Nanu, was ist das? Post- oder Avant-Rock? Progressiver Punk oder Hardcore? Irgendwie alles und doch nichts. Der Geist von DIY und ein Hauch von DC-Underground durchweht spürbar die Musik des Potsdamer Trios The Antikaroshi. Die musikalische Herkunft macht sich aber nicht ständig bemerkbar. Vielmehr möchte man das Trio in die Postrock-Ecke drängen. Denn offene Songstrukturen und einfallsreiche Spielereien bestimmen den Sound der Band. Eine zarte Knospe von Psychedelik blüht ebenfalls auf.

Dabei geht der Band die langweilende Lethargie so vieler Postrockbands so gut wie komplett ab. Instrumentale Passagen? Gibt es nicht gerade wenig. Der Gesang ordnet sich oft selbst unter. Aber es bleibt interessant. Mit oftmals getappten statt gezupften und angerissenen Saiten und einem stets treibend groovenden rhythmischen Untergrund begeben sich The Antikaroshi in faszinierende Klangwelten, die sich vor des Hörers geistigem Auge ausbreiten.

Die Band hat mit diesem eigenwilligen Sound bereits drei Alben gefüllt. Fast still und heimlich und ohne große Promotion stellte man kürzlich sein viertes in die (digitalen) Händlerregale. Charmant betitelt hört es auf den Namen „11 Songs Mostly Written And Played On Wednesday Evenings By A Band Called The Antikaroshi” und erscheint ausschließlich auf Vinyl. Keine CD, nur die schicke schwarze für die Ewigkeit gemachte Scheibe. Auch schon irgendwie eine Art Anti-Haltung.

Das passt bestens zur dieser Band, die sich äußerst kritisch mit ihrer Umwelt auseinandersetzt und sich selbst Fragen stellt. So gehen Einstellung und Musik Hand in Hand. Frei von jeglichem Perfektionismus-Hang hat die Band ihre Songs eingespielt, die teilweise etwas grob behauen, aber dadurch umso direkter und zwingender klingen. Und das ganz ohne, dass es das erklärte Ziel der drei Herren ist, regelrechte Ohrwurmhits zu schreiben. Wobei ihnen das mit „After All“ fast gelingt. Das wahre Highlight ist allerdings die Spiellaune der Band und die Liebe zum eigenen Sound.

The Antikaroshi sind Underground-Mucke im besten Sinne. Weit weg vom Mainstream und eigenwillig schön. Keine Liebe auf den ersten Blick. Aber etwas an dem man sich ob seiner Kanten sehr fein festkrallen kann.

The Antikaroshi - 11 Songs Mostly Written And Played On Wednesday Evenings By A Band Called The Antikaroshi

Trackliste:
1. UR
2. The Only Witness
3. After All
4. Blow
5. Teleferique
6. The Know
7. Goodyear
8. Two Decades
9. L.A.M.S.
10. Interlinear
11. Kid

The Antikaroshi – Homepage
The Antikaroshi auf Bandcamp

The Antikaroshi - 11 Songs Mostly Written And Played On Wednesday Evenings By A Band Called The Antikaroshi (Exile on Mainstream Records, 06.05.2016)
4.1Gesamtwertung