Den ersten lauen Sommerabend des Jahres eröffnen Ilgen-Nur aus Hamburg. Die „Queen of Slackerness“ und ihre dreiköpfige Band um den Trümmer Gitarristen Paul Pötsch gibt in der ausverkauften Essener Weststadthalle Lieder über das Erwachsenwerden lässig zum Besten. Ihr englischsprachiger Indiesound wildert dabei auch ein wenig in Shoegaze- und Postpunktgefilden.

Nach einer etwa halbstündigen Umbauphase wird es dunkel: zu den Klängen von Prokofiews „Tanz der Ritter“ betreten Tocotronic die Bühne. Hinter der Band erstrahlt nun das Bühnenbild, der vom aktuellen Album „Die Unendlichkeit“ bekannte Sternenhimmel und die vier Hamburger beginnen ihr Konzert mit ihrem gleichnamigen aktuellen Titeltrack. Mehr Theatralik geht kaum. Aber es passt ohne peinlich zu wirken: vielmehr scheinen Tocotronic visuell wie musikalisch nochmals ein Stück zugelegt zu haben und transportieren die Dynamik des Liedes perfekt auf die Bühne.

In den nachfolgenden knapp 90 Minuten werden 5 weitere Lieder der aktuellen Platte und ein bunter Strauß Lieder aus der 25 jährigen Bandgeschichte zum Besten gegeben. Kernstücke wie „Let There Be Rock“, „This Boy Is Tocotronic“, „Hi Freaks“ oder „Hier leben, nein Danke“ wurden genauso wie eher selten live gespieltes („Letztes Jahr im Sommer“) dargeboten und auch die Auswahl der 6 aktuellen Lieder spiegelte passend die Platte.

Nicht nur visuell (den zwischenzeitlich fast schon dandyhaft auftretenden Dirk von Lotzow kleidete ein schlichtes schwarzes T-Shirt) sondern auch inhaltlich und musikalisch erfolgte dabei eine Rückbesinnung. Von Lotzows Ansprachen blieben kurz und klar, teilweise fast schon parolenhaft und ihre Musik wirkte schneller, teilweise fast schon hart. Dabei übten sie sich im Verzicht auf Keyboard, Synthieklänge oder Samples. Ein Stück jagte das Nächste. Doch diese (neue) Aggressivität wusste zu gefallen.

Und als von Lotzow alleine, nur mit Akustikgitarre „Unwiederbringlich“ performte, fand das Publikum auch wieder Zeit zum Durchatmen. Andächtig ruhig, war es der bewegendste und berührendeste Moment des Abends.

Die Wandlung bzw. musikalische wie textliche Rückbesinnung kleidete Toctronic gut und wusste mir wie dem, zumindest zu Teilen mit der Band gealtertem, Publikum dementsprechend gut zu gefallen.