Die Terrorgruppe und Montreal luden ein zur Klassenfahrt der Sitzenbleiber. Wie heutzutage bei Klassenfahrten so üblich, sind diese aus Geldmangel doch recht kurz – so machten Terrorgruppe und Montreal in nur vier Tagen Station in Magdeburg, Düsseldorf, Bielefeld und Coesfeld. Bei diesem Motto fühlte sich der geneigte Handwritten-Redakteur natürlich angesprochen – einen Nachweis musste man am Eingang glücklicherweise nicht vorlegen. Mit dem Zeugnis der neunten Klasse hätte es diesen durchaus gegeben. Das Abschlusskonzert dieser Klassenfahrt lag zudem günstig am Vorabend des Maifeiertages, so dass der gastgebende Veranstalter, die Fabrik Coesfeld, zusätzlich den Punk in den Mai ausrief und den Bands durchaus die gelöste Stimmung des Tourabschlusses anzumerken war.

Opener des Abends in der übrigens sehr schönen Location Fabrik Coesfeld war der Singer/Songwriter Captains Diary. Dieser wusste sein bis dahin noch überschaubares Publikum durchaus zu überzeugen und gesellte sich zum Abschluss seines Gigs inmitten seiner Zuschauer, die sich im Kreis um ihn versammelten – ein schönes Bild und ein tolles Konzert für Publikum und Captain!

Mit der Dorstener Ska-Band Vertikal ging es dann weiter. Man hatte den Eindruck Band und Publikum mussten erst miteinander warm werden, aber nach ca. der Hälfte des einstündigen Gigs gelang es der Ska-Band dann vollumfänglich, das Publikum für sich einzunehmen. Zum einen lag es sicherlich daran, dass die Band in der zweiten Hälfte ihres Gigs ihre bekannteren Songs spielte, aber auch die Publikum-Konversation deutlich zunahm. Das Publikum, vornehmlich in der Pogo-Zone nur noch spärlich bekleidet, nahm dankbar an. Hervorzuheben wäre der Alkoholtest des Publikums, indem „Marmor, Stein und Eisen bricht“ angespielt und nach mehrmaligen „Dam, dam“ durch das Publikum abgebrochen wurde – „An dieser Stelle spielen wir nicht weiter – hey, wenn ihr so was hören wollt, müsst ihr zum Schützenfest!“. Zur Feierlaune gehören aber Songs wie „Was trinkt ihr? Bier“ – hat Spaß gemacht.

Vertikal

Ordentlich Schackilacki lieferten mal wieder Montreal ab, deren ebenso die Feierstimmung sehr deutlich anzumerken war. Der Becherhalter wurde beim Aufbau bereits ordentlich gefüllt und schon ging es los mit Kino.

Wie üblich entging Montreal nichts, was rund um ihren Gig so passiert und es kommt natürlich auch zur Sprache: so amüsierte man sich über einen Punker, dessen Lebenswandel im Vorfeld des Konzertes sich sichtbar rächte und Ordner, die tatsächlich an der Aufschrift „Hundeführer“ zu erkennen waren. Running-Gag eines Montreal-Konzertes ist es, dass Schlagzeuger, Sprachgenie und selbsternannter Superheld Max Power abgefeiert wird. Wenn schon der Party-Faktor hoch ist, was gibt es denn besseres, als ihren Schlagzeuger über das Publikum stagedivend zur Theke zu schicken, um Nachschub in Form von Schnäpsen zu holen? Gesagt getan, wobei diese teilweise nur halbgefüllt bei Hirsch und Yonas ankamen.

Da hier aber nicht nur großartige Bands zur Klassenfahrt einluden, sondern auch die Teilnehmer mitdachten, wurde die nächste Runde aus dem Publikum organisiert – die Band zeigte sich dankbar. Lustig auch, der Song „120 Sekunden“ wird nicht nur gespielt, sondern durch Uhrenhalter aus dem Publikum optisch belegt. Nach gut einer Stunde endete dann die Klassenfahrt für Montreal, um sich dann am Merchstand weiterhin den Feierlichkeiten zu widmen – tolles Konzert!

Montreal

Die Terrorgruppe hatte sich besonders auf die Klassenfahrt vorbereitet und wie so manches Lehrerteam ganz schön viel Programm mitgebracht – so lag in der Konzertvorbereitung direkt die Setlist auf, bei der eine Din-A4-Seite nicht ausreichte. Dieses wurde auch in die Tat umgesetzt, denn Terrorgruppe spielte fast zwei Stunden. Der erste Lacher hatte Leadsänger MC Motherfucker auf seiner Seite, der im feinsten Kleid und Strumpfhose die Bühne betrat – auch hier zeigte sich die Band sehr gelöst und in Feierlaune.

MC Motherfucker

Musikalisch gab es „eine hohe Hitdichte“: neue Songs aus dem letzten Album „Tiergarten“ wechselten sich alten Hits der Berliner Punklegende ab – so durfte die ökologische Katastrophe um den durch die Kelly Family verstorbenen Fluss „der Rhein ist tot“ sowie in Zeiten in AfD wieder aktuellen Song „Opa halt’s Maul“ nicht fehlen. Aber auch die neuen Songs (z. B. „Schmetterling“ und „Kathadralen“) waren dem Publikum, was stark durchsetzt war mit Terrorgruppen-Fans, nicht fremd und es sang fleißig mit. Die Terrorgruppe drückte ordentlich aufs Gaspedal, die Songs allesamt mit ordentlich Tempo gespielt – die Pogozone erschien als Leistungssportsgruppe. Wie üblich machte die Terrorgruppe ordentlich Blödsinn – was antwortet man, wenn arrogante Westberliner fragen „Seid ihr gut drauf?“ – Richtig – dem dauergrinsenden Gitarristen Johnny Bottrop schlägt ein „Fick dich, Du Arschloch und spiel Gitarre“ entgegen. Pyrotechnik gehört auch dazu – aber halt nicht in sicherer Entfernung zur Band – sondern direkt aus dem Hintern von MC Motherfucker – schräg! Zu guter Letzt endete das Konzert mit dem passenden Song „Wir müssen raus“ – eigentlich geschrieben, um das Trauma des verlustig gegangenen Proberaums zu überwinden – nun wird somit das Publikum herausgebeten und die Klassenfahrt beendet.

Endet die Klassenfahrt wirklich? Eigentlich nein, die Fabrik lud noch zur Aftershow-Party bis in die frühe Morgenstunden, wie Publikum und Bands das noch überstanden haben, ist jedoch nicht überliefert. Man wünscht sich jedoch mehr Klassenfahrten dieser Art und man kann sich nur bei Montreal und der Terrorgruppe für diesen tollen Abend bedanken – hat Spaß gemacht!

 

TERRORGRUPPEMONTREALVERTIKALCAPTAIN`S DIARY