Bei diesem Artikel handelt es sich letztlich um einen Mehrteiler. Aber fangen wir am Anfang an: Ich sitze im Dortmunder FZW in einem Backstageraum, während auf der Bühne noch der Soundcheck läuft. Die Show heute findet im kleineren, mir wesentlich sympathischeren, Saal statt. Citizen und Turnover haben das „kleine FZW“ ausverkauft und während sich vor der Tür langsam eine Schlange bildet, herrscht im Backstage geschäftiges Treiben. Ich habe heute die Möglichkeit, mit beiden Bands Interviews zu führen (Daher Mehrteiler). Mir gegenüber sitzen mittlerweile die Brüder Austin und Casey Getz, sowie Bassist Danny von Turnover,  um ein wenig über Virginia, Pop-Punk und ihr aktuelles Album „Peripheral Vision“ zu sprechen.

Björn:
Hallo zusammen, seid ihr gut in Dortmund angekommen und wie ist die Stimmung bei euch?

Austin:
Mittlerweile sind wir wieder frisch.

Casey:
Wir waren gestern in Amsterdam noch feiern und jetzt ein wenig verkatert.

Björn:
Habt ihr eine richtige Partynacht erlebt in Amsterdam?

Austin:
Ja, es war super, ist aber auch sehr spät geworden. Eine sehr interessante Nacht.

Casey:
Vermutlich die beste Nacht bisher auf dieser Tour.

Björn:
Seid ihr heute zum ersten Mal hier?

Austin:
Nein, wir waren vor zwei Jahren schon mal hier auf Tour, allerdings waren wir noch nie in Dortmund.

Björn:
Mich würde interessieren, wie ihr alle zum Musik machen gekommen seid. Wie war die Szene in eurer Heimatstadt?

Austin:
Also Casey und ich kommen aus einer kleinen Stadt namens Virginia Beach. Die Szene da war eine Weile lang ziemlich gut. Ich habe angefangen mit Schulfreunden in Bands zu spielen, wir hatten ein Paar gute Venues und gute Veranstalter dort und es sind ziemlich viele tourende Bands in die Stadt gekommen. Wir hatten also schon früh einen ziemlich guten Anschluss. Das war allerdings vor vier bis fünf Jahren. Die Stadt ist jetzt nicht mehr so wie früher.

Björn:
Hat euch eure Herkunft von der Ostküste irgendwie geprägt. Ist es für euch wichtig, eine Ostküsten-Band zu sein oder spielt das überhaupt keine Rolle?

Austin:
Ich persönlich identifiziere mich eigentlich überhaupt nicht mit Virginia.

Casey:
Ich eigentlich auch nicht.

Danny:
Der Vorteil daran von der Ostküste zu stammen, ist, dass eine Menge Bands in dieser Gegend unterwegs sind. Wenn man im mittleren Westen wohnt, hat man viel weniger Chancen seine Lieblingsband zu sehen, einfach weil da nicht so viele Bands durchkommen.

Austin:
Günstig ist auch, dass die Städte an der Ostküste nicht so weit auseinander liegen. Das macht das Touren viel einfacher, weil es nicht so viel Sprit kostet. Nur deswegen war es früher für uns möglich, die Band zu machen. Virginia Beach ist kein schlechter Ort, um eine Band zu starten, da gibt es mit Sicherheit viel schlimmere Städte. Wir hatten schon sehr früh eine große, lokale Fanbase dort. Ich glaube aber nicht, dass das zwingend unsere Musik beeinflusst hat.

Björn:
Gibt es denn bestimmte Bands, die euch geprägt haben. Könnt ihr euch an die erste Band, die ihr wirklich mochtet, erinnern?

Austin:
Ich weiß noch, dass, als ich noch sehr jung war, die „Enema Of The State“ von Blink 182 einen großen Einfluss auf mich hatte. Das ist die älteste, musikalische Erinnerung von einer Band, die mir etwas bedeutet hat.

Casey:
Deswegen haben wir mit Turnover auch als Pop-Punk Band angefangen.

Björn:
Hat das noch immer eine Bedeutung für euch, oder war das nur etwas, dass in eurer Jugend wichtig war und ihr jetzt nicht mehr hört?

Austin:
Ich würde sagen, das ist bei jedem von uns anders.

Casey:
Ich interessiere mich immer noch für diese Bands, aber mein Geschmack hat sich auch verändert und erweitert.

Austin:
Das gilt vermutlich für alle. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal eine Blink– oder Saves The Day-Platte angemacht habe, aber ich mag diese Bands immer noch. Aber, wie Casey auch schon sagte, mein Musikgeschmack hat sich auch erweitert und ich höre auch ganz viel anderes Zeug mittlerweile.

Björn:
Zwischen euren Alben „Magnolia“ und „Peripheral Vision“ hat sich euer Sound ziemlich verändert. Was hat euch zum neuen Sound inspiriert und wie ist es zu dieser Veränderung gekommen?

Austin:
Ich glaube wir haben uns nie bewusst dazu entschieden ein Album zu machen, das so klingt wie „Peripheral Vision“. Wir haben nie absichtlich nach einem spezifischen Sound für dieses Album gesucht. Das ist außerdem das erste Album, an dem Eric (Gitarre) beteiligt gewesen ist. Das hatte natürlich auch einen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir an Songs herangegangen sind und spielt letztendlich auch eine große Rolle. Wir haben im Vergleich zu „Magnolia“ einfach viel enger zusammengearbeitet und kreative Ideen ausgetauscht. Aber, um deine Frage zu beantworten: Wir haben uns nie Gedanken darum gemacht, unseren Sound bewusst zu verändern.

Björn:
Was für eine Kombination von Menschen seid ihr? Gibt es sowas, wie Team Geschwister und Team Die Anderen?

Casey:
Wir haben alle ein ziemlich interessantes Verhältnis zueinander. Als Austin und ich jünger waren, haben wir uns als Brüder nicht so gut verstanden, wie wir das jetzt tun. Eric ist ein ziemlich neues Mitglied, er ist einfach noch nicht so lange dabei wie der Rest. Insgesamt ist es aber sehr einfach, wir sind ja auch nur vier Leute, das macht es unkomplizierter.

Björn:
Gab es einen Punkt in den letzten Jahren, an dem ihr bemerkt habt, dass die Band immer größer wird und immer mehr Aufmerksamkeit generiert?

Austin:
Ich denke dieser Punkt ist jetzt gerade.

Casey:
Ja, ich denke auch. Wir hatten gerade eine UK-Tour, die ziemlich gut lief. Die Shows waren viel besser als wir erwartet hatten. Was diese Tour angeht: Das ist jetzt erst die dritte Nacht, ich kann das also noch nicht einschätzen. Heute ist der erste Tag in Deutschland und ich hoffe, dass die Show gut wird.

Austin:
Wir machen das jetzt schon ziemlich lange und wir haben schon viele schlechte Shows und schlechte Touren gespielt. Mit „Peripheral Vision“ haben wir jetzt das bisher positivste Feedback bekommen, mit diesem Album läuft es wirklich gut. Seit wir es letztes Jahr im Mai herausgebracht haben, geht es immer weiter bergauf.

Björn:
Mit welcher Band würdet ihr gerne mal touren, wenn ihr euch jemanden frei aussuchen könntet?

Casey:
Definitiv mit Bands, die anders sind als wir und vielleicht auch etwas anderes machen.

Austin:
Unser Ziel ist es, mit Bands zu touren, die uns dabei helfen können unseren musikalischen Horizont zu erweitern. Es ist natürlich immer schön, mit Bekannten zu touren und Leuten, mit denen du dich gut verstehst. Es ist aber auch interessant, diese Komfort-Zone mal zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren.

Björn:
Könntest du dir eine bestimmte Band vorstellen, bei der das so wäre, oder ist das eher ein genereller Ansatz?

Austin:
Ich denke da an keine bestimmte Band, nein, einfach nur generell gesprochen. Mir fällt eigentlich keine Band ein, die ich vorziehen würde.

Björn:
Wie sieht für euch eine perfekte Show aus, wie muss ein Auftritt sein, damit ihr glücklich damit seid?

Austin:
Das wichtigste für mich ist, dass jeder sich gut fühlt und zufrieden mit dem Set und seinem Sound ist. Wenn man so lange zusammen spielt, bekommt man ein Gespür dafür, wenn jemand unzufrieden mit etwas ist oder die Setliste nicht gut findet. Und dann ist es natürlich wichtig, dass man mit dem eigenen Sound glücklich ist, und ein positives Feedback vom Publikum bekommt. Idealerweise sind also alle in der Band zufrieden mit der Show und das Publikum ist auch glücklich. Wenn das alles gleichzeitig passiert: Perfekt.