Auf neue Musik von Glasgow Coma Scale habe ich schon lange gewartet. Kurz vor Weihnachten erfüllt sich mit dem Album „Enter Oblivion“ dieser Wunsch. Die letzte EP der Band „Apophenia“ rotiert immer noch regelmäßig in meiner Stereoanlage. Die post-rockenden Klänge mit Einflüssen von Sigur Ros, Maserati oder Pelican sind einfach zu schön um nicht gelegentlich gehört zu werden.

Die Band hat sich nach nach einer neurologischen Methode benannt, welche es wohl erlaubt den Zustand des zentralen Nervensystems eines Patienten zu erfassen. Glücklicherweise klingen die instrumentalen Post Rock Songs auf „Enter Oblivion“ weniger theoretisch, eher handfest.

Glasgow Coma Scale interpretieren den Post Rock manchmal sehr deftig, sehr oft schleichen sich dann aber diese feinen progressiven und sanften Melodien und Rhythmen zwischen die Gitarrenriffs und wissen zu entzücken.
Ein gutes Beispiel dafür ist „Sonda“. Der fünf Minuten lange Song eröffnet das Album mit dicken, fast schon wilden Riffs, nach ein paar Takten übernehmen Bass und Schlagzeug den Song, ab diesem Zeitpunkt kühlt sich der Song ab, dies meine ich keineswegs negativ, und die Melodien scheinen nur so aus den Lautsprecher zu fließen. Gegen Ende des Liedes drücken Glasgow Coma Scale dann wieder auf das Gaspedal.

„Southern Crosses“ dagegen ist fast komplett ruhig ausgefallen. Die sanften Gitarren werden von Effekten umlagert, kleine elektronische Soundspielereien sorgen im Hintergrund für einen dichten Soundteppich. In der letzten Minute des Tracks geht es allerdings härtetechnisch wieder rund!

Den dynamischen Wechsel zwischen verschiedenen Stimmungen findet man in jedem Song des Albums. So halten Glasgow Coma Scale ihre Musik dann auch interessant. Oft passiert es ja, grade bei rein instrumentaler Musik, dass Song vor sich hin dudeln und im Nichts versinken. Nicht so auf „Enter Oblivion“. Hier macht alles Sinn, Langeweile kommt bei keiner Note auf.

„Enter Olivion“ ist ein feiner musikalischer Abschluss eines musikalischen Jahres 2016.

cover

1. Sonda
2. Southern Crosses
3. Northern Wastes
4. Venice Calling
5. Ghost Not Found
6. Silent Bird
7. Birthland

http://www.glasgowcomascale.de/

Glasgow Coma Scale - Enter Oblivion (Fluttery Records, 12.12.2016)
4.5Gesamtwertung