Marilyn Manson ist in letzter Zeit nicht gerade durch positive Schlagzeilen aufgefallen. Ätzendes Verhalten bei Konzerten, verkackte Show beim Wacken Open Air und nun hatte er auch noch einen Unfall auf der Bühne und liegt erstmal flach. Und das zur Veröffentlichung seines neuen und mit Spannung erwarteten Albums „Heaven Upside Down“.

Seit dem „Antichrist Superstar“ sind schon viele Jahre vergangen und ich muss gestehen, dass viele Sachen irgendwie an mir vorbei gegangen sind. So beschäftige ich mich jetzt also das erste Mal seit langer Zeit mit einem Album von ihm. Immer noch völlig begeistert von seinen Hits und als Horrorfilmfan und Freund von düsterer Stimmung hat Herr Manson auch noch ein wenig einen Stein im Brett. Mittlerweile mehr als ein Rockstar, denn als Kunstfigur, Kultfigur und sogar Stilikone. Die Kunstfigur Marilyn Manson hält sich leider für Gott. Und das lässt er auch regelmäßig raushängen. Leider ist die Leistung nicht wie die, die ein Gott so zeigen würde. Siehe Wacken.

Hier haben wir jetzt aber das neue Album und es ist an mir, ein Urteil über die neue Studiomusik von Gott zu fällen. Irgendwie geil.

Was sofort ab dem Opener „Revelation #12“ auffällt, ist diese dunkle, wilde und scheinbar ungeschliffene akustische Gewalt. Irgendwo zwischen dunklen Gitarren und Industrialsound kratzt sich der Sound mit langen Fingernägeln in deine Ohren. Textlich geht es wie auf dem ganzen Album um Romantik, Gewalt, Sex und verschachtelte Politik.

Daneben stehen Songs wie der Titeltrack „Heaven Upside Down“, der schon fast hardrocktechnisch rüberkommt, weniger Gas gibt und weniger Ecken und Kanten hat. Aber wer will schon Marilyn Manson ohne Ecken und Kanten? Die gibt es anschließend mit „Threats of Romance“ zumindest ein wenig mehr. Der Song wirkt auf mich wie ein tragisch-melancholisches Theaterstück. Also genau das, was man neben den sperrigen Ballersounds, von einem Marilyn Manson erwartet und hören möchte. Man sieht ihn förmlich mit einer abgefuckt abgefahrenen Performance dazu vor dem geistigen Auge. Erwarten und erhoffen wird man sich bei ihm auch Songtitel wie “ JE$U$ CRI$I$ “ übrigens. Ein Song in dem gefühlt so oft das Wort „Fuck“ vorkommt, wie Akkordwechsel. Gut so!

 

 

Die wilde Mischung aus Gothicmainstream, Industrial und Metal funktiniert dank einem gewohnt abgefahrenen Marilyn Manson wieder ziemlich gut. Die krassen Überraschungen kann man nicht erwarten. Die Zeit ist irgendwie vorbei. Schließlich hat mittlerweile auch der letzte begriffen, dass die Kirche an sich uncool ist, umgedrehte Kreuze mehr Style als Protest sind und dank RTL2 kann man kostenlos regelmäßig in die Abgründe der Menscheit gucken. Aber wer sich mal wieder in die Abgründe der amerikanischen Musikszene mitnehmen lassen möchte, sollte hier zugreifen. Ob es nun die geplanten oder tatsächlichen Abgründe sind, lass ich einfach mal offen.

 

 

  1. Revelation #12
  2. Tattooed In Reverse
  3. WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE
  4. SAY10
  5. KILL4ME
  6. Saturnalia
  7. JE$U$ CRI$I$
  8. Blood Honey
  9. Heaven Upside Down
  10. Threats of Romance
Marilyn Manson - Heaven Upside Down (Caroline International, 06.10.2017)
3.8Gesamtwertung