Derzeit ist in der Musikszene Brightons, dem freundlichen kleinen Küstenstädtchens südlich von London, wieder einiges los. Zeitgleich mit dem neuen Cultdreams-Album erscheint auch das Debüt des Trios Gender Roles.

Nach zwei vorangegangenen EPs ist „Prang“ nun der erste Langspieler und wartet mit einer gelungenen Mischung aus Indie-/Post- und Lo-Fi-Punk auf. Die Produktion des Albums entstand in gerade mal zehn Tagen und dementsprechend homogen klingt das Werk dann auch.

Sound spielt keine allzu große Rolle, die Songs sind rotzig, wenig durchproduziert und irgendwie carelessly cool. Der Fokus liegt ganz eindeutig auf dem Songwriting, das im Vergleich zur Produktion durchaus hochwertig ist. Oft fühlt man sich an die Hoch-Zeiten des 2000er-Postpunk-Revivals erinnert, bevor dann doch wieder ein brachial verzerrter Bass mehr Druck aufs Klangbild gibt, die Vocals inklusive Lo-Fi-Telefoneffekt einsetzen und den Schwerpunkt wieder auf Punk denn Post- legen.

Energetisch ist das Brightoner Trio, und verdammt groovig, das hört man in jedem der zehn Songs auf „Prang“. Hatte ich bereits den geilen Bass-Sound erwähnt? Hier arbeiten alle drei Instrumente nach dem ähnlichen Aufbau zusammen: Cooler, grooviger Anfang in fast jedem Song, eingängiger Chorus, unaufhaltsame Catchiness. Bis dann ein, für den Zissel-Post-Punk doch recht brachialer, C-Teil hineinbricht. Hervorragend funktioniert das besonders auf der Single „You Look Like Death“, die gleichzeitig als Opener fungiert.

Post-Punk-Fans und wohl auch alle, die gerne mal das Tanzbein zu einer catchigen Nummer in der Alterna-Disco schwingen, dürften bei Gender Roles wirklich bestens aufgehoben sein. Denn dafür ist die Musik des Trios vermutlich am besten geschaffen und tritt damit in die Fußstapfen der Franz Ferdinands, Bloc Partys und The Subways. Nur ein bisschen undergroundiger, rotziger und sehr homogen.

01. You Look Like Death
02. Always
03. Deep End
04. Hey With Two Whys
05. Ickie
06. Your War
07. Tip Of My Tongue
08. School’s Out
09. That’s How You Want It To Be
10. Bubble

Gender Roles - Prang (Big Scary Monsters, 16.08.2019)
4.2Gesamtwertung