Balance And Composure sind eine der Bands, die vor allen Dingen im Zuge des 90er-Revivals der letzten fünf Jahre auf der Bildfläche erschienen sind, und sich mit einigen EPs , einer Split mit den Kollegen von Tigers Jaw und zwei Alben beim angesagten Indie-Label No Sleep Records einen Namen machen konnten. Während das frühe Material noch sehr Emo-Punk-lastig klang, zeigte sich das Debüt-Album „Seperation“ deutlich vielseitiger. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Formation aus Doylestown in Pennsylvania immer wieder mit Grunge-Revival-Vertretern à la Citizen, Daylight (später Superheaven) oder Basement verglichen. Aufgrund der jugendlichen Stimme Jon Simmons‘, die einen Anker zum melancholisch-theatralischen Emo-Sound darstellt, fand sich die Band auch häufig in Vergleichen mit den Genre-Titanen von Brand New wieder. Das zweite und bisher kommerziell erfolgreichste Album „The Things We Think We’re Missing“ wirkt wesentlich homogener und hat mir persönlich leider nicht so gut wie das famose Debüt gefallen.

„Light We Made“ stellt jetzt einen radikalen Einschnitt im Sound des Quintetts dar. Ähnlich wie die Kollegen von Citizen oder Title Fight findet hier eine starke Orientierung an den 80ern statt. Das macht sich besonders in den Reverb- und Chorus-gefärbten Gitarren bemerkbar. Die von Sound-Guru Will Yip (Turnover, mewithoutYou, Circa Survive, Tigers Jaw etc.) produzierte Platte klingt wesentlich räumlicher als die Vorgänger, Druck und Bombast vergangener Releases sind ad acta gelegt. Ersetzt wurde das Ganze durch eine düstere, unheimliche und zugleich immens faszinierende Klangwelt. Das Songwriting erinnert mit sehr eingängigen, schönen Gesangsmelodien und auch der begrüßenswerten Abwechslung des Debüts zwar streckenweise noch an die Basis der Band, ansonsten sind die Doylestowner aber nicht wieder zu erkennen.

Mit „For A Walk“ und „Postcard“ finden sich einige Hommages an experimentelle Vertreter der Alternative-Szene wie Radiohead und einige Samples, die bis hin zurück zu Kraftwerk erinnern.

Das Schlagzeug ist bei weitem nicht mehr so überproduziert und klingt extrem groovig, post-punkesque, und entfaltet in Verbindung mit den eingängigen Melodien eine geradezu hypnotische Wirkung. Dabei schaffen es Balance And Composure zu keiner Zeit albern oder plakativ zu wirken, sondern kreieren einen absolut authentischen, verträumten, teils düsteren Sound, der einen einfängt und nicht mehr loslässt. Das gute Songwriting, die catchigen aber nicht cheesigen Gitarren- und Gesangsmelodien sorgen dabei für Kurzweil und dafür, dass man zahlreiche Songpatterns auf „Light We Made“ nicht so leicht vergisst. Dieses Album war ein radikaler, ein mutiger und nicht zuletzt ein absolut brillanter Schritt zu dem man Balance And Composure in der Tat nur beglückwünschen kann.

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01. Midnight Zone
02. Spinning
03. Afterparty
04. For A Walk
05. Mediocre Love
06. Postcard
07. Call It Losing Touch
08. Fame
09. Is It So Much To Adore?
10. Loam

Balance And Composure - Light We Made (Vagrant/ Big Scary Monsters/ AL!VE, 04.11.2016)
4.9Gesamtwertung