Mission Jupiter ist eine junge fünfköpfige Band aus Weißrussland. Die vier Herren und ihre Sängerin haben nach einer 2016 noch in der Heimatsprache aufgenommenen Single 2018 und zwei englischsprachigen EPs nun ihr Debütalbum „Architecture“ in englischer Sprache produziert. Dieses wurde nun zum 01.12.2019 in einer feinen Vinyledition aufgelegt, die dem Fan die Wahl zwischen einer durchsichtigen oder einer schwarz/weißen Split-Version in einer schweren Qualitätspressung veröffentlicht.

In Discogs wird die Band dem Rock / Progrock zugeordnet, aber das ist nicht ganz meine Meinung, ich würde sie eher dem Artrock, respektive dem New-Artrock der Marke Archive, Anathema und Co. zuordnen. Aber gehen wir doch erst einmal durch das Album:

Stimmengewirr und Straßengeräusche eröffnen “The Dawn““, ein sich wiederholender Keyboardton, dunkle, atmosphärische Sounds ziehen hoch und dann setzt dieser tiefe, durchdringende Bass ein. Die Rhythmik erinnert kurz an die dunklen Stücke von Depeche Mode, werden dann durch den sphärischen, weiblichen Gesang nach oben gezogen. “I have to know“ bietet dann hymnischen Pop mit schwerem elektronischen Beat, engelsgleichen Gesang und vertrackter Rhythmik. Nun tauchen auch erste härtere Gitarrenriffs auf während die in hymnischen Keyboards, ein wenig an die Gilmour-Floyd erinnern. “Either of Dream“ eröffnet mit kryptischen Programmings, dunkle Keyboardatmosphäre wird durch den hellen Gesang konterkariert. Der Bass pumpt und die Mischung mit den Perkussionen erinnert mich wieder ein wenig an Depeche Mode. Zum Schluss setzt sich das Schlagzeug jedoch durch und bringt den Song zusammen mit Bass und Gitarre in Rockgefilde zurück.

Mit “Will you be loved“ folgt ein Song, der als Single ausgekoppelt wurde. Ein dunkler, sehr hypnotischer und atmosphärischer Song zwischen Dark Wave und vor allem New Artrock der Marke Archive. Perlende Gitarren, Wechsel zwischen wuchtigen und differenzierten Passagen und natürlich der darüber schwebende Gesang. Zum Schluss gibt es noch ein kurzes Saxophonsolo bevor Nastya Shevtsova die letzten Worte unbegleitet singt. Wer bei “The sea of hopes pt. 1“ nicht direkt an The Gathering mit Anneke denkt, kennt diese Band nicht. Das Stück ist ein knackiger Rocker mit hymnischem Gesang, verschachtelten Keyboards und tollen Sounds und natürlich einem grandiosen Gitarrensolo. Seite eins klingt mit “The Sea Of Hopes Part. 2“ mit spannenden Sounds und Gitarren und einem knackigen Rhythmus aus Programmings und Schlagzeug aus. Auch dieser Rocker mit seinem elektronischen Gerüst hätte die späten Alben der 90er Jahre von The Gathering gut gepasst.

Seite Zwei eröffnet mit einer perlenden Gitarre und sanften Saxophonklängen. Schnell setzt der Gesang ein und ein weiteres Mal eine sehr spannende Programmierung von Sounds. Das melancholische “Joy of Life“ klingt poppig mit einem Saxophonsolo aus.

Beim Anfang von “I Will Survive“ mit den dunklen Gitarren und dem vertrackten Perkussionsspiel muss ich an Marillion denken, doch dann bricht zunächst ein mächtiges Gitarrenspiel aus, bevor es dann tatsächlich proggig wird und jazzige Passagen einfließen. Ein Piano erklingt und lockert alles etwas auf, bevor das Stück zurück in Anfangsklänge fällt und diese mit mächtigen Gitarrenriffs und Shoegazeklängen zum Ende treibt, welches dann jedoch von akustischer Gitarre und Saxophon bestimmt wird. Nach dem “Interlude“ geht es zum Finale über, welches mit “The Call“ eingeleitet wird. Dieses beginnt mit sanften Keyboardklängen und einer schweren programmierten Perkussion. Diese wird dann von einem sphärischen Mix aus Keyboards und Gitarren weitergetragen. Kleine Gitarrensolos tauchen immer wieder auf und werden vom pumpenden Bass vorangetrieben. Ein wunderbares Rockstück mit viel Atmosphäre und Popappeal, das mit symphonischen Klängen endet.

“Impulse“ beendet dann dieses Album sehr rockig. Zunächst eine naive Keyboardmeldoie, dann knackige Gitarren, die bald von Piano und hymnischen Sounds begleitet werden. Auch hier proggt es stark in den Gitarren und Bassparts, die vielen elektronischen Sounds geben dem Ganzen einen sehr modernen Anstrich.

Natürlich erfinden Mission Jupiter auf ihrem ersten Album weder den Prog noch den Art Rock neu. Auf der anderen finden sich zwar viele Parallelen und Vergleichsmöglichkeiten zu den alten Meistern, aber dem Fünfer gelingt es das Ganze sehr eigenständig und mit eigener Note zu interpretieren. Hinzu kommt eine sehr moderne Produktion mit vielen spannenden Ideen, eine erstklassige Stimme und natürlich auch hervorragende Instrumentalisten.

„Architecture“ ist eine in allen Belangen spannende und musikalisch hochwertige Produktion ohne Füllstoff geworden, die darauf hoffen lässt, dass da noch mehr kommt.

 

  1. The Dawn
  2. I Have To Know
  3. Either Dream Or Not
  4. Will You Be Loved
  5. The Sea Of Hopes
  6. The Sea Of Hopes Part. 2
  7. Joy Of Life
  8. I Will Survive
  9. Interlude
  10. The Call
  11. Impulse

 

 

Rezension von Gast-Autor WOLFGANG KABSCH

 

Mission Jupiter - Architecture (Epictronic/Audio Anatomy, 01.12.2019)
4.0Gesamtwertung