Der Curser hat jetzt echt eine lange Zeit auf dem leeren Blatt geblinkt und ich frage mich „Was soll man bitte an so einem schönen sonnigen Tag über eine solch schwarze und deprimierende Platte schreiben?“.
Nerissimo, aus dem Italienischen, eine Art Superschwarz.

Mit „Still Smiling“ hat dieses Album absolut gar nichts mehr zu tun. Es wird ein einziges Kunstwerk dargestellt, was man schon bei näherem Betrachten des Covers bemerkt. Die beiden, Teho Teardo und Blixa Bargeld, wurden wie im Gemälde „Die Gesandten“ von Hans Holbein dem Jüngeren (1533) abgelichtet und das ganze Album an sich wirkt wie eine reine Kunstaustellung, eine düstere Kunstaustellung. Man findet sich in der englischen, deutschen und auch italienischen Sprache wieder, was diese Platte vielseitig aber nicht unbedingt fröhlicher macht.

Es wird auch nicht gesungen, wie man erwarten würde. Es ist mehr ein erhabenes Vortragen durch Blixa Bargelds Stimme, die Musik schreitet demütig hinterher. „Animelle“ und „Nirgendheim“ handeln vom Reisen, Hotels und fremden Zimmern. Natürlich wird auch die Liebe und der Tod behandelt aber spätestens bei „Ulgae“ möchte man Blixa Bargeld nehmen und ganz fest schütteln und schreien, dass er doch bitte aus seinem Alptraum aufwachen möchte, BITTE!

Der Kunstanspruch dieser Platte ist hoch und irgendwie ist es wie mit einem Museum. Entweder, man wird hineingezogen und verliert sich vollkommen darin ODER man möchte eben ganz schnell wieder raus.

Nerissimo

Tracklist:

  1. Nerissimo
  2. DHX2
  3. Ich Bin Dabei
  4. The Empty Boat
  5. The Beast
  6. Animelle
  7. Ulgae
  8. Nirgendheim
  9. Give Me
  10. Nerissimo (Italian)

Live:

21.05.16 Frankfurt am Main, Mousonturm
06.06.16 Berlin, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
07.06.16 Köln,Kulturkirche
08.06.16 Hamburg, Übel&Gefährlich
15.06.16 München, Muffathalle

 

Teho Teardo & Blixa Bargeld - Nerissimo (Specula Records, 22.04.2016)
2.3Gesamtwertung