„Alamort“ heißt das vierte Album des Punk/Folk/Rock/Emo-Quintetts das sich um die ursprünglich akustischen Songs des Sängers Dan Allen gefunden hat. Der Sound der Engländer besticht seit Gründung durch eine charismatische Stimme, mittige, verzerrte Gitarren und melancholische Texte. Das hat sich auch bei der neuen Platte nicht geändert, dennoch sind deutlich hörbare Unterschiede zu den älteren Werken festzustellen. Etwas plakativ könnte man vielleicht sagen: Weniger Folk, mehr Emo. Ob das den „Punches“ steht? Ich weiß auch nicht so recht.

Alamort – exhausted, half dead“ – das spuckt Google aus wenn man nach der Bedeutung des Albumtitels sucht. Das passt schonmal, denn „Alamort“ ist definitiv kein Gute-Laune-Album. Die Grundstimmung könnte man als düster beschreiben und dennoch verlieren Ducking Punches sich nicht in einer grauen Brühe, sondern pfeffern ein farbenfrohes und stimmiges Süppchen auf den Tisch. Songs wie „Smoking Spot“ sind energiegeladen und dynamisch. Gerade die Spannungsbögen und aufbauenden Parts, wie zum Beispiel im Mittelteil von „The Club with no Name“, gefallen mir besonders gut. Leider enden eben diese oft in einer eher schwachen Klimax mit weniger Wiedererkennungswert. Tatsächlich hatte ich nach dem ersten Durchhören keinen einzigen Ohrwurm oder Song an den ich mich erinnern konnte. Auf der anderen Seite machen Ducking Punches eben keine glattgebügelte Stangenware, zusammengepresst zu einem Popmusik-Klotz mit Ohrwurmgarantie, sondern trauen sich, den Songs Ecken und Kanten zu verpassen, die sich wunderbar an die depressive Grundstimmung und die melancholischen Texte anpassen. Dafür wiederrum ist die Struktur der Stücke vielleicht etwas zu sehr am Pop-Schema orientiert.

Weniger bis keine Geige und Akustikgitarre – dafür mehr Chöre. Insgesamt ist der Sound der Platte deutlich geladener und kraftvoller. Viel Folk findet sich nicht mehr auf „Alamort“, ich persönlich finde das etwas schade, haben doch gerade die akustischen Einflüsse den Sound von Ducking Punches in Zusammenarbeit mit der leicht kratzigen Stimme von Allen zu einem einzigartigen, ehrlichen und sehr direkten Klangerlebnis gemacht. Zugegeben, das wurde mit „Fizzy Brain“ schon weniger mit den Folk-Einflüssen und am Ende ist das bestimmt auch etwas Geschmackssache. Das „neue“ Gewand steht der Band gut, wirkt aber an einigen Stellen etwas generisch. Manche Songs klingen einfach zu ähnlich und plätschern etwas vor sich hin und auch einige Textzeilen werden mir etwas zu oft wiederholt.

Fans der fünf Engländer kommen aber definitiv auf ihre Kosten; die alten Grundzutaten werden hier mit grundsolidem Songwriting und neuen Ideen zu einem schönen Gesamtpaket geschnürt. Man muss die Platte ein paar Mal durchhören bis man sich an die Songs gewöhnt hat aber dann macht „Alamort“ durchaus Spaß und nimmt einen mit auf eine emotionale Reise, die trotz der düsteren Grundstimmung, ein großes Farb- und Klangspektrum darbietet und von seinen Hochs, Tiefs und Spannungsbögen lebt.

 

Live könnt ihr Ducking Punches auch ruhig mal auschecken,dafür müsst ihr nichtmal rüber nach England. Hier die vorläufigen Termine:

05.05. – Deutzen, Rock am Kuhteich
25.05. – Hamburg, Gängeviertel festival
26.05. – Braunschweig, B58
16.06. – Indie festival, Bavaria
13-15.07. – Mighty sounds. Cz

Ducking Punches - Alamort (Xtra Mile, 16.02.2018)
4.0Gesamtwertung