1982 das ist nicht nur das Geburtsjahr der beiden Rapper Marteria und Casper, sondern auch der Titel ihres gemeinsamen Albums. Da es sich bei Marten Laciny (Marteria) und Benjamin Griffey (Casper) um die beiden Größen im deutschen Hip-Hop handelt und sie beiden bereits mehrere gemeinsame Tracks aufgenommen haben („Rock ’n‘ Roll“, „So Perfekt“), war die Vorfreude auf ihr erstes gemeinsames Album bereits sehr groß.

1982“ beginnt auf einem smoothen Beat mit dem Blick auf die Lebensgeschichte von Casper und Marteria. Benjamin Griffey, wie Casper bürgerlich heißt, berichtet von dem Leben als Jugendlicher, der in Amerika aufgewachsen und dann nach Deutschland gekommen ist.

Als ob’s gestern war, von Atlanta nach Extertal
Nicht allzu lang nach der Wende war’s
Damals in Almena, konnte die Sprache kaum
Drei Geschwister, kleines Zimmer, Mum auf Ausklappcouch
Dass einzige Schlüsselkind im Deutschlernkurs

Marteria bzw. Marten Laciny wuchs hingegen zu Zeiten der DDR in Rostock auf und hat in seiner Karriere vom Fußballspieler übers Modeln und Schauspielern einiges ausprobiert, bis er bei der Musik angekommen ist.

Einmal um den Block jonglier’n, bin Hansakind
Komm schon, wer will heute noch verlier’n?

Leider wirkt der Track, der komplett ohne Hook auskommt und nur aus jeweils drei Strophen der beiden Protagonisten besteht, dabei teilweise ein wenig Wirr.

Weiter gehts mit der ersten Single „Champion Sound“, die als temporeiche Hymne an die Karriere und Erfolge der beiden nicht mit Vergleichen spart. Dabei spielen Marteria & Casper ordentlich mit Anspielungen, z.B. an die berühmte Eröffnungsszene von „Der Pate“ oder die ikonische Becker-Faust.

Nachdem wir in „Champion Sound“ ordentlich Fahrt aufgenommen haben, wird mit dem Opel „Omega“ erst mal ein wenig durch die Stadt gefahren. In „Supernova“ wird dann wieder volle Fahrt aufgenommen. Besonders zu empfehlen ist das Video der beiden. Ich glaube ein Tischtennis-Match wurde noch nie so grandios zelebriert wie in diesem Musikvideo der beiden.

Gesellschaftskritik können Marteria & Casper auch. Das leicht psychedelische „Willkommen in der Vorstadt“ zeichnet uns das Bild der gefährlichen Vorstadt und weicht damit ein wenig von der sonst so oft propagandierten Schönheit der Großstadt ab. Von der melancholischen Stimmung geht es jedoch mit richtig Dampf weiter. „Adrenalin“ wirkt ein wenig wie Caspers „Sirenen“ und wird sicherlich wieder live ordentlich abgehen. „1982“ macht es schwer sich auf einen Beat einzustellen, so oft wechseln die Tracks von schnell zu langsam.

Zum Abschluss spendieren uns die beiden noch zwei Gäste. Kat Frankie beglückt uns in dem sehr elektronischem „Denk an dich“ und Monchi von Feine Sahne Fischfilet hilft beim gemeinsamen „Absturz“. 

Die schließende Klammer zu „1982“ bildet „2018“, hier feiern sich die beiden noch mal selbst, verteilen verbale Ohrfeigen an die Hater und bedanken sich bei dem eigenen Support.

Für die Jungs, für die Girls, für die Gang, die Familie
Für die Hater, die Gegner, die Blender, die Lehrer, die meinten: „Wird nie was“
Uns geht’s sehr, sehr gut, bis hier her war’s schwer genug
Sie sagen: „Gratulation, hat sich gelohnt“

Musikalisch ist „1982“ keine Revolution, doch das will es vermutlich auch nicht sein. Die Platte wird dadurch besonders, dass die beiden uns daran teilhaben lassen, wie viel Spaß die Freunde an der gemeinsamen Arbeit haben.

 

 

Tracklist:

  1. 1982 (Als ob’s gestern war)
  2. Champion sound
  3. Omega
  4. Supernova
  5. Willkommen in der Vorstadt
  6. Adrenalin
  7. Chardonnay & Purple Haze
  8. Denk an Dich
  9. Absturz
  10. 2018 (Gratulation)

 

Tourdaten:

31.05. Hannover, Expo Plaza
20.07. Dresden, Elbufer
03.08. Berlin, Waldbuehne
09.08. Hamburg, Trabrennbahn
31.08. Essen, Baldeney See

 

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Foto: Christian Hedel

 

Marteria & Casper - 1982 (Zwei Bernds tanken Super / Sony, 31.08.2018)
4.5Gesamtwertung