So alte Rock-Haudegen wie Deep Purple beim Handwritten Mag? Ja, unbedingt! Wer etwas Wurzelkunde der Lärmmusik betreibt, kommt zwangsläufig an dem alten britischen Schlachtschiff nicht vorbei und wird feststellen, dass das Quartett auch noch nach 50 Jahren die Massen bewegt. Mit ihren letzten beiden Alben waren Deep Purple erfolgreich wie selten zuvor und statt sich in die wohlverdiente Rente zu verabschieden, wagte man mit „Whoosh!“ gleich noch einen Anlauf.

Unter der Ägide von Produzent Bob Ezrin (u.a. Alice Cooper, Kiss, Pink Floyd) schien die Band noch einmal richtig aufzublühen und ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Denn mit was für einer Lockerheit Deep Purple anno 2020 ihre Songs aus der Hüfte hauen und mit toller Musikalität beeindrucken, ruft Begeisterung hervor. So klingen wohl nur altgediente Recken, die sich blind verstehen und sich nichts mehr beweisen müssen, aber immer noch richtig Bock aufs Spielen haben. Eigentlich ein Glücksfall. In der Form könnte man die fünf Herren wohl auch nachts um drei aus ihren Betten reißen und auf irgendeine Bühne stellen.

Die Rolle von Bob Ezrin ist es die Songs bei aller Spiellaune auf das nötige Maß zu komprimieren und sie klanglich zu veredeln, was ihm auch beim dritten Anlauf nach „Now what?!“ und „Infinite“ bestens gelingt. So kommen die Nummern auf „Whoosh!“ recht knackig und eingängig daher. Guter, alter (Hard)Rock mit bluesigem Flair, der trotz seiner Wurzeln gar nicht immer so rostig und altbacken klingt, wie man meinen mag.

Die ganz großen Kracher schreibt man heutzutage wohl nicht mehr, aber unter den 13 Nummern tummeln sich doch zahlreiche richtig gute Songs. Das von einem knackig bluesigen Gitarrenriff eröffnete „Throw My Bones“ ist gleich mal so einer. Ein klassischer Rocker der alten Schule, der aber immer noch angenehm frisch klingt. „Drop The Weapon“ lässt schon fast funky die Sau raus. Noch mehr der Honky-Tonk-mäßige Rock’n’Roller „What The What“ oder das launige „The Long Way Round“. Sehr gut gefällt auch das melodisch überraschend fluffige „Nothing At All“.

Aber nicht alle Stücke funktionieren gleichsam gut. Das düster mäandernde „Step By Step“ oder das ähnliche „The Power Of The Moon“ zum Beispiel. Auch „Man Alive“ setzt mehr auf Atmosphäre anstatt auf Groove. Doch hier entfaltet sich ein gewisser Zauber, der durchaus für die Deep Purple der letzten Jahrzehnts steht.

Machen wir es zum Ende kurz: feine Platte – wie ihre beiden Vorgänger!

 

Trackliste:
1. Throw My Bones
2. Drop the Weapon
3. We’re All The Same In The Dark
4. Nothing At All
5. No Need To Shout
6. Step By Step
7. What The What
8. The Long Way Round
9. The Power Of The Moon
10. Remission Possible
11. Man Alive
12. And The Adress
13. Dancing In My Sleep

 

 

Photocredit: Ben Wolf

 

Deep Purple - Whoosh! (earMUSIC, 07.08.2020)
4.0Gesamtwertung