Oh je, was fahren denn die Australier für einen Film ab? Eine fantasievoll kostümierte und geschminkte Fronthexe, bunte Albumcover, Pseudonyme wie Imperial Priestess Screaming Loz Sutch, Inverted Crucifox oder Jaytanic Ritual und überhaupt einiges an okkultem Mummenschanz. Das kann man jetzt blöd finden, einfach augenzwinkernd mit Humor nehmen und als Show ansehen oder einfach ignorieren. Im zweiten Fall dürfte man am meisten Spaß haben. Aber auch bei der dritten Möglichkeit ist „satisfaction guaranteed“, denn die Neptune Power Federation bietet verdammt coole Mucke!

Und zwar eine die rockt, die zum Mitgehen einlädt und eine die trotz einer Wagenladung Coolness immer wieder die große Melodienkeule schwingt. Die Basis des Ganzen ist ganz eindeutig altmodischer Hardrock, der gut und gerne in die 70er zurückreicht. Angefüttert mit einer Portion Psychedelic, mal rotzig, dann wieder angenehm melodisch und als Ausgleich schnüffelt man aber auch mal in den Metalbereich rein, was für eine gesunde Grundhärte sorgt.

Die vier Instrumentalisten zimmern jedenfalls einen feinen Klangcocktail zusammen, in den man sich fallen lassen und die Welt mal schön draußen lassen kann. An sich ziemlich straight polternd, hin und wieder aber auch mal ziemlich verspielt, wie so manch eingestreuter Break zeigt. Doch im Mittelpunkt des Geschehens steht zweifelsohne Frau Sängerin mit ihrer vielleicht nicht wunderschönen, aber packenden Stimme voller Inbrunst und Leidenschaft. Ein loderndes Weib, mal lasziv und beschwörend, dann wieder einlullend oder auch brüllend. Die Performance bewegt auf jeden Fall.

Genauso wie die Songs. Retrorock hin oder her, solche Songs werden heutzutage trotzdem viel zu selten gespielt. Und, wenn, dann nicht so wie hier. Da knirschen die Gitarren, da darf auch mal ne Schweineorgel ran, die (Gesangs-)Melodien und Refrains sitzen, sind eingängig ohne billig zu wirken. Beispielexemplare: das mitreißende „Rat Queen“, der kratzend groovende Stampfer „I’ll Make A Man Out Of You“ oder auch das coole und ausgelassene „Flying Incendiary Club For Subjagating Demons“. Die sperrigen Titel täuschen. Die Songs schleichen sich locker durch die Gehörgänge.

Ja, man merkt, ich kann meine Begeisterung einfach nicht verstecken. Ich habe mich aufgrund der äußeren Umstände zuerst nicht so recht darauf einlassen wollen, The Neptune Power Federation haben mich mit „Memoirs Of A Rat Queen“ eiskalt erwischt. Abgefahren!

Als nächstes stehen wohl die beiden im Eigenvertrieb veröffentlichten Vorgänger „Neath A Shin E Sun“ und „Lucifer’s Universe“ auf dem Programm, welche die neue Labelheimat Cruz del Sur Music ebenfalls erstmals in Europa offiziell auf Vinyl veröffentlicht.

 

Trackliste:
1. Can You Dig?
2. Watch Our Masters Bleed
3. Flying Incendiary Club For Subjugating Demons
4. Rat Queen
5. Bound For Hell
6. I’ll Make A Man Out Of You
7. Pagan Inclinations
8. The Reaper Comes For Thee

 

 

Photo Credit: Luka Bakota

 

The Neptune Power Federation - Memoirs Of A Rat Queen (Cruz del Sur Music, 27.09.2019)
4.6Gesamtwertung