Simeon Soul Charger waren eine der aufregendsten Rockbands, die deutsche Bühnen in den letzten Jahren heimgesucht haben. Waren. Leider. Nachdem sich ihr Sänger und Gründer Aaron Brooks Anfang des Jahres vom Bühnengeschehen zurückgezogen hat, beschlossen die restlichen drei Musiker – Gitarrist Rick Phillips, dessen Bruder, Bassist Spider Monkey, und Schlagzeuger Joe Kidd – den Stecker zu ziehen und die Band zu Grabe zu tragen. Nach einer Tour als Trio wollte man seinen Fans mit einem großen Konzert in Landshut Adieu sagen.

Wer Simeon Soul Charger waren und warum sie sich jetzt zerstreuen, das erfahrt ihr in unserer (Interview-)Story, wenn ihr hier klickt. Einen Bericht zum Abschiedskonzert liefern wir euch mit einer Träne im Auge damit:

Die Stimmung in Landshut war aufgeregt bis angespannt. Sollte das wirklich das letzte Mal sein, dass man diese liebgewonnene Band, die ihre Fans in den letzten Jahren so zuverlässig mit absolut magischen Auftritten und tollen Songs verwöhnt hat, live bewundern kann? Ja, ist wohl leider so. Doch die kostenlos zu besuchende Show war ein rauschendes Fest, eine Art übergroße Jamsession mit vielen Freunden auf und vor der Bühne. Ganze 16 befreunde Musiker hatten die drei US-Amerikaner eingeladen, um Songs von Simeon Soul Charger und lieb gewordene Coverversionen zu spielen.

Auch viele Fans waren dem Ruf nach Niederbayern gefolgt. Unter anderem welche aus Italien und Ungarn. Sie sollten den weiten Weg nicht bereuen. Los ging es mit „Sitting On The Rainbow“. Die Band: nach wie vor eine unerschütterliche Einheit, die traumwandlerische zusammen spielt. Gitarrist Rick als Sänger: mehr als nur ein notgedrungener Ersatz für Aaron Brooks. Es folgte ein wilder Parforceritt durch die leider viel zu kurze Band- und auch durch die Rockgeschichte.

Ein euphorisches „Have Love, Will Travel“ der Sonics war da nur der Anfang. Besonders spannend wurde es gerade dann, wenn die Band sich einen (oder mehrere) der geladenen Gäste mit auf die Bühnenbretter holte. Ein erster großer Höhepunkt war ein Cover von Pink Floyds „Comfortably Numb“, das sich mit einem zweiten Herrn an der Sechssaitigen in ein wahres Gitarreninferno verwandelte. Überhaupt: ein Konzert, ein einziges, intensives Gitarrensolo! Rick Phillips holte alles aus seiner knallbunt angemalten Gibson SG heraus und gab sich als wahrer Magier an seinem Instrument. Eine richtige Galavorstellung.

Die ersten eineinhalb Stunden vergingen wie nix und die Band hatte sich eine Pause redlich verdient. Danach folgte noch ein weiteres, sogar längeres Set, das den Rausch noch größer werden ließ, selbst wenn einen ein Akustikpart etwas abkühlen sollte. Doch der sorgte nur noch mehr für Gänsehaut. Die Ballade „Dear Mother“ war wunderbar und es ist schade, dass man dieses von vielen Kehlen mitgesungene Lied nicht mehr live hören wird. Noch viel mehr schade ist es bei dem irren Long- und Abschlusstrack „The Swallowing Mouth“, der gemeinsam mit mehreren Sängern und Instrumentalisten auf über 20 Minuten gestreckt wurde. Noch heute habe ich das manische Lachen von Joe Kidd im Ohr…

Welch‘ ein Auftritt! Er war lang (fast vier Stunden), er war abwechslungsreich und voller Leidenschaft. Verdammt rockig und verspielt, mit den beiden Produzenten ihres letzten Albums beim Instrumental „The Illusionist“ regelrecht krautrockig trippig, der Hit „Someone Shoot The Fucking TV“ wurde mit einem Rastaman zu einer betont lässigen Vorstellung – und dazwischen immer wieder Perkussion an Kochtöpfen und Mülltonne. Der Abschied mit der luftigen Bob-Dylan-Nummer „I Shall Be Released“ und allen Gästen auf der Bühne war ziemlich schwer.

Wir werden euch vermissen Jungs – ehrlich!

 

Mehr zur Band und Hintergrundinfos zum Konzert, siehe unsere Interviewstory.

 

 

Setliste:
Sitting On The Rainbow
Have Love, Will Travel
Jane (A Bird In Flight)
Cain
Able
Ashes
Doris / Comfortably Numb
Led Monkey
Rattlesnake Shake
Have A Cigar
F.H.E.R.M.
Coffin Party
Roadhouse Blues

Fearless
Dear Mother
Death Afterlife / Into The Afterlife
Drum-Solo
Rockets
Sunshine / Changes
Gimme Shelter
The Illusionist
Workers Hymn
Heavy
Someone Shoot The Fucking TV
Norwegian Wood
I Put A Spell On You
The Swallowing Mouth
I Shall Be Released

War Pigs

 

 

Die Gäste mit Kommentar von Gitarrist Rick:

– Ben „Harly Harper“ (Mundharmonika) hat uns schon öfter als Roadie bei uns ausgeholfen und ist ein guter Freund der Band geworden. Ben spielt mit uns auch im Classic-Rock- & Blues-Coverprojekt Fat Angel.

– Günter Janovsky (Gesang) führte den Hirsch Jazz Club in Moosburg und singt in einer Rolling-Stones-Coverband namens The Jumpin’ Jacks. Wir trafen Günter 2010 auf unserer ersten Tour durch Deutschland.

– Marc Dorendorf (Gitarre) ist aus München. Er spielt in verschiedenen Projekten. U.a. in Tributebands von Jimi Hendrix und Pink Floyd. Wir haben ihn durch die Videoleute littleguitarslinger.de kennen gelernt.

– Stefan Rosinger (Gitarre) spielt in der Santana-Tributeband Jingo La Ba. Wir haben ihn kennen gelernt, als er Gitarrist in der bayerischen Rockband Lampert war. Stefan arbeitet auch im Sigma/-Martin-Gitarrenladen in München und hat uns geholfen Endorsements und Werbung über die Firma zu bekommen.

– Maex Huber (Perkussion) ist Frontmann und Schlagzeuger der Band Lampert. Wir haben uns mit der ganzen Band angefreundet und viele Konzerte und Jam-Sessions mit ihnen gespielt.

– Beni Wiedemann (Keyboard) ist auch bei Lampert und einer der besten Keyboarder die ich kenne.

– Schlichi (Gitarre, Mandoline, Gesang) arbeitet ebenfalls für Sigma/Martin und ist ein meisterhafter Gitarrenbauer. Er spielt in vielen Projekten im Raum Freising – inklusive eines Bob-Dylan-Tributes.

– Audio Bombing Crew (DJs), Stephan und Markus. Ihnen gehört und sie betreiben das Panorama Tonstudio in Pfaffenhofen a.d. Ilm. Wir haben dort unser Album „A Trick Of Light“ aufgenommen.

– Julia Schröter und Norbert Bürger (Gesang und Gitarre) sind ein musikalisches Team das wir 2010 auf unserer ersten Deutschlandtour getroffen haben.

– Wolfram Kunz (Gesang) ist Sänger und Gitarrist der Münchener Ska-/Reggae-Band Sentilo Sono. Ich habe ihnen bei den Aufnahmen des Albums „Prost“ in den Mind Control Productions in München geholfen.

– Claudio Volino (Gesang) ist Sänger und Gitarrist der Stoner-Rock-Band Savora aus Passau. Wir haben das erste Mal 2011 mit ihnen gespielt und wurden sofort gute Freunde.

– Mark Anderton (Gitarre) ist Gitarrist und Sänger seines Cover-Trios The Anderton Experience. Er war auch Gitarrist bei Der König und sein Offizier. Wir sind zusammen auf unserer ersten Deutschland-Tour gemeinsam aufgetreten.

– Mike Manhart (Gesang) ist Sänger und Gitarrist bei Der König und sein Offizier. Er ist auch in Sachen Videoproduktionen tätig und hat für uns die beiden Clips zu „Coffin Party“ und „Europa’s Garden“ gemacht. Mein Bruder Spider und ich haben Mikes Band Rescue Annie produziert und mit ihnen aufgenommen. Stefan Rosinger spielt auch in dieser Band.

– Sandra Rieger (Geige) spielt auf unserem Album „Harmony Square”. Wir haben sie auf der Hochzeit von Mike Manhart kennen gelernt. Er wollte, dass wir dort mit ein paar klassischen Streichern zusammen spielen.