Ja okay, zugegebenermaßen musste man mich irgendwie zu meinem Glück zwingen, denn eigentlich bin ich von je her nicht der wirkliche Limp-Bizkit-Fan. Aber wenn der eigene Sohn sich nichts sehnlicher wünscht, als den großen Fred Durst endlich einmal live zu sehen, dann muss man wohl mal in den dann am Ende nicht mehr ganz so sauren Apfel beißen.

Gesagt getan, drei Karten geordert – Leute jetzt mal ehrlich, nen Fuffi für diese alternde Combo aus Florida… da muss man aber schon mal schlucken – mal so am Rande gemeckert. Naja, mal sehen… da muss ja so einiges kommen, wenn einem selbst die Ärzte oder die Toten Hosen für weniger Zaster einen unvergesslichen Abend liefern.

Ach ja, ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Rücksitzbank dank unseres mehr als aufgeregten Fanboys schon während der Fahrt in eine hibbelige Party-Location umfunktioniert wurde, oder?!

Angekommen in Bremen brachen dann beinahe alle Dämme, denn ein bunt gemischter Haufen aus jüngeren und älteren Konzertbesuchern, die Limp Bizkit wahrscheinlich sogar noch aus ihren Anfangszeiten kannten (trugen sie doch schließlich mal wieder ihre alternden Fan-Shirts zur Schau), wartete bereits sehnsüchtig auf Einlass in die Halle 7 des Messegeländes, welche am gestrigen Tag mit 4.000 Besuchern ausverkauft war.

Was soll man groß zur Location sagen, zweckdienlich aber alles andere als schick… ich glaube das beschreibt das Ganze am besten – da lobt man sich doch den in Sichtweite befindlichen Schlachthof… aber der wäre natürlich eindeutig zu klein für die US-Boys gewesen, womit wir direkt zum eigentliche Konzert kommen…

… nach einer gut dreißigminütigen Wartezeit ging es dann nämlich um kurz nach halbneun direkt mit Durst und Co. los – womit wir direkt beim ersten Manko des Abends wären, denn eine Vorband hätte hier sehr gut getan und mich am Ende des kurzen Abends dann vielleicht doch noch ein wenig besänftigt. Aber dazu ein wenig später mehr!

Dass die Amis mich dann in den folgenden nur 70 Minuten, von denen die Hälfte auch noch auf der Bühne lamentiert und gesprochen wurde, rein musikalisch gesehen über alle Maßen überzeugt haben, hierfür möchte ich Fred, Wes, Sam, John und DJ Lethal Respekt zollen – das war groß und im Gegensatz zu den Alben, denen ich wie erwähnt nicht viel abgewinnen kann, wurde hier mächtig Gas gegeben. Sehr auf das Wesentliche reduziert wurden die Nummern in Perfektion runtergerockt, eine große Bühnenshow wie zu vergangenen Zeiten wurde gestern eher klein geschrieben, was ich persönlich sehr sympathisch fand. Lediglich Wes Borland war wieder einmal in seinem Element und zeigte sich wenig bekleidet aber in gewohnt verstörender Gesichtsbemalung und zog seine Kreise durch die feierwütige Gemeinde und beglückte den Moshpit mit seiner Anwesenheit.

Apropos Anwesenheit, bei „My Generation“ machte sich Fred himself dann schlussendlich auch auf, die Halle zu erkunden und verwirrte hiermit nicht nur die tobenden Fans, sondern sorgte auch bei den Securitys für die eine oder andere Herzattacke – Absprachen gehen anders ;-).

Ansonsten wurde wieder einmal die Fannähe groß geschrieben, sodass erst ein Besucher auf die Bühne geholt wurde, um gemeinsam einen Song zum Besten zu geben, um kurz danach einen mutigen jungen Mann zu animieren, seinen Junggesellenabschied gemeinsam vor 4.000 Besuchern auf der Bühne zu feiern – ein abgefahrenes Song-Duett inkl. abschließender Knutschattacke mit einem Roadie und Wes inbegriffen. Tja, was hätte ich meinem Sohn in dem Moment alles sagen können (wenn er nicht total verstrahlt und mega begeistert mit seinen Augen an die Bühne gefesselt gewesen wäre)… ich denke irgendwas wie „jau, das ist Rock’n’Roll“ oder ähnlich sinnfreies.

So gab eins das andere, ein Song wechselte sich mit dem nächsten ab (ich persönlich kenne eh nur drei bis vier… und die waren mit „Rollin“, „Behind Blue Eyes“ und „Break Stuff“ auf jeden Fall dabei, soviel ist sicher!) und der Abend bewegte sich mit immens großen Schritten auf das noch viel größere Finale zu. Denn mit „Take A Look Around“ brachen dann nochmal die bereits am Anfang erwähnten Dämme und der komplette Saal tobte sich in eine kollektive Ekstase… wenn jetzt noch Vollgas bei den Zugaben gegeben werden würde, dann sollte die Halle 7 wohl noch abgerissen werden.

So die Idee, aber die Realität sah dann alles andere als rosig für die wartende Menge aus. Nach der Nummer verließen die fünf nämlich ohne jegliche weitere Ansage die Bühne und die Crew begann schon bei gedimmten Licht die Verstärker abzubauen. Ungläubig warteten alle darauf, dass Limp Bizkit noch einmal auf die Bühne kommen und die Meute komplett zerlegen würden – aber nix da, denn dann ging das Saallicht an und alle schauten sich irritiert und ein wenig angefasst an.

 

Fazit:
+ Eine Band die mich vorher nie überzeugt hat, konnte hier rein musikalisch gesehen mit ihrem hart gespielten Crossover einige Pluspunkte sammeln
+ ein absolut glücklicher und zufriedener 13-jähriger bekam auf der kompletten Rückfahrt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht
+ man kann mit knapp 50 immer noch extrem abgehen

– etwas über 70 Minuten Spielzeit mit viel Gesabbel auf der Bühne waren bei dem Eintrittspreis von 50 € schon beinahe eine Frechheit!
– Und Fred, wir sind hier in diesem Land noch nicht alle verblödet und können deine Sprache durchaus verstehen… musst also nicht immer und immer wieder nachfragen, gell! 😉

 

Weitere Tourdaten:
11.07.19 Düsseldorf, Mitsubishi Electric HALLE
13.07.19 Saarbrücken, Congresshalle
14.07.19 München, Zenith

BANDPAGEFACEBOOK