Isolation Berlin ist ungelogen eine meiner Lieblingsbands. Als ich Körper zum ersten Mal hörte, wurde die EP direkt gekauft. Auf den Auftritt beim Melt Festival 2016 habe ich sehnsüchtig gewartet, genauso wie auf das neue AlbumSerotonin, welches ich mit Fake von den Nerven bis jetzt mit zu den besten Alben des Jahres zählen würde. Ja, ich finde Isolation Berlin wirklich richtig gut. Im Jahr 2016 veröffentlichten die Berliner nicht nur ihr Debut Album „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ sondern auch das Album „Berliner Schule/Protopop“ und ich finde, dass Isolation Berlin durchaus das Dependant zur Hamburger Schule bilden.

Im Gleis 22 in Münster, einem kleinen, dunklen, stickigen Club, habe ich Isolation Berlin am 5. Mai 2018 live gesehen. Ich war überrascht, denn das Publikum war zwar bunt durchmischt, doch jüngere Gesichter hat man eher weniger gesehen, außerdem war das Publikum zu 80 % männlich, was mich noch mehr verwundert hat.

Als Vorband spielte die feierwütige Hamburger Rock´n´Roll-Band Swutscher, für mich die perfekte Vorband für Isolation Berlin. Der Raum füllte sich und der Pegel meines Nachbarn auch, der schon bei Swutscher sämtliche Lyrics des Hauptacts zum Besten gab. Die Lyrics von Swutscher sind nicht so traurig und funktionieren auch ohne Hang zur Depression ziemlich gut. Musikalisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen Ton Steine Scherben, Nina Hagen und dem Nino aus Wien. Zusammen mit Isolation Berlin wird dann live das Bierstübchen besungen, es wirkt, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Isolation Berlin eröffneten ihr Set mit Annabelle, mein Nachbar und dann auch noch seine Freunde sangen fast so laut wie Tobias Bamborschke und ließen richtig raus, dass sie wirklich alle Texte mitsingen können. Mein Vordermann filmte leider das gesamte Stück mit seiner Handykamera, mein Platz war also nicht optimal. Trotzdem war die Stimmung tadellos, die Luft wurde stickiger und der gesamte Raum war in Bewegung. Der Sound war leider nicht ganz so gut, was einige Leute dazu brachte, sich gleich mehrmals lauthals zu beschweren. Die Band spielte unbeirrt weiter und ignorierte die Störer einfach. Der Vorfall war vergessen und allzu schlimm kann das Sound-Problem nicht gewesen sein, da beim Moshpit gefühlt das gesamte Publikum dabei war. Die Stimmung war richtig gut, auch musikalisch war ich überzeugt. Isolation Berlin spielten eine gute Mischung aus älteren und neueren Songs, hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und Tobias Bamborschke agierte super souverän mit dem Publikum.

Obwohl mir das Publikum zum Teil echt auf die Nerven ging, hat mir das Konzert sehr gut gefallen. Denn aus irgendeinem Grund war alles super stimmig, trotz spießiger Kalamitäten. Wie kann es auch anders sein, wenn Isolation Berlin spielt?