es noch nach Aufklärungsbedarf! 😉
Ich stehe sehr auf diesen kitschigen Airbrushstyle, den man auf 80er Poster oder geilen Motorhauben findet. Etwas in dem Stil zu machen, wollte ich schon immer mal. Im Internet bin ich dann über ein Bild mit traurigen Delfinen gestoßen, und das hat mich echt umgehauen in dem Moment. Diese Tiere haben den melancholichsten Blick, den es gibt. Und dann kam so eins zum anderen. Über meinen Bruder kam der Kontakt zu Steff Murschetz zu Stande, der nach einem gechillten Telefonat und zwei Skizzen mit diesem fertigen Cover meinen Traum hat Wirklichkeit werden lassen.
In dem Song „Alkohol & Melancholie“ heißt es ja „ein fantastisches Team“. Alleine für sich komme ich mit Beidem klar, aber zusammen erzeugt es bei mir ein perpetuum mobile der Melancholie. Was dabei zu erst da ist, kann ich nie sagen.

Wie sieht nun die nahe Zukunft aus, ich denke das Album möchte jetzt natürlich auch live einer breiten Masse präsentiert werden, oder… wer wird dich auf der Bühne begleiten?
Yo klar. Das Album wird im klassichen Punkband-Trio quer durch Deutschland gespielt. Tourdaten füge ich einfach unten ein. Im Dezember haben wir die ersten Tests gemacht, und ich habe zwei Leute gefunden, die den ganzen Scheiß mitmachen würden. Ein Julius am Schlagzeug und ein Michael am Bass. Beide können dazu noch gut singen, und einer raucht sehr viel. Das passt alles gut zu MÄNNI. Touren ist mir das Wichtigste und Liebste auf der Welt nach ca. 5 anderen Sachen. Deswegen werden die Shows sehr gut werden denke ich mir mal. Kommt aber bitte auch, sonst steh ich echt doof da.

Zum Abschluss möchte ich noch kurz ein paar Worte in den Raum werfen… vielleicht fällt dir ja spontan noch die eine oder andere kurze Antwort ein?!

Aachen… 
hab mich dran gewöhnt und sitze jetzt hier fest, aber freiwillig.
Nordsee… 
Wenn Raststätte, dann eine mit Nordsee!
Trump… 
ich raffs einfach nich
Familie… 
Ja, bin Fan
Kartoffelsalat…
ist eigentlich gar nicht so mein Ding, aber das Wort ist stark.
Lieblingsband…
Rage Against The Machine
AfD…
üble Partei, die übles vorhat. Dagegen!!!

… und Mentholzigaretten?
<3 Mentholgeschmack

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit… ich freue mich schon auf den einen oder anderen Gig in der Nähe oder auf einen gemeinsamen entspannt melancholischen Strandspaziergang!
Danke für deine Fragen, DEINE Zeit und Strandspaziergang klingt sehr toll. Kriegen wir das hin?
Bisher bin ich auf Tour am 28.03. und am 10.06. in deiner „Nähe“. Ruf mich an!!!
An alle lieben Menschen, der blöde und nervige Aufruf: Kommt zu unseren Shows! (ich meine das ernst)

Tourdaten Alkohol & Melancholie – Tour 2017:
25.03.2017 – Jülich
28.03.2017 – Hamburg
06.04.2017 – Berlin
07.04.2017 – Potsdam
08.04.2017 – Cottbus
21.04.2017 – Köln
22.04.2017 – Essen
23.04.2017 – Aachen
10.06.2017 – Stove Open Air 2017
15.09.2017 – Rock am Driesch 2017
01.10.2017 – Heinsberg Open Air 2017
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