Avantasia, der Metalabklatsch von Disneys Fantasia. Aber wird das Projekt von Tobias Sammet zu Unrecht von vielen Belächelt? Meiner Meinung nach ja. Nicht zuletzt sein Gespür für eingängige Melodien sorgt dafür, dass Avantasia genau eines ist, nämlich massenkompatibel. Ob die Wartezeit von 3 Jahren seit dem letzten Longplayer gerechtfertigt war? Ich denke schon. Vor allem das obligatorische Mitwirken diverser Metalgrößen führt zu einem „Who is Who“ auf der Gästeliste. Natürlich ist das auch bei den Lead-Gitarristen nicht anders. Zu Bruce Kulick, Oliver Hartmann und Sascha Paeth brauche ich wohl nicht viel sagen.

Der Opener „Mystery of a blood red Rose“ kommt im klassischen Hardrock Gewand daher. Die treibende Piano-Begleitung erinnert stark an Meatloaf und auch Sammets Gesang ist etwas an den großen Meister angelehnt. In seiner Machart könnte der Song auch gut in ein aktuelles Musical passen, wo wir wieder bei dem Thema massenkompatibel wären.

Mit über 12 Minuten ist „Let the Storm descend upon you“ eine echte Hausnummer. Beachtenswert ist, dass die Nummer an keinem Punkt langweilig wird. Der Wechsel und das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Vokalisten lässt einen immer wieder aufhorchen. Ich bin fast Versucht diesen Song mit dem Wort episch zu beschreiben, nah dran ist er auf jeden Fall.

Ein ruhiger Pianolauf am Beginn von „The Haunting“ lässt uns nicht im Geringsten erahnen was uns hier heimsuchen wird. Spätestens wenn der Gesang von Dee Snider einsetzt wird klar, der Song macht seinem Namen alle Ehre. Träge schleppt sich die Nummer dahin und erzeugt dadurch eine fast bedrohliche Stimmung. Schön gemacht.

Nicht weniger bedrohlich ist die Stimmung, die „Seduction Of Decay“ zeichnet. Kein geringerer als Geoff Tate gibt hier, zusammen mit Sammet, alles. Leider sind sich die Stimmen der beiden etwas zu ähnlich. Mehr Kontrast würde den Vocals sicher gut tun.

„Ghostlights“, der Titelsong des Albums, geht gleich zu Anfang etwas flotter zu werke. Ein stimmlich topfitter Michael Kiske liefert zusammen mit Jorn Lande eine stimmliche Meisterleistung ab. Als Titelsong ist diese Nummer mehr als würdig.

Herbie Langhans (Ex-Seventh Avenue) steuert sehr interessante Vocals zu „Draconian Love“ bei. Gerade durch ihre Unterschiedlichkeit ergänzen sich die beiden in diesem Song sehr gut. Die Nummer wirkt in ihrer Gänze zwar etwas poppig ist aber gut gemacht.

Tarot Frontmann Marco Hietala, einigen vielleicht auch als Basser von Nightwish bekannt, brüllt bei „Master Of The Pendulum“ den armen Tobias Sammet in Grund und Boden. Allerdings hätte ich mir doch ein paar Zeilen mehr von Hietala gewünscht. Auch hier tut der Kontrast der beiden Stimmen dem Song gut.

„Isle Of Evermore“ könnte ohne weiteres auf einer Within Temptation Platte erscheinen. Die Stimme von Sharon Den Adel hört man natürlich sofort raus aber auch vom Stil her ist der Song leicht an Within Temptation angelehnt. Eine ruhige aber durchaus gefällige Nummer.

Nachdem die letzten Stücke etwas ruhiger waren, geht es bei „Babylon Vampyres“ wieder etwas mehr vorwärts. Leider fällt der Gastsänger, Robert Mason, aufgrund der Ähnlichkeit der Stimmen nicht wirklich auf. Da ist schon genaues hinhören angesagt. Das stellt aber eigentlich kein Problem dar denn wer wird diese Scheibe schon leise hören?

Duett gefällig? Jorn Lande und Tobias Sammet geben in „Lucifer“ ein echt tolles Paar ab. Die raue ungeschliffene Kraft von Lande ergänzt durch die klaren Höhen von Sammet sind echt lecker. Das saubere Gitarrensolo setzt dem Ding dann noch die Krone auf. Tolles Ding.

Für „Unchain The Light“ holt sich Sammet neben Kiske noch Ronnie Atkins dazu. Dadurch entsteht wieder ein sehr schöner Kontrast zwischen den verschiedenen Stimmfarben. Auch musikalisch ist der Song in sich stimmig, wobei ein paar Ecken und Kanten sicher nicht gestört hätten. Eine kleine Auflockerung bringt das kurze Gitarrensolo gegen Ende.

Die letzte Nummer der Scheibe ist „A Restless Heart And Obsidian Sky“. Im Gewand einer klassischen Ballade gibt Magnum Frontmann Bob Catley zusammen mit Sammet sein Bestes. Im Refrain, schön hinterlegt mit Chören, geht es mit etwas mehr Biss zur Sache. Wie auch der Opener ist die Schlussnummer Musical tauglich. Sauber arrangiert und gekrönt von einem sauberen Zusammenspiel aller Instrumente.

 

Avantasia - Ghostlights - Artwork

Tracklist:

  1. Mystery Of A Blood Red Rose
  2. Let The Storm Descent Upon You
  3. The Haunting
  4. Seduction Of Decay
  5. Ghostlights
  6. Draconian Love
  7. Master Of The Pendulum
  8. Isle Of Evermore
  9. Babylon Vampires
  10. Lucifer
  11. Unchain The Light
  12. A Restless Heart And Obsidian Skies
Avantasia - Ghostlights (Nuclear Blast Records, 29.01.2016)
4.2Gesamtwertung