Cocorosie – Put the shine (Marathon Artists, 13.03.2020)

Für ihr inzwischen siebtes Album haben sich die amerikanischen Schwestern Cassady satte fünf Jahre Zeit gelassen. Auf den zwölf Stücken setzen sie jedoch ihren Weg von der anfänglich verschrobenen Mischung aus Folk, Country und Neofolk hin zu einem mindestens ebenso verschrobenen Artpop mit deutlichen Inspirationen von Björk, Kate Bush und inzwischen auch den Flaming Lips konsequent fort.

Das neue Album bietet einen starken Mix an kräftigen Vorwärtsnummern (“Restless“ mit feinem, sehr prägnanten Flaming-Lips-Bass) oder dem elektronisch verqueren Sounds aus puslierenden Elektrobeats, Schlagzeug und dunkel wabernden Elektrosounds sowie harscher Gitarre (“Smash my heart“). Aber natürlich gibt es auch langsamere Klänge wie das von den wabernden Wurlitzersounds mit mittelamerkanischer Perkussionsprogrammierung versehene “Where did all the soldiers go“.

Beherrscht werden alle Songs natürlich nach wie vor von dem spannenden, manchmal gewöhnungsbedürftige, aber stets packende Gesang der beiden Damen.

Produziert wurde dieses Album mit höchster Raffinesse, vielen Sound- und Arrangementideen, die jeden Song auf ihre Art besonders machen. Auf der einen Seite liefern die beiden hier sicherlich ihr zugänglichstes und somit kommerziellstes Album ab, was aber bei Cocorosie halt immer noch Avantgardepop der feinsten Art bedeutet.

Mit dem neuen Album behaupten die beiden sich auf jeden Fall ganz oben auf dem Artpop-Thron und lassen keinerlei Verschleiß erkennen.

 

Trackliste:
1. High Road
2. Mercy
3. Restless
4. Smash My Head
5. Where Did All The Soldiers Go
6. Hell’s Gate
7. Did Me Wrong
8. Lamb And The Wolf
9. Slow Down Sun Down
10. Burning Down The House
11. Ruby Red
12. Aloha Friday

 

 

Review von Gastautor WOLFANG KABSCH

 

4.5