Da falle ich doch gleich mal mit der Tür ins Haus: Ich fand den ersten „Metallica triff auf Orchester“-Anlauf „S&M“ ziemlich furchtbar! Hier wurden zwei Dinge aufeinander geklatscht, die anscheinend nichts zu tun haben wollen. Es wirkte als spielten Band und Orchester komplett aneinander vorbei. Dementsprechend skeptisch war ich auch, als eine Wiederholung des Projekts angekündigt wurde. Und jetzt liegt die Doppel-CD vor mir und wenn sie schon da ist, sollte ich dem Ganzen natürlich auch eine Chance geben.

Gesagt, getan. Zwar werde ich auch mit „S&M 2“ nicht ganz bekehrt. Aber ich muss zugeben, dass das Ganze dieses Mal wesentlich besser funktioniert und teilweise sogar richtig schöne Momente bietet. Und zwar genau dann, wenn Metallica Vorlagen und ihre bekannten Arrangements hinter sich lassen und sich voll auf die Orchestersache einlassen.

Zum Beispiel bei den Neubearbeitungen von „The Unforgiven III“ und „All Within My Hands“. Beides an sich nicht die stärksten Nummern im Katalog des Quartetts. Aber dadurch, dass man das Rockbandformat verlässt und James‘ Gesang fast nur vom Orchester begleitet wird, entsteht etwas ganz Neues. Überhaupt gewährt man dem San Francisco Symphony Orchestra im Vergleich zum ersten Mal wesentlich mehr Raum. Und das nicht nur in den Songs selbst. Man übergibt zum Beispiel Cliff Burtons Solo „(Anesthesia) Pulling Theeth“ komplett in Streichsolistenhand und lässt zwei klassische Stücke von Prokofiev und Mosolov aufführen.

Etwas mehr Mut hätte man sich in Sachen Setliste gewünscht. Ganze 11 der 20 Stücke waren schon beim ersten „S&M“ zu hören. Aber gut, ich verstehe, am Hitreigen am Ende des Konzerts kommt eine Megaact von diesem Format nicht vorbei. Highlights sind aber wieder mal andere Stücke, wie das gut funktionierende „The Day The Never Comes“, „Halo Of Fire“ oder das gern unterschätzte „The Outlaw Torn“. Und von Streichern aufgeladene und erdrückte Versionen von „Master Of Puppets“ oder „Enter Sandman“ braucht nach wie vor niemand.

Was der in Frieden ruhende Michael Kamen 1999 mit „S&M“ nicht geschafft hat, gelang Dirigent Michael Tilson Thomas anno 2019 durchaus beachtenswert: die beiden Welten Orchestermusik und Metallica zu vereinen. Auch wenn James Hetfields Stimme teilweise nur ein Schatten ihrer selbst ist und die Band phasenweise mit Handbremse zu spielen scheint. „S&M 2“ ist zweifelsohne die bessere Version einer Idee, welche der größte Metal-Konzern der Welt bereits vor über zwei Jahrzehnten hatte!

 

CD1:
1. The Ecstacy of Gold
2. The Call of Ktulu
3. For Whom the Bell Tolls
4. The Day That Never Comes
5. The Memory Remains
6. Confusion
7. Moth into Flame
8. The Outlaw Torn
9. No Leaf Clover
10. Halo of Fire

CD2:
1. Intro to „Scythian Suite“
2. Scythian Suite, Opus 20: The Enemy God and the Dance of the Dark Spirits
3. Intro to „The Iron Foundry“
4. The Iron Foundry, Opus 19
5. The Unforgiven III
6. All Within My Hands
7. (Anesthesia) – Pulling Teeth
8. Wherever I May Roam
9. One
10. Master of Puppets
11. Nothing Else Matters
12. Enter Sandman

 

 

Photocredit: Anton Corbijn